Krypto-Anleger könnten das Ausmaß der nächsten Wachstumsphase der Branche unterschätzen, weil sie sich zu stark an den heutigen Marktbedingungen orientieren. Darauf weist Bitwise-Investmentchef Matt Hougan hin.
In einem am späten Dienstag veröffentlichten Bericht nennt Hougan drei Fehler, die Anleger seiner Ansicht nach machen, während die Branche über ihre bisherigen Grenzen hinauswächst.
Der erste Punkt betrifft die Größe der Märkte, für die Krypto-Anwendungen künftig ausgelegt sein könnten. Als Beispiel nennt Hougan Uniswap. Die dezentrale Börse wurde ursprünglich für den Handel zwischen Kryptowerten entwickelt. Mit der zunehmenden Tokenisierung klassischer Vermögenswerte könnte ihr potenzieller Markt jedoch erheblich wachsen.
„Die Menschen betrachten diese Anwendungen als Krypto-Anwendungen, genauso wie sie Amazon früher für einen Buchhändler hielten“, schrieb Hougan.
Während der gesamte Kryptomarkt derzeit auf einen Wert von rund zwei Billionen US-Dollar kommt, beziffert Hougan den weltweiten Aktienmarkt auf etwa 150 Billionen Dollar. Der globale Anleihemarkt sei sogar rund 350 Billionen Dollar schwer.
Wenn Aktien, Anleihen, Immobilien und andere Vermögenswerte zunehmend über Blockchain-Infrastrukturen abgewickelt werden, könnten Plattformen wie Uniswap, Hyperliquid, Aave und Chainlink Märkte bedienen, die um ein Vielfaches größer sind als der heutige Kryptosektor.
„Inzwischen besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass die Tokenisierung jede nur vorstellbare Art von Vermögenswert erfassen wird“, erklärte Hougan.
Hougans zweiter Punkt betrifft die aus seiner Sicht überschätzte Fähigkeit traditioneller Finanzinstitute, den Kryptomarkt zu dominieren. Als Beispiel führt er die Einführung des PayPal-Stablecoins im Jahr 2023 an.
Trotz der weltweit bekannten Marke und des etablierten Kundenstamms von PayPal hat dessen Stablecoin bislang nur einen kleinen Teil des Marktes erobert. Tethers USDT und Circles USDC kommen zusammen derzeit auf rund 88 Prozent des Stablecoin-Marktes, während PayPal bei etwa einem Prozent liegt.
„Innerhalb der Kryptowelt kennen und vertrauen mehr Menschen Tether als PayPal“, schrieb Hougan.
Auch bei der Verwahrung von Kryptowerten zeigt sich nach seiner Darstellung ein ähnliches Bild. Fidelity stieg 2019 in diesen Markt ein, inzwischen hat sich jedoch Coinbase zum größten Krypto-Verwahrer in den USA entwickelt. Gleichzeitig räumt Hougan ein, dass traditionelle Finanzkonzerne dort führend sein können, wo sie bereits über klare Wettbewerbsvorteile verfügen. Als Beispiel nennt er BlackRock, das den US-Markt für börsengehandelte Bitcoin-Spotfonds (ETF) anführt.
Hougans dritter Punkt betrifft die Annahme, dass sich die künftige Größe der Blockchain-Märkte anhand der heutigen Transaktionsvolumina abschätzen lässt. Die Tokenisierung könnte die Handelsaktivität seiner Einschätzung nach deutlich erhöhen, da Vermögenswerte dadurch rund um die Uhr gehandelt werden könnten.
US-Aktien werden derzeit etwa 33 Stunden pro Woche gehandelt. In einem rund um die Uhr geöffneten tokenisierten Markt wären dagegen bis zu 168 Handelsstunden pro Woche möglich. Wenn KI-Agenten zunehmend Portfolios überwachen und selbstständig Transaktionen ausführen, könnte die Handelsaktivität nach Hougans Einschätzung kräftig zunehmen.
Hinter allen drei Fehleinschätzungen steht für Hougan letztlich derselbe Punkt: Die Kryptobranche verändert sich schneller, als viele Anleger ihre Erwartungen anpassen.
„Die Chance entsteht in der Lücke zwischen dem Tempo, mit dem sich die Branche entwickelt, und dem Tempo, mit dem die Wahrnehmung dieser Entwicklung folgt“, erklärte Hougan.