Die Commerzbank rechnet damit, dass sowohl die US-Notenbank Fed als auch die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Leitzinsen im Oktober unverändert lassen und im Dezember jeweils um 25 Basispunkte erhöhen. Nach Einschätzung der Ökonomen um Chefvolkswirt Dr. Jörg Krämer dürfte die Geldpolitik anschließend leicht restriktiv bleiben, während die Inflation bis 2027 zurückgeht. Für das Währungspaar EUR/USD erwarten die Experten unterdessen einen allmählichen Anstieg von derzeit 1,12 auf 1,18 bis Ende 2027, da der US-Dollar zunehmend an Unterstützung verliert.
„Der EUR/USD-Wechselkurs dürfte in den kommenden Quartalen weiter leicht steigen. Der Dollar gerät zunehmend unter Druck, weil US-Präsident Donald Trump die Unabhängigkeit der Fed einschränkt und gegenüber zahlreichen Ländern einen konfrontativen Kurs verfolgt. Das veranlasst diese Staaten dazu, nach Alternativen zum Dollar zu suchen.“
„Sowohl die Fed als auch die EZB haben deshalb gute Gründe, ihre Leitzinsen im Oktober zunächst unverändert zu lassen. Nicht zuletzt wollen beide Zentralbanken mehr Klarheit über die wirtschaftlichen und geopolitischen Rahmenbedingungen gewinnen. Im Dezember dürften sie allerdings auf die anhaltend hohe Inflation reagieren und die Zinsen, wie an den Terminmärkten bereits eingepreist, jeweils um 25 Basispunkte erhöhen. Unsere Prognose für die EZB setzt jedoch voraus, dass sich die Lage am französischen Staatsanleihemarkt nicht weiter zuspitzt.“
„Aufgrund des erwarteten Rückgangs der Ölpreise dürften die Inflationsziele von EZB und Fed unserer Prognose zufolge gegen Ende 2027 wieder in Reichweite kommen. In den USA sollte auch die Kerninflation kontinuierlich zurückgehen. Im Euroraum rechnen wir damit hingegen erst ab Mitte 2027. Der deutliche Rückgang der Gesamtinflation dürfte die EZB jedoch davon überzeugen, dass es sich lediglich um eine vorübergehende Entwicklung handelt, die keine weiteren Zinserhöhungen erforderlich macht.“
„Wir gehen weiterhin davon aus, dass die Zentralbanken aufgrund dieser Einschränkungen eine eher lockere Geldpolitik verfolgen werden. Der für das kommende Jahr erwartete Inflationsrückgang könnte deshalb lediglich von vorübergehender Dauer sein.“