TradingKey - Am 29. Juni (US-Ostküstenzeit) zeigte sich eine deutliche Diskrepanz in den Erklärungen der USA und des Iran bezüglich der Frage, ob am 30. Juni Gespräche in Doha stattfinden werden.
US-Präsident Donald Trump postete an diesem Tag auf der Social-Media-Plattform Truth Social, der Iran habe um Gespräche gebeten, und erklärte: „Die Gespräche werden morgen in Doha (Katar) stattfinden.“ Die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, bestätigte anschließend gegenüber Medien, dass der US-Präsidenten-Sondergesandte Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner „diese Woche nach Doha fliegen werden“, um an den hochrangigen US-iranischen Gesprächen teilzunehmen.

[Quelle: Truth Social]
Die iranische Seite reagierte jedoch widersprüchlich. Der stellvertretende iranische Außenminister Kazem Gharibabadi erklärte an diesem Tag, dass Berichte über technische Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA in dieser Woche in Doha „unwahr“ seien. Gharibabadi wies darauf hin, dass die Konsultationen zwischen dem Iran und Katar andauern und technische Gespräche erst dann offiziell stattfinden werden, wenn eine Einigung über Datum und Ort erzielt wurde.
Die Diskrepanz trat vor dem Hintergrund einer erneuten Eskalation des militärischen Konflikts zwischen den USA und dem Iran in den vergangenen Tagen auf.
Das US-Militär flog am 26. und 27. Juni an zwei aufeinanderfolgenden Tagen Luftangriffe auf Ziele im Iran und nahm dabei iranische militärische Überwachungseinrichtungen, Kommunikationssysteme, Luftabwehrstellungen und Drohnenlager ins Visier. Das US-Zentralkommando erklärte, der Einsatz sei eine direkte Reaktion auf „die anhaltenden Aktionen des Iran gegen Handelsschiffe“. Zuvor war ein unter der Flagge Panamas fahrender Tanker in der Nähe der Straße von Hormus von einer iranischen Angriffsdrohne getroffen worden.
Die iranische Seite schlug rasch zurück. Die Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) gaben am 28. Juni eine Erklärung ab, wonach sie mit Raketen und Drohnen acht wichtige militärische Infrastruktureinrichtungen der USA auf dem Militärflugplatz Ali Al Salem in Kuwait und der Fünften Flotte der USA in Bahrain zerstört hätten. Das iranische Außenministerium erklärte, die US-Militäraktion sei ein klarer Verstoß gegen die zuvor von beiden Seiten vereinbarte Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) gewesen, und der Iran habe im Einklang mit seinem inhärenten Recht auf nationale Selbstverteidigung reagiert.
Einem Bericht von Axios zufolge sollten die USA und der Iran ursprünglich am 30. Juni Verhandlungen in der Schweiz führen, verlegten den Verhandlungsort jedoch aufgrund der erneuten Eskalation der Spannungen nach Doha. Der Schwerpunkt der Gespräche habe sich zudem vom iranischen Atomprogramm auf die Straße von Hormus verlagert. Dem Bericht zufolge haben sich beide Seiten darauf geeinigt, die Angriffe aufeinander einzustellen.
Die jüngsten Äußerungen des stellvertretenden iranischen Außenministers lassen jedoch Zweifel aufkommen, ob die Gespräche wie geplant stattfinden werden.
Vor dem Hintergrund des eskalierenden militärischen Konflikts und widersprüchlicher diplomatischer Erklärungen erholten sich die weltweiten Ölpreise am Montag. Bei Redaktionsschluss stiegen die WTI-Rohöl-Futures im Tagesverlauf um 1,29 % auf 70,12 USD pro Barrel, während Brent-Rohöl um 1,05 % auf 73,36 USD pro Barrel zulegte. Seit vergangenem Donnerstag hat eine Reihe von Angriffen auf Schiffe in der Straße von Hormus die Schifffahrt im Seeverkehr erheblich verlangsamt.

[Quelle: TradingView]
Trotz der Eskalation des militärischen Konflikts signalisierten beide Seiten auch gewisse Anzeichen einer Deeskalation. Laut iranischen Medienberichten hat der Iran die Flüge von Teheran nach Dubai wieder aufgenommen, wobei Tickets für einen Flug nach Dubai am 29. Juni um 10:40 Uhr erhältlich waren. Darüber hinaus erklärte der iranische Präsident Masoud Pezeshkian an diesem Tag, dass Katar rund 6 Milliarden Dollar an blockierten iranischen Vermögenswerten freigeben werde.
Ob die Gespräche in Doha wie geplant am 30. Juni stattfinden können, bleibt höchst ungewiss. Die diplomatischen Kontakte zwischen den USA und dem Iran nach dem Waffenstillstand sind weiterhin im Fluss, und die Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus sowie die weitere Entwicklung der Ölpreise werden vom endgültigen Ergebnis dieses diplomatischen Tauziehens abhängen.