Das Rohstoffteam von ING verweist darauf, dass Spekulationen über eine teilweise Rücknahme der US-Aluminiumzölle die Marktbedingungen voraussichtlich nicht wesentlich verändern werden. Entscheidend sei, dass die zentrale Abgabe von 50% auf Primäraluminium bestehen bleibe. Damit blieben Engpässe bei den heimischen Kapazitäten und hohe Midwest-Prämien erhalten. Das globale Aluminiumangebot sei weiterhin knapp, die Lagerbestände niedrig und politische Risiken führten zu einer stärkeren Fragmentierung der regionalen Märkte.
„Berichte, wonach die US-Regierung erwägt, Teile ihres Aluminiumzollregimes zurückzunehmen, haben die Marktstimmung kaum verändert. Etwaige diskutierte Anpassungen scheinen sich eher auf Weiterverarbeitungsprodukte als auf Primäraluminium zu konzentrieren, sodass die zentrale Abgabe von 50% bestehen bleibt. In der Folge lassen die strukturellen Belastungsfaktoren im US-Markt nicht nach – die inländische Schmelzkapazität bleibt begrenzt, die Abhängigkeit von Lieferungen aus Kanada unverändert, und die Midwest-Prämie verharrt nach der Zollanhebung im vergangenen Jahr auf erhöhtem Niveau.“
„Die Zölle haben die US-Handelsströme bereits neu geordnet: Primärmetalle wurden aus den USA umgelenkt, die Zuflüsse von Schrott nahmen zu, während ein Teil des kanadischen Metalls nach Europa ging. Selbst wenn Abgaben auf Weiterverarbeitungsprodukte gelockert würden, dürfte sich an der aktuellen Marktdynamik wenig ändern. Angesichts faktisch leerer Börsenlager, fortgesetzter Bestandsabbauten und Berichten über umfangreiche Spotanfragen für das zweite Quartal bleibt der physische Markt stark angespannt.“
„Eine Rücknahme, die sich auf Weiterverarbeitungsprodukte beschränkt, würde sich nicht in den LME-Preisen niederschlagen und hätte nur begrenzte Auswirkungen auf die Midwest-Prämie. Das Gesamtbild bleibt unverändert – das globale Aluminiumangebot ist weiter knapp, die Lagerbestände sind dünn, spekulative Positionierungen erhöht, und die regionalen Märkte werden durch politische Risiken zunehmend fragmentiert.“