Aktien stehen plötzlich wieder im Fokus der großen Investmenthäuser. Die Großbank HSBC hat am Dienstag eine klare Botschaft an Anleger geschickt: Die Experten stufen Aktien jetzt auf „Maximum Overweight“ hoch. Der Grund dafür ist eine mögliche geopolitische Wende im Nahen Osten – und genau diese könnte sich als echter Gamechanger für die Börsen entpuppen.
Die Analysten sehen in den jüngsten Schlagzeilen über mögliche Fortschritte in Richtung eines Endes des Iran-Kriegs einen entscheidenden Wendepunkt. Für die Finanzmärkte könnte das eine Entwicklung sein, die weit über kurzfristige Schlagzeilen hinausgeht.
Für HSBC sind die jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten mehr als nur politische Nachrichten. Sie könnten der Startpunkt für eine neue Phase an den Märkten sein. Denn sobald sich geopolitische Spannungen entspannen, reagieren die Kapitalmärkte häufig sehr schnell.
Ein erstes Signal dafür liefert der Ölmarkt. Nachdem die Preise in den vergangenen Wochen stark gestiegen waren, drehten sie zuletzt wieder nach unten. Für viele Marktbeobachter ist das ein Hinweis darauf, dass Investoren nicht mehr mit einer weiteren Eskalation rechnen.
Doch es gibt noch ein zweites Warnsignal für extreme Nervosität an den Börsen – den Volatilitätsindex VIX. Laut HSBC zeigte die Struktur der VIX-Futures zuletzt eine sogenannte Backwardation. Dieses Phänomen trat auf einem Niveau auf, das zuletzt im März 2020 zu beobachten war – also während der dramatischen Marktpanik zu Beginn der Corona-Krise.
Für die Strategen der Bank ist genau das ein entscheidender Punkt. Denn wenn extreme Angst am Markt ihren Höhepunkt erreicht, kann das paradoxerweise der Moment sein, an dem sich die Kurse wieder stabilisieren.
HSBC betont deshalb einen wichtigen Grundsatz, den viele Anleger in Krisenzeiten vergessen. Entscheidend für Aktien ist nicht unbedingt das absolute Niveau der Unsicherheit. Viel wichtiger ist die Frage, ob sich die Lage weiter verschlechtert – oder langsam verbessert.
Die Analysten ziehen hier einen direkten Vergleich zur Corona-Krise. Auch damals begannen die Märkte zu steigen, bevor sich die Wirtschaftsdaten sichtbar erholten. Ein ähnliches Muster war laut HSBC auch rund um den sogenannten Liberation Day im vergangenen Jahr zu beobachten.
Die Botschaft dahinter ist klar: Börsen drehen oft früher als die wirtschaftliche Realität.
Deshalb stellt die Bank auch klar, unter welchen Umständen sie wieder vorsichtiger werden würde. Nur wenn sich die Lage erneut deutlich verschlechtern sollte, würde HSBC ihre optimistische Haltung gegenüber Risikoanlagen zurücknehmen.
Vor diesem Hintergrund gibt die Bank eine klare taktische Empfehlung. Anleger sollten sich auf jene Anlageklassen konzentrieren, die seit Beginn des Nahostkonflikts am stärksten unter Druck geraten sind.
Gerade dort könnten sich nun die größten Erholungschancen ergeben.
Im regionalen Vergleich bevorzugt HSBC derzeit klar Aktien aus Asien und Europa gegenüber dem US-Markt. Besonders auffällig ist dabei eine neue taktische Entscheidung: Die Bank hat ihre Gewichtung bei japanischen Aktien wieder erhöht.
Japan galt lange Zeit als einer der interessantesten Aktienmärkte weltweit. Sollte sich die geopolitische Lage stabilisieren, könnte genau dieser Markt erneut stärker in den Fokus internationaler Investoren rücken.
Ein Beispiel für diese Entwicklung ist der Vanguard FTSE Pacific ETF (VPL). Der Fonds bildet die Aktienmärkte im asiatisch-pazifischen Raum ab und hat in den vergangenen Monaten bereits eine beeindruckende Entwicklung gezeigt.
Laut den vorliegenden Daten konnte der ETF innerhalb eines Jahres um 43 % zulegen. Seit Jahresbeginn steht immer noch ein Plus von 11 % zu Buche.
Auch aus fundamentaler Sicht wird der Fonds positiv bewertet. Laut InvestingPro erhält er einen „GREAT“-Score für seine finanzielle Gesundheit. Zusätzlich bietet der ETF eine Dividendenrendite von rund 9,6 %, was ihn auch für einkommensorientierte Anleger interessant macht.
Diese Kombination aus Kursentwicklung und laufenden Erträgen zeigt, warum internationale Investoren zunehmend wieder auf asiatische Aktien schauen.
Die strategische Positionierung von HSBC beschränkt sich allerdings nicht nur auf Aktien. Auch auf der Anleiheseite setzt die Bank klare Schwerpunkte.
So bevorzugen die Strategen derzeit britische Staatsanleihen – die sogenannten Gilts – sowie europäische Anleihen außerhalb des Kernmarktes. Weniger attraktiv erscheinen dagegen deutsche Bundesanleihen, US-Staatsanleihen und japanische Staatsanleihen.
Darüber hinaus hält HSBC eine besonders starke Übergewichtung bei Anleihen aus Schwellenländern.
Auch diese Entscheidung passt zum Gesamtbild der aktuellen Strategie. Die Bank setzt bewusst stärker auf Anlagen mit höherem Renditepotenzial und weniger auf klassische Sicherheitswerte.
Die Einschätzung von HSBC zeigt deutlich, wie sensibel die globalen Finanzmärkte auf geopolitische Entwicklungen reagieren. Sollte sich tatsächlich eine Entspannung im Nahen Osten abzeichnen, könnte das eine neue Dynamik an den Börsen auslösen.
Vor allem Aktien, die zuletzt wegen der Unsicherheit stark unter Druck geraten sind, könnten dann besonders stark profitieren.
Für Anleger bedeutet das: Wer jetzt genau hinschaut, könnte interessante Chancen entdecken. Denn oft beginnen die größten Börsenbewegungen genau in dem Moment, in dem die Angst am größten ist.