Goldpreis Prognose: Experten trauen Gold jetzt mehr als 5.000 Dollar zu

Quelle Fxstreet

Der Goldpreis hat die nächste Marke schneller geknackt, als selbst Morgan Stanley erwartet hatte. Eigentlich rechnete die US-Bank erst für das vierte Quartal mit 4.450 US-Dollar je Feinunze. Dieses Ziel ist nun bereits erreicht. Doch damit soll noch lange nicht Schluss sein.

Morgan Stanley hält einen Goldpreis von mehr als 5.000 US-Dollar im Jahr 2027 inzwischen für realistisch. Das klingt nach einer weiteren kräftigen Rally. Ganz so einfach dürfte es allerdings nicht werden.

„Gold hat unsere Prognose von 4.450 US-Dollar je Unze für das vierte Quartal schneller als erwartet erreicht“, schrieb Analystin Amy Gower. Gleichzeitig sehe die Bank einen Weg zu mehr als 5.000 US-Dollar je Unze im Jahr 2027. Anleger müssten sich auf dem Weg dorthin jedoch auf stärkere Schwankungen einstellen.

Das Spannende an dieser Goldpreis Prognose ist weniger das Kursziel selbst. Viel wichtiger ist, warum Morgan Stanley weiter steigende Preise für möglich hält. Denn hinter der Rally stehen inzwischen mehrere Faktoren gleichzeitig: wieder steigende ETF-Zuflüsse, weitere Goldkäufe der Zentralbanken, eine weniger restriktive US-Geldpolitik und zunehmend auch Sorgen über die Staatsfinanzen der USA.

Goldpreis Prognose
Goldpreis Prognose

Beim Goldpreis kommt plötzlich wieder richtig Geld in den Markt

Noch im Mai und Juni sah die Lage ganz anders aus. Damals flossen insgesamt 93 Tonnen Gold aus börsengehandelten Goldfonds ab. Im Juli und August drehte sich das Bild dann deutlich.

Laut Morgan Stanley kamen in diesen beiden Monaten rund 70 Tonnen hinzu.

Der Grund dafür liegt vor allem bei der US-Notenbank. Der Markt rechnet inzwischen mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit weiterer Zinserhöhungen. Für Gold ist das wichtig, weil das Edelmetall selbst keine Zinsen abwirft. Je attraktiver sichere Anleihen werden, desto schwerer hat es Gold. Fällt dieser Gegenwind weg, verbessert sich das Umfeld.

Morgan Stanley geht davon aus, dass die Federal Reserve ihre Leitzinsen bis Ende 2026 unverändert lässt.

Für den Goldpreis wäre das zunächst einmal eine solide Ausgangslage. Noch entscheidender ist aber, dass die ETF-Nachfrage nach den Abflüssen im Frühjahr wieder zurückgekehrt ist. Damit kommt neben den langfristig orientierten Zentralbanken erneut eine wichtige Anlegergruppe auf die Käuferseite.

China und Polen kaufen weiter Gold

Während viele Anleger bei Rücksetzern nervös werden, machen Zentralbanken offenbar das Gegenteil.

Morgan Stanley zufolge haben mehrere Notenbanken schwächere Goldpreise genutzt, um ihre Reserven auszubauen. Besonders deutlich zeigt sich das bei China und Polen.

China hat seine Goldbestände im laufenden Jahr bereits um 60 Tonnen erhöht. Das ist laut Morgan Stanley der größte Zukauf seit 2023.

Noch aggressiver tritt Polen auf. Die polnische Zentralbank kaufte weitere 82 Tonnen und erhöhte ihre gesamten Goldreserven damit auf 632 Tonnen. Das Ziel liegt bei 700 Tonnen.

Genau diese Käufe sind für die Goldpreis Prognose so wichtig. Zentralbanken handeln nicht wie kurzfristige Trader. Sie bauen ihre Reserven über längere Zeiträume auf und reagieren weniger hektisch auf einzelne Preisschwankungen.

Damit entsteht unter dem Goldmarkt eine Nachfrage, die bei Rücksetzern immer wieder für Unterstützung sorgen kann.

Und genau hier liegt einer der Gründe, warum Gold trotz zwischenzeitlicher Schwächephasen so widerstandsfähig geblieben ist.

Beim Goldpreis passiert gerade etwas Ungewöhnliches

Normalerweise lässt sich Gold recht gut über die Entwicklung der realen Anleiherenditen erklären.

Steigen die inflationsbereinigten Renditen von US-Staatsanleihen, bekommt Gold häufig Probleme. Anleger können dann mit sicheren Anleihen eine höhere reale Rendite erzielen, während Gold keine laufenden Erträge abwirft.

Doch dieses Muster funktioniert offenbar nicht mehr so zuverlässig wie früher.

Morgan Stanley verweist darauf, dass der Goldpreis Anfang August gestiegen ist, obwohl die langfristigen Renditen weitgehend unverändert blieben.

Das klingt zunächst unspektakulär. Für Anleger könnte es aber eine wichtige Veränderung sein.

Die Bank glaubt, dass Gold inzwischen stärker darauf reagiert, warum die Renditen hoch sind. Nach Einschätzung von Morgan Stanley scheint das Edelmetall die fiskalischen Sorgen hinter höheren Renditen stärker einzupreisen als das eigentliche Renditeniveau.

Anders formuliert: Steigen die Renditen, weil die US-Wirtschaft boomt und Anleger hohe reale Erträge erwarten, wäre das normalerweise schlecht für Gold. Steigen sie dagegen, weil Investoren wegen hoher Staatsdefizite und einer wachsenden Verschuldung eine höhere Risikoprämie verlangen, kann das ganz anders aussehen.

Dann werden höhere Renditen plötzlich selbst zum Warnsignal.

Und genau davon könnte Gold profitieren.

Berichte über einen ausgeweiteten Rückkaufplan des US-Finanzministeriums für Staatsanleihen liefern laut Morgan Stanley zusätzliche Unterstützung.

Genau hier liegt aber auch das größte Risiko

So überzeugend die Goldpreis Prognose von Morgan Stanley klingt: Der Weg über 5.000 US-Dollar dürfte kaum geradlinig verlaufen.

Ein entscheidender Faktor sind die kommenden Inflationsdaten aus den USA.

Fällt die Teuerung höher aus als erwartet, könnten Anleger ihre Erwartungen an die Fed erneut ändern. Schon die Aussicht auf eine wieder straffere Geldpolitik würde ausreichen, um den Goldpreis kurzfristig unter Druck zu setzen.

Hinzu kommt ein zweiter Punkt, der häufig unterschätzt wird.

Die Short-Positionierung an der COMEX liegt laut Morgan Stanley nahe dem niedrigsten Stand seit April 2020. Es gibt also vergleichsweise wenige Marktteilnehmer, die aktuell auf fallende Goldpreise setzen.

Warum ist das relevant?

Wenn ein Markt stark steigt, können Anleger mit Short-Positionen irgendwann gezwungen sein, diese Positionen durch Käufe zu schließen. Solche sogenannten Short-Eindeckungen können eine Rally zusätzlich beschleunigen.

Doch wenn kaum noch Short-Positionen vorhanden sind, fällt dieser zusätzliche Treibstoff weitgehend weg.

Damit ist der Goldmarkt zwar fundamental gut unterstützt. Gleichzeitig fehlt kurzfristig ein Faktor, der steigende Kurse zusätzlich verstärken könnte.

Jetzt wird auch Truist beim Goldpreis vorsichtiger optimistisch

Morgan Stanley steht mit seiner Einschätzung nicht allein da.

Truist hat seine Bewertung für Gold am Donnerstag von „weniger attraktiv“ auf „neutral“ angehoben.

Die Analysten nennen dafür drei Gründe: stabilere Realzinsen, weitere Goldkäufe der Zentralbanken und einen schwächeren US-Dollar.

Vor allem die Entwicklung der realen US-Anleiherenditen hat sich verändert. Nach Einschätzung der Analysten um Keith Lerner sind die Realrenditen in den vergangenen Wochen nicht weiter gestiegen.

Für Gold fällt damit ein wichtiger Belastungsfaktor weg.

Zusätzlicher Druck auf die Renditen könnte durch das US-Finanzministerium entstehen. Dieses hat zuletzt die Rückkaufvolumina für länger laufende Staatsanleihen verdoppelt. Truist erwartet, dass dies die Renditen zusätzlich unter Druck setzen könnte.

Sollten die Realrenditen tatsächlich sinken, wäre das für Gold ein weiterer Pluspunkt.

Auch der Gold-Chart sendet wieder ein besseres Signal

Nicht nur fundamental hat sich das Bild aufgehellt.

Auch technisch sieht Gold inzwischen besser aus. Der Preis ist wieder über seinen gleitenden 200-Tage-Durchschnitt gestiegen.

Diese Marke ist deshalb relevant, weil sie von vielen Anlegern als wichtiger Gradmesser für den langfristigen Trend genutzt wird. Ein Kurs oberhalb der 200-Tage-Linie bedeutet nicht automatisch, dass Gold jetzt ohne Unterbrechung weiter steigt.

Es zeigt aber, dass der vorherige Abwärtsdruck nachgelassen hat.

Das technische Bild passt damit zunehmend zu den fundamentalen Faktoren.

Die Realrenditen steigen nicht mehr. Zentralbanken kaufen weiter. Der Dollar hat sich abgeschwächt. Gleichzeitig kehrt Kapital in Gold-ETFs zurück.

Genau diese Kombination macht die aktuelle Situation so interessant.

Der Dollar spielt dem Goldpreis zusätzlich in die Karten

Auch die US-Währung hat sich von ihren jüngsten Hochs entfernt.

Truist verweist in diesem Zusammenhang auf schwächere US-Konjunkturdaten. Dazu gehören eine abkühlende Inflation, ein schwächeres Beschäftigungswachstum und die zurückhaltendere Haltung der Federal Reserve.

Für Gold war ein schwächerer Dollar historisch häufig hilfreich.

Das liegt auch daran, dass Gold international in US-Dollar gehandelt wird. Verliert der Dollar an Wert, wird das Edelmetall für Käufer außerhalb der USA günstiger.

Gleichzeitig bleibt die Nachfrage der Zentralbanken hoch. Genau das ist deshalb wichtig, weil zuletzt immer wieder die Sorge aufgekommen war, dass sich die Käufe nach dem starken Goldpreisanstieg abschwächen könnten.

Bislang liefern die Daten dafür jedoch kein klares Signal.

Goldpreis Prognose: Sind mehr als 5.000 Dollar wirklich drin?

Damit wird die entscheidende Frage interessant: Ist ein Goldpreis von mehr als 5.000 US-Dollar im Jahr 2027 tatsächlich realistisch?

Morgan Stanley beantwortet diese Frage inzwischen klar mit Ja.

Die Bank sieht mehrere Faktoren, die den Preis weiter nach oben treiben können. ETF-Zuflüsse sind zurück. Zentralbanken kaufen weiter. Die Wahrscheinlichkeit neuer Zinserhöhungen ist gesunken. Der US-Dollar hat nachgegeben. Und gleichzeitig gewinnt ein Thema an Bedeutung, das Anleger lange kaum beachtet haben: die Sorge um die langfristige Tragfähigkeit der US-Staatsfinanzen.

Gerade dieser Punkt könnte für Gold besonders wichtig werden.

Denn wenn das Edelmetall beginnt, sich dauerhaft von den realen Renditen zu lösen, verändert sich eine der wichtigsten Regeln der vergangenen Jahre. Gold wäre dann nicht mehr nur eine Wette auf niedrigere Zinsen, sondern zunehmend auch eine Absicherung gegen fiskalische Risiken.

Truist formuliert seine Einschätzung trotzdem bewusst vorsichtiger. Gold liegt nach Angaben der Analysten weiterhin rund 15 % unter seinen jüngsten Höchstständen. Die vorhandenen Signale sprächen deshalb inzwischen für eine ausgewogenere Beurteilung.

Das ist wahrscheinlich die sinnvollste Art, die aktuelle Lage zu betrachten.

Der Goldpreis hat mehrere starke Argumente auf seiner Seite. Ein Anstieg über 5.000 US-Dollar ist nach der Prognose von Morgan Stanley möglich. Gleichzeitig stehen mit den US-Inflationsdaten und der ungewöhnlich niedrigen Short-Positionierung zwei Faktoren im Raum, die jederzeit für größere Ausschläge sorgen können.

Wer nur auf das Kursziel schaut, übersieht deshalb den entscheidenden Punkt.

Die eigentliche Geschichte beim Goldpreis ist nicht die Marke von 5.000 US-Dollar. Viel spannender ist, dass sich die Treiber des Goldmarktes gerade verändern. Zentralbanken, ETF-Investoren, Realrenditen, Dollar und die amerikanischen Staatsfinanzen wirken inzwischen gleichzeitig auf den Preis.

Sollte sich dieser Mix fortsetzen, könnte die aktuelle Goldpreis Prognose von Morgan Stanley am Ende weniger spektakulär sein, als sie heute klingt.

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