Brasiliens ungewöhnlich hohe Realzinsen haben das solide Wirtschaftswachstum bislang nicht abgewürgt. Nach Einschätzung von Commerzbank-Experte Michael Pfister liegt das vor allem an der expansiven Fiskalpolitik, die den restriktiven Kurs der Geldpolitik teilweise ausgleicht. Mit Blick auf die bevorstehenden Wahlen und erneut steigende Staatsausgaben dürfte die Konsolidierung des Haushalts allerdings nur langsam vorankommen. Für den brasilianischen Real könnten deshalb in den kommenden Wochen weniger die geldpolitischen Entscheidungen als vielmehr neue Haushaltsdaten den Ausschlag geben.
„In Brasilien lässt sich seit mehreren Quartalen ein bemerkenswertes Phänomen beobachten. Der Leitzins liegt bei 14 Prozent, während die Inflation zuletzt auf knapp unter 4,5 Prozent gesunken ist. Damit dürfte Brasilien einen der höchsten Realzinsen weltweit aufweisen.“
„Die höheren Staatsausgaben spiegeln sich in einer Verbesserung der meisten Frühindikatoren für das Wirtschaftswachstum wider. Mit anderen Worten: Die Regierung hat wieder begonnen, mehr Geld auszugeben, und gleicht damit einen Teil der Auswirkungen der restriktiven Geldpolitik aus. Ein erheblicher Teil dieser Entwicklung dürfte mit der Anfang Oktober anstehenden Wahl zusammenhängen: Die Regierung hat in den vergangenen Monaten zahlreiche neue Ausgabenmaßnahmen beschlossen.“
„Marktteilnehmer sollten sich darauf einstellen, dass es einige Zeit dauern wird, bis der Haushalt wieder ausgeglichen ist. Sollte sich das Wachstum als stärker erweisen als erwartet, wäre dies ein Hinweis darauf, dass die Fiskalpolitik die geldpolitische Straffung in den Schatten stellt.“
„Die heutigen BIP-Zahlen sind für die Realwirtschaft daher weniger entscheidend als die in den kommenden Wochen anstehenden Fiskaldaten. Entscheidend wird vor allem sein, ob die Regierung den Haushalt nach der Wahl im kommenden Monat konsolidiert oder ihre Ausgabenpolitik fortsetzt. Kurzfristig dürfte die Geldpolitik für den Real eine eher untergeordnete Rolle spielen, solange sie in erster Linie auf die Fiskalpolitik reagiert. Wir gehen daher weiterhin davon aus, dass die kommenden Wochen für den Real schwieriger werden.“