TradingKey - Zu Beginn der europäischen Sitzung am 2. Juli schwankten die WTI-Rohölpreise ( USOIL) mit einer leicht schwächeren Tendenz um die Marke von 68 $ und setzten damit ihren jüngsten Abwärtstrend fort. Aus technischer Sicht sind die WTI-Rohölpreise vor dem Hintergrund der nachlassenden Spannungen zwischen den USA und dem Iran weiter gesunken und fielen heute kurzzeitig unter die Schwelle von 68 $ auf ein Tief von 67,45 $, was einen neuen Tiefstand seit März dieses Jahres markiert.
Aus fundamentaler Sicht sind die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran über die Straße von Hormus und den Waffenstillstandsmechanismus der entscheidende Faktor, der die jüngsten Preisbewegungen bei WTI-Rohöl beeinflusst. Zuvor hatte der US-Iran-Konflikt die Sorgen des Marktes über Störungen der Schifffahrt im Golf verstärkt und den Ölpreisen eine geopolitische Risikoprämie aufgeprägt. Nachdem die beiden Seiten jedoch ihre technischen Kontakte in Doha, Katar, wieder aufgenommen haben, haben sich die Befürchtungen des Marktes vor Versorgungsengpässen deutlich abgekühlt.
Trump erklärte kürzlich, dass die USA und der Iran „sehr gut miteinander auskommen“, und merkte an, dass die jüngsten Treffen in Katar reibungslos verlaufen seien. Er deutete zudem an, dass der Denuklearisierungsprozess des Iran „gut vorankommt“ und dass beide Seiten „sehr gute Gespräche“ geführt hätten.
Für WTI haben Trumps Äußerungen die Risikoprämie direkt aufgezehrt. Zuvor war die primäre Logik zur Stützung der Ölpreise, dass bei einer erneuten Eskalation des US-Iran-Konflikts oder einer Einschränkung des Transits durch die Straße von Hormus durch den Iran die globale Rohöl-Lieferkette unterbrochen werden könnte. Da Trump und katarische Regierungsvertreter jedoch über positive Fortschritte bei den indirekten US-Iran-Gesprächen berichteten – mit Fokus auf die Schifffahrt in der Meerenge, die Umsetzung des Waffenstillstands und teilweise eingefrorene Gelder –, kühlen sich die Erwartungen des Marktes an kurzfristige Störungen der Rohölversorgung ab.
Allerdings bleibt die Haltung des Iran unnachgiebig. Iranische Beamte bestehen darauf, dass Teheran die Kontrolle über die Transitregelungen in der Straße von Hormus behalten sollte, einschließlich der Entscheidung darüber, wie Schiffe die Meerenge passieren, sowie einer potenziellen künftigen Gebührenerhebung für entsprechende Schiffe. Teheran betonte zudem, dass man nicht bereit sei, den Fokus der Verhandlungen auf andere Streitigkeiten zu verlagern, bevor die Frage der Kontrolle über die Straße von Hormus geklärt ist.
Die divergierenden Aussagen der USA und des Iran haben eine Situation geschaffen, in der bei den Ölpreisen eine kurzfristige Entspannung und eine mittelfristige Unsicherheit koexistieren. Kurzfristig haben Trumps optimistische Äußerungen und die Fortschritte bei den Verhandlungen in Katar die Öl-Risikoprämie belastet; mittelfristig könnte das Beharren des Iran auf der Kontrolle der Meerenge jedoch weiterhin zu Rückschlägen in den Folgegesprächen führen. Sollten die beiden Seiten erneut über Navigationsrechte, Gebührenerhebungen oder militärische Eskorten aneinandergeraten, könnte WTI-Rohöl schnell wieder nach oben schnellen.

WTI-Rohöl-Tageschart, Quelle: TradingView
Betrachtet man den Tageschart von WTI-Rohöl, so hat sich der Gesamttrend nach einem bestätigten Durchbruch unter die Marke von 80 USD am 16. Juni nach unten verlagert. Zugleich zeigt das System der gleitenden Durchschnitte, dass die SMAs 5, 10 und 20 allesamt unter den SMA 144 gefallen sind. Dies bildet ein „Death Cross“ (Todeskreuz), welches das bärische Momentum weiter verstärkt.
Derzeit hat das WTI-Rohöl sowohl die Marke von 70 USD als auch das 0,786-Fibonacci-Retracement-Niveau bei 69,40 USD nach unten durchbrochen. Dies eröffnet weiteres Abwärtspotenzial, wobei die Preise kurz davor stehen, die Unterstützung bei 60 USD zu testen und potenziell sogar bis in den Bereich von 56 USD zu fallen.
Hinsichtlich der Handelsstrategie wird empfohlen, bei Kurserholungen Short-Positionen einzugehen.