Der Goldpreis (XAU/USD) fällt am frühen Freitag im asiatischen Handel auf ein Acht-Monats-Tief bei rund 3.975 USD. Das Edelmetall setzt seinen Abwärtstrend fort, da steigende Spannungen im Nahen Osten Inflationssorgen schüren und die Erwartungen an anhaltend hohe US-Zinssätze verstärken.
Reuters berichtete am Donnerstag, dass der Iran die jemenitische Houthi-Bewegung aufgefordert hat, bereit zu sein, die Ölroute im Roten Meer zu schließen, falls die USA iranische Energieinfrastruktur angreifen, was eine neue erhebliche Bedrohung für die globale Energieversorgung darstellt. Diese Maßnahme folgte auf die Drohung des US-Präsidenten Donald Trump, am Dienstag die iranische Energieinfrastruktur anzugreifen.
Jede Bedrohung des Roten Meeres könnte die globale Energiekrise, die durch die Schließung der Straße von Hormus durch den Iran ausgelöst wurde, erheblich verschärfen und unterstreicht die explosiven Risiken, die von einer neuen Kriegsrunde ausgehen. Dies könnte wiederum die Rohölpreise steigen lassen und die Zentralbanken dazu veranlassen, die Zinssätze länger auf hohem Niveau zu halten, was die Attraktivität von Gold als zinsloses Anlagegut belastet.
Die Entwicklungen rund um die Nahostkonflikte überlagern den jüngsten Optimismus hinsichtlich einer nachlassenden Inflation. Am Dienstag veröffentlichte Daten zeigten, dass die US-Verbraucherpreisindex (VPI) Inflation im Juni nachließ, während die Daten vom Mittwoch einen Rückgang des Erzeugerpreisindex (EPI) zeigten.
Händler rechnen nun laut dem CME FedWatch Tool mit fast 55% Wahrscheinlichkeit, dass die Federal Reserve (Fed) die Zinssätze im September anheben wird.
Gold hat in der Geschichte der Menschheit stets eine zentrale Rolle gespielt – als universelles Tauschmittel und sicherer Wertspeicher. Heute wird das Edelmetall vor allem als „sicherer Hafen“ in Krisenzeiten geschätzt. Gold dient nicht nur als Schmuck oder Anlageobjekt, sondern wird auch als Absicherung gegen Inflation und Währungsabwertungen betrachtet. Sein Wert ist unabhängig von staatlichen Institutionen oder einzelnen Währungen, was es in unsicheren Zeiten besonders attraktiv macht.
Zentralbanken zählen zu den größten Goldkäufern weltweit. Um ihre Währungen in Krisenzeiten zu stützen, kaufen sie Gold, um die wirtschaftliche Stabilität und das Vertrauen in ihre Währungen zu stärken. 2022 kauften Zentralbanken laut World Gold Council 1.136 Tonnen Gold im Wert von rund 70 Milliarden US-Dollar – ein Rekordwert. Besonders schnell wachsende Schwellenländer wie China, Indien und die Türkei erhöhen ihre Goldreserven in hohem Tempo.
Gold steht traditionell in einer inversen Beziehung zum US-Dollar und zu US-Staatsanleihen – beide gelten als bedeutende Reservewährungen und sichere Häfen für Anleger. Wenn der Dollar abwertet, steigt der Goldpreis häufig, was Investoren und Zentralbanken in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit dazu veranlasst, ihre Portfolios zu diversifizieren. Ebenso ist Gold gegenläufig zu risikobehafteten Vermögenswerten. Während ein Aufschwung an den Aktienmärkten den Goldpreis oft drückt, profitieren Goldinvestoren in Zeiten von Börsenturbulenzen.
Der Goldpreis unterliegt einer Vielzahl von Einflussfaktoren. Geopolitische Spannungen oder die Sorge vor einer tiefen Rezession können den Preis des Edelmetalls schnell in die Höhe treiben, da Gold als sicherer Hafen gilt. Ohne eigene Rendite steigt der Wert des Metalls häufig in Phasen niedriger Zinsen, während hohe Zinskosten den Preis drücken. Die Entwicklung des Goldpreises ist jedoch stark vom US-Dollar abhängig, da das Edelmetall in Dollar (XAU/USD) gehandelt wird. Ein starker Dollar übt in der Regel Druck auf den Goldpreis aus, während ein schwächerer Dollar zu einer Verteuerung führen kann.