Der Rohstoffexperte Carsten Fritsch von der Commerzbank hebt hervor, dass die Ölpreise nach einem kriegsbedingten Kurssprung zunächst wieder nachgegeben haben. Entscheidend für die weitere Entwicklung am Ölmarkt bleibe jedoch der Konflikt mit dem Iran und eine mögliche Blockade der Straße von Hormus. Freigaben aus strategischen Reserven der G7 sowie hohe Lagerbestände in den OECD-Staaten könnten Ausfälle aus der Golfregion allenfalls vorübergehend ausgleichen.
„Die Ölpreise erlebten zu Wochenbeginn eine Achterbahnfahrt. Zum Handelsstart am Montag stiegen sie um mehr als 20 Prozent auf 120 Dollar je Barrel und damit auf den höchsten Stand seit Juni 2022. Im Tagesverlauf gaben die Preise ihre Gewinne jedoch weitgehend wieder ab.“
„Die Freigabe von Öl aus strategischen Reserven könnte das Angebotsdefizit vorübergehend überbrücken, bis der Transport von Öl durch die Straße von Hormus wieder möglich ist. Allerdings ist fraglich, ob die Freigabe strategischer Ölreserven den gleichen preisdämpfenden Effekt hätte wie vor vier Jahren, falls die Straße von Hormus über einen längeren Zeitraum geschlossen bleibt. Bei den gestrigen Beratungen entschieden die Finanzminister der G7 gegen eine sofortige Freigabe.“
„Eine stärkere Ausweitung der Förderung wäre theoretisch in den Vereinigten Staaten denkbar, da der deutliche Anstieg der Ölpreise seit Beginn des Krieges die Förderung von Schieferöl wieder rentabel gemacht hat. Allerdings müssen Schieferölproduzenten auch sicher sein, dass die Ölpreise mehrere Monate lang hoch genug bleiben. Das ist keineswegs gewährleistet, denn die Ölpreise dürften die seit Monatsbeginn erzielten Gewinne rasch wieder abgeben, sobald die Ölversorgung durch die Straße von Hormus wieder aufgenommen wird.“
„Die diskutierten Maßnahmen können eine rasche Wiederaufnahme der Öllieferungen durch die Straße von Hormus nicht ausreichend ersetzen. Die Bemühungen sollten sich daher vor allem darauf konzentrieren, diese Transportroute so schnell wie möglich wieder sicher passierbar zu machen.“