Die Strategen der Scotiabank, Shaun Osborne und Eric Theoret, sehen den US-Dollar weiter unter Druck. Die US-Währung ist auf den tiefsten Stand seit Mitte Juni gefallen, nachdem das US-Finanzministerium angekündigt hatte, seine Anleiherückkäufe zu verdoppeln. Am Markt wird der Schritt als Versuch gewertet, die langfristigen Renditen zu beeinflussen. Zugleich bestehen Zweifel an der Entschlossenheit der US-Notenbank Fed im Kampf gegen die Inflation und an der Tragfähigkeit der US-Finanzpolitik. Beim US-Dollar-Index (DXY) halten die Strategen kurzfristig einen weiteren Rückgang um 1 bis 1,5 Prozent für möglich.
„Der US-Dollar gibt heute weiter nach und ist auf den niedrigsten Stand seit Mitte Juni gefallen. Die Aktienmärkte zeigen sich uneinheitlich, die Rohölpreise ziehen an und die wichtigsten Anleihemärkte tendieren etwas schwächer. US-Staatsanleihen entwickeln sich unterdurchschnittlich, während die Zinskurve wieder steiler wird.“
„Die gestrige Ankündigung des US-Finanzministeriums, das Volumen seiner Anleiherückkäufe zu verdoppeln, hat den Markt überrascht. Die Mitteilung kam nur zwei Wochen nach der jüngsten vierteljährlichen Ankündigung zur Refinanzierung und wenige Stunden vor einer Auktion 20-jähriger US-Staatsanleihen.“
„Der Plan zielt auf die langfristigen Zinsen und ist vom Umfang her begrenzt. Die Rückkäufe steigen von zwei auf vier Milliarden US-Dollar und laufen vom 9. September bis zum 4. November. Offiziell geht es um das Liquiditätsmanagement. Die Ankündigung erweckte jedoch den Eindruck, dass das Finanzministerium versucht, die Märkte für US-Staatsanleihen nach dem jüngsten Anstieg der langfristigen Renditen zu beruhigen – und das hinterlässt keinen guten Eindruck.“
„Das deutet darauf hin, dass das Finanzministerium versucht, die langfristigen Zinsen zu steuern. Diese sind gestiegen, weil die Märkte die Entschlossenheit der Fed im Kampf gegen die Inflation infrage stellen und sich Anleger Sorgen über die Tragfähigkeit der US-Finanzpolitik machen. Wenn die Renditen diese Sorgen nicht vollständig auffangen können, muss der US-Dollar einen Teil der Last tragen. Die Wette auf eine Abwertung des Dollars erlebt damit ein Comeback.“
„Das Protokoll der Fed-Sitzung vom Juli zeigte, dass ‚viele‘ Währungshüter eine straffere Geldpolitik für notwendig hielten, falls die Inflation nicht zurückgeht. Jüngste Anzeichen eines nachlassenden Preisdrucks und einer gewissen Abkühlung am Arbeitsmarkt sprechen jedoch dafür, dass das Risiko einer Zinserhöhung im September weiterhin geringer ist, als es die vom Markt eingepreiste Wahrscheinlichkeit von etwas mehr als 30 Prozent vermuten lässt.“
„Aus charttechnischer Sicht hat der DXY seine Verluste über die 50-Prozent-Korrektur der Dollar-Gewinne aus dem ersten Halbjahr hinaus ausgeweitet. Damit ist kurzfristig der Weg für einen weiteren Rückgang des Index um 1 bis 1,5 Prozent frei.“