Langfristig orientierte Bitcoin-Anleger (BTC) nehmen wieder verstärkt Angebot auf, obwohl aus den US-Spot-Bitcoin-ETFs weiterhin anhaltende Mittelabflüsse verzeichnet werden. Darauf weist ein am Mittwoch veröffentlichter Bericht des Analysehauses Glassnode hin.
Nach Angaben des Unternehmens sind langfristige Halter (Long-Term Holders, LTH) nach Monaten der Verkäufe wieder zu Netto-Käufern geworden. Das deute auf neues Vertrauen hin, während Bitcoin in der Nähe der Marke von 60.000 US-Dollar gehandelt wird.
Zwar liege das Kauftempo weiterhin unter der aggressiven Akkumulation früherer Haussephasen, dennoch wertet Glassnode die Entwicklung als deutliche Veränderung des Anlegerverhaltens.
„Auch wenn es noch zu früh ist, von einer vollständigen Akkumulationsphase zu sprechen, ist die Rückkehr zu anhaltenden Käufen durch langfristige Anleger ein ermutigendes Signal dafür, dass sich die Überzeugung der Marktteilnehmer im Hintergrund allmählich wieder aufbaut“, schrieb Glassnode.
Historisch seien anhaltende Übergänge von Nettoverkäufen zu Nettozukäufen häufig in Phasen schwacher Märkte zu beobachten gewesen, wenn langfristige Investoren das Angebot kurzfristig orientierter Marktteilnehmer aufgenommen hätten.
Glassnode ergänzte, dass sich die neue Kaufbereitschaft nicht nur auf langfristige Anleger beschränke. Der Bitcoin Accumulation Trend Score zeige, dass die Akkumulation inzwischen über mehrere Wallet-Kategorien hinweg zunehmend breiter getragen werde.
Besonders ausgeprägt sei die Kaufaktivität bei Investoren mit Beständen von weniger als einem Bitcoin sowie bei Marktteilnehmern, die zwischen 100 und 1.000 BTC halten.

BTC: Accumulation Trend Score nach Wallet-Größe (30 Tage). Quelle: Glassnode
Nach Einschätzung von Glassnode spricht die gleichzeitige Verbesserung über mehrere Anlegergruppen hinweg dafür, dass das Vertrauen nach der jüngsten Korrektur langsam zurückkehrt. Für eine breitere Erholung seien jedoch anhaltende Käufe erforderlich.
Institutionelle Nachfrage bleibt wegen ETF-Abflüssen unter Druck
Auf institutioneller Seite hat sich der gleitende Sieben-Tage-Durchschnitt der Kapitalflüsse in US-Spot-Bitcoin-ETFs trotz einer kurzen Erholung im Mai weiter ins Minus bewegt. Die anhaltenden Mittelabflüsse gingen mit dem Rückgang des Bitcoin-Kurses in Richtung 60.000 US-Dollar einher.
„Die anhaltenden Rücknahmen deuten darauf hin, dass institutionelle Investoren weiterhin defensiv agieren und ihre Positionen reduzieren, anstatt die jüngste Kursschwäche für Käufe zu nutzen“, heißt es in dem Bericht.
Nach Einschätzung des Analysehauses verdeutlicht die unterschiedliche Entwicklung zwischen geduldigen On-Chain-Investoren und stärker preisorientierten institutionellen Anlegern die derzeitige Marktstimmung.
Während langfristige Anleger bereits wieder Angebot aufnehmen, fehle ETF-Investoren bislang eine vergleichbare Überzeugung. Eine Stabilisierung der ETF-Zuflüsse dürfte daher von einer allgemein besseren Marktstimmung abhängen.

BTC: Nettozuflüsse in US-Spot-Bitcoin-ETFs in US-Dollar (7-Tage-Durchschnitt). Quelle: Glassnode
US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten im Juni Nettoabflüsse von rund 4,5 Milliarden US-Dollar und damit den schwächsten Monat seit ihrer Einführung. Auf den Fonds IBIT von BlackRock entfielen dabei innerhalb von neun aufeinanderfolgenden Handelstagen Rücknahmen im Volumen von 3,55 Milliarden US-Dollar.
Der leitende Research-Analyst von Nansen, Nicolai Sondergaard, führt die anhaltenden Mittelabflüsse auf eine Kombination aus makroökonomischem Gegenwind und Konkurrenz um risikobehaftetes Kapital zurück – nicht jedoch auf einen grundsätzlichen Vertrauensverlust in Bitcoin.
„Zwei Ereignisse trafen zeitlich zusammen und führten zu dieser Serie: Der Börsengang von SpaceX Mitte Juni band Milliarden US-Dollar an frei verfügbarem Risikokapital, und die erste FOMC-Sitzung unter Vorsitz von Warsh brachte einen restriktiveren Kurswechsel, wodurch kurzfristige Zinssenkungen vom Tisch waren“, sagte Sondergaard gegenüber FXStreet.
Er ergänzte, dass der Wandel bei den Zinserwartungen die Positionierung institutioneller Investoren zusätzlich belastet habe. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sei auf 4,49 Prozent gestiegen, während Terminmärkte inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 85 Prozent für eine weitere Zinserhöhung bis zum Jahresende einpreisten.
Zudem verwies Sondergaard darauf, dass an den Kryptobörsen in der vergangenen Woche Nettoabflüsse von rund 5.500 Bitcoin registriert worden seien, was auf eine anhaltende Verteilung hindeute.
Der Bestand langfristiger Bitcoin-Halter sei zugleich auf den Rekordwert von rund 14,7 Millionen BTC gestiegen. Gleichzeitig habe sich der MVRV-Z-Score von Bitcoin Niveaus angenähert, die historisch häufig mit wichtigen Zyklustiefs zusammenfielen.
„Die On-Chain-Daten und die Derivatemärkte senden derzeit unterschiedliche Signale für denselben Markt“, sagte Sondergaard. Entscheidend dürfte nun sein, ob die anstehenden Konjunkturdaten institutionelle Investoren im Juli wieder an den Markt zurückbringen.
Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichts wurde Bitcoin bei 59.550 US-Dollar gehandelt und lag damit binnen 24 Stunden um 2,4 Prozent im Plus.