Die US-Aktien steigen am Dienstag, da die Rohölpreise nachgeben und eine Welle stärker als erwarteter Quartalsergebnisse die These untermauert, dass Gewinne und nicht die Geldpolitik die Hauptstütze dieses Marktes sind. Der Dow Jones Industrial Average (DJIA) steigt um rund 0,3 % und liegt wieder über 49.000, womit er den Großteil des 1,1%igen Rückgangs vom Montag wettmacht. Der S&P 500 gewinnt fast 0,7 %, während der Nasdaq Composite nach einem neuen Intraday-Allzeithoch über 25.000 um etwa 1 % zulegt. Die Sitzung verläuft vor dem Hintergrund einer bemerkenswert gelassenen Einschätzung des Waffenstillstands zwischen den USA und dem Iran, obwohl neue Angriffe in der Straße von Hormus darauf hindeuten, dass die Lage vor Ort alles andere als stabil ist.
Der Energiesektor baut einen Teil des Anstiegs vom Montag wieder ab. Die Futures auf West Texas Intermediate (WTI) Rohöl fallen um 3 % und notieren über 102 USD pro Barrel, während Brent-Rohöl um 2 % auf über 111 USD pro Barrel nachgibt. Der Rücksetzer erfolgt trotz anhaltender iranischer Belästigungen in der Straße von Hormus, wo Teheran Berichten zufolge seit Bekanntgabe des Waffenstillstands neunmal Schiffe angegriffen hat. Der Vorsitzende der Joint Chiefs, Dan Caine, wies am Dienstag darauf hin, dass rund 22.500 Seeleute weiterhin nicht durch die Engstelle passieren können, während Hunderte Schiffe in der Warteschlange stehen und auf US-Marinebegleitung warten. Verteidigungsminister Pete Hegseths Aussage, der Waffenstillstand „halte sicherlich“, trägt unter diesen Umständen viel zur Beruhigung bei. Die Marktreaktion deutet darauf hin, dass Investoren das US-Eskorteregime als dauerhafte Einrichtung und nicht als fragile Übergangslösung betrachten. Das ist eine bemerkenswerte Einschätzung und erwähnenswert: Die Aktienmärkte preisen die Straße von Hormus faktisch als wieder geöffnet ein, während der zugrundeliegende Konflikt keinerlei Anzeichen einer Deeskalation zeigt. Ölabhängige zyklische Werte profitieren von dieser Interpretation, wobei Industrie- und Transportwerte die Erholung von den Tiefstständen am Montag anführen.
Die Reaktion am Dienstag ist ein klarer Sieg für die Bullen. Pfizer (PFE) steigt um rund 2 %, nachdem die Quartalsergebnisse und Umsätze die Konsensschätzungen übertroffen haben; der Pharmakonzern bekräftigte seine Prognose für das Gesamtjahr 2026. Anheuser-Busch InBev (BUD) legt um etwa 8 % zu und verzeichnet das erste vierteljährliche Bier-Volumenwachstum seit drei Jahren sowie bessere Ergebnisse bei Umsatz und Gewinn. Intel (INTC) ist die herausragende Einzelaktie mit einem Anstieg von rund 10 %, nachdem Bloomberg berichtete, dass Apple (AAPL) sich in frühen Gesprächen mit dem Chiphersteller über eine US-amerikanische Chipfertigung befindet. Micron (MU) steigt um weitere 5 %, da Analysten ihre Kursziele angesichts der durch KI getriebenen Nachfrage nach Hochgeschwindigkeits-Speicher weiter anheben. Die kumulative Botschaft ist dieselbe, die der Markt während der gesamten Berichtssaison hört: Umsatz- und Gewinnüberraschungen liegen deutlich über dem historischen Durchschnitt und haben ausgereicht, um den Großteil des makroökonomischen Rauschens zu absorbieren.
Nicht jeder Gewinner bei den Quartalsergebnissen wird auch als solcher gehandelt. Die Aktien von Palantir (PLTR) fallen um rund 3 %, obwohl das Datenanalyseunternehmen Rekordumsätze im ersten Quartal erzielte, die Konsensschätzungen beim Gewinn je Aktie übertraf und die Jahresprognose anhob. Die Umsätze im ersten Quartal stiegen im Jahresvergleich um 85 %, während die Wall-Street-Erwartung näher bei 75 % lag. Die Reaktion ist die klarste Marktreaktion auf eine immer lauter werdende Frage: Wie viel des zukünftigen Wachstums ist bereits im Kurs enthalten? Die Aktien liegen im Jahresverlauf immer noch fast 20 % im Minus, und eine Prognoseanhebung, die bei fast jedem anderen KI-Unternehmen gefeiert worden wäre, wurde mit Gewinnmitnahmen beantwortet. Es handelt sich um eine implizite Einschätzung, nicht um eine These, aber die Kursentwicklung deutet darauf hin, dass Bewertungsdisziplin dort Einzug hält, wo sie bislang deutlich fehlte.
Die heutigen Daten unterstützen insgesamt die Risikobereitschaft, enthalten aber einige Nuancen. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) für den Dienstleistungssektor des Institute for Supply Management (ISM) lag bei 53,6 und damit leicht unter dem Konsens von 53,7, während der S&P Global Composite PMI mit 51,7 gegenüber erwarteten 52 ausfiel. Die Job Openings and Labor Turnover Survey (JOLTS) für März verzeichnete 6,87 Millionen offene Stellen, etwas mehr als erwartet, und das Bureau of Labor Statistics (BLS) meldete einen deutlichen Anstieg der Einstellungsrate auf 3,5 %. All dies reicht für sich genommen nicht aus, um die Erwartungen an die Federal Reserve (Fed) zu verändern, zumal die mehrfachen hawkischen Dissensstimmen bei der letzten Sitzung noch präsent sind. Das größere Ereignis steht am Ende der Woche an: die Veröffentlichung der NFP am Freitag, bei der der Konsens nur noch ein Stellenwachstum von 60.000 gegenüber zuvor 178.000 erwartet. Mit den ADP-Daten am Mittwoch, den wöchentlichen Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe am Donnerstag und einer Vielzahl von Fed-Rednern, darunter Williams, Goolsbee, Hammack und Kashkari, werden die nächsten 72 Stunden wahrscheinlich den Ton für die Diskussion über den Zinsweg im Mai vorgeben.

Der Futures-Markt ist ein börsenbasierter Auktionsmarkt, auf dem Teilnehmer Kontrakte auf einen Basiswert kaufen und verkaufen, die zu einem festgelegten zukünftigen Zeitpunkt und Preis erfüllt werden. Der festgelegte Preis wird bereits heute vereinbart und leitet sich vom zugrunde liegenden Vermögenswert ab. Futures-Kontrakte können auf eine Vielzahl von Basiswerten abgeschlossen werden, wobei Rohstoffe zu den beliebtesten zählen, daneben aber auch Währungen und Indizes häufig zugrunde liegen. Die Preise von Futures hängen vom jeweiligen Basiswert ab und dienen Unternehmen, Institutionen und großen Marktteilnehmern als Instrument zur Steuerung von Risiken durch Absicherungsgeschäfte.
Futures können auf unterschiedliche Weise gehandelt werden. Am gebräuchlichsten ist der Handel über eine regulierte Börse oder über sogenannte Differenzkontrakte (CFDs). Im ersten Fall ist die Liquidität hoch und die Preisbildung transparenter, da der Broker lediglich als Vermittler zwischen Anleger und Markt fungiert. Allerdings ist dafür in der Regel ein höherer Kapitaleinsatz erforderlich. Zu den größten Terminbörsen zählen die Chicago Mercantile Exchange und die New York Mercantile Exchange. Beim Handel über CFDs hingegen ist ein geringerer Kapitaleinsatz nötig, was den Handel flexibler macht – allerdings geht dies zulasten der Transparenz.
Zu den meistgehandelten Futures-Kontrakten zählen der E-mini S&P 500, Rohöl (Brent, WTI), Erdgas, Gold, Silber, Kupfer sowie Agrarrohstoffe wie Getreide. Diese Märkte zeichnen sich durch hohe Liquidität aus und stehen weltweit im Fokus von Händlern. Das Handelsvolumen an den Terminmärkten übersteigt das des Kassamarktes kontinuierlich, häufig deutlich. Ausschlaggebend dafür sind vor allem der Einsatz von Hebelwirkungen, Absicherungsstrategien sowie die höhere Liquidität an den Börsen.
Ja. Futures, insbesondere Aktienindex-Futures wie auf den S&P 500 oder den Nasdaq, gelten als wichtige Gradmesser für die Marktstimmung, da sie die Erwartungen der Anleger für den Eröffnungskurs der nächsten Handelssitzung widerspiegeln. Fallen die Aktienindex-Futures, deutet dies auf eine höhere Risikoaversion hin und signalisiert eine eher negative Marktstimmung. Steigende Futures hingegen sprechen dafür, dass Anleger wieder mehr Risiko eingehen.
Mit näher rückendem Fälligkeitstermin eines Futures-Kontrakts nähert sich dessen Preis dem Kassapreis an und stimmt bei Ablauf nahezu vollständig mit ihm überein. Vor dem Ende der Laufzeit können die Preise jedoch teils deutlich auseinanderliegen. Von Contango spricht man, wenn die Futures-Preise über den Kassapreisen liegen, während das umgekehrte Szenario als Backwardation bezeichnet wird, also wenn die aktuellen Preise höher sind als die Terminpreise. Bei Rohstoffen gilt Contango als der übliche Marktzustand, da die Lagerung und Absicherung eines Vermögenswerts Kosten verursacht, etwa für Transport, Lagerung oder Versicherung. Wechselt ein Markt von Contango in Backwardation oder umgekehrt, wird dies als Signal für eine Trendveränderung gewertet: Der Übergang von Contango zu Backwardation gilt als Hinweis auf steigende Preise, während der Wechsel in die andere Richtung in der Regel als negatives Signal interpretiert wird.