Der Schweizer Franken (CHF) stärkt sich am Donnerstag gegenüber dem US-Dollar (USD), da erneute Hoffnungen auf ein mögliches US-Iran-Friedensabkommen den Greenback unter Druck setzen. Zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Textes notiert USD/CHF bei rund 0,7766, dem niedrigsten Stand seit dem 10. März.
Die Märkte verfolgen weiterhin die Entwicklungen rund um die US-Iran-Verhandlungen und warten auf weitere Klarheit, nachdem der Iran bestätigt hat, den jüngsten von den USA unterstützten Vorschlag zur Beendigung des Krieges im Nahen Osten zu prüfen. Unterdessen äußerte sich US-Präsident Donald Trump am Mittwoch gegenüber Reportern im Weißen Haus positiv zu den Gesprächen: „Wir hatten in den letzten 24 Stunden sehr gute Gespräche, und es ist sehr wahrscheinlich, dass wir eine Einigung erzielen werden.“
Dem neuesten Vorschlag zufolge soll der Iran die Urananreicherung aussetzen, während die USA Sanktionen aufheben und Milliarden von eingefrorenen iranischen Geldern freigeben würden. Beide Seiten sollen zudem die Blockade der Straße von Hormus beenden.
In Reaktion auf den jüngsten Optimismus sind die Ölpreise eingebrochen, und der US-Dollar-Index (DXY) ist wieder auf das Niveau vor dem Krieg gefallen. Der DXY, der den Wert des Greenback gegenüber einem Korb von sechs Hauptwährungen abbildet, notiert bei etwa 97,88 und liegt damit rund 0,15 % unter dem Tageshoch.
Unterdessen überdenken Händler den geldpolitischen Kurs der Federal Reserve (Fed), da der Rückgang der Ölpreise die Inflationsrisiken verringert und die zuletzt im Markt aufgebauten hawkischen Erwartungen dämpft.
Fed-Vertreter bleiben vorsichtig hinsichtlich einer Wiederaufnahme der geldpolitischen Lockerung. Die Präsidentin der Cleveland Fed, Beth Hammack, erklärte am Donnerstag, dass die Basisaussicht darin bestehe, die Zinssätze „für einen langen Zeitraum“ unverändert zu lassen. Hammack warnte zudem, dass der Iran-Konflikt beide Seiten des Mandats der Fed beeinflussen könnte, und merkte an, dass Zinssenkungen über das gerechtfertigte Maß hinaus das Risiko einer steigenden Inflation erhöhen würden.
Bei den Daten stiegen die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA in der Woche bis zum 2. Mai auf 200.000, nach 190.000 in der Vorwoche, jedoch leicht unter den Markterwartungen von 205.000. Händler warten nun auf den am Freitag anstehenden Bericht zu den Nonfarm Payrolls (NFP) für neue Hinweise auf den geldpolitischen Ausblick der Federal Reserve.
Auf Schweizer Seite stieg die Inflation im zweiten Monat in Folge aufgrund steigender Energiepreise an. Der Verbraucherpreisindex (VPI) der Schweiz beschleunigte sich im April auf 0,6 % im Jahresvergleich nach 0,3 % im März und erreichte damit den höchsten Wert seit Ende 2024. Auf Monatsbasis stieg der VPI um 0,3 %. Die Inflation liegt jedoch weiterhin deutlich unter dem 2 %-Ziel der Schweizerischen Nationalbank (SNB), was die derzeitige Zurückhaltung der Zentralbank stützt.
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) steuert die Geldpolitik des Landes und strebt eine jährliche Inflationsrate von unter 2 % an, um Preisstabilität zu gewährleisten.
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) legt die Zinssätze fest, um die Preisstabilität zu gewährleisten. Wenn die Inflation über das Ziel hinausgeht, erhöht die SNB die Zinsen, um das Preiswachstum zu dämpfen. Höhere Zinsen stärken den Schweizer Franken (CHF), während niedrigere Zinsen ihn schwächen.
Die SNB greift zudem regelmäßig in den Devisenmarkt ein, um eine übermäßige Aufwertung des Schweizer Frankens zu verhindern, da ein starker Franken die Wettbewerbsfähigkeit der exportorientierten Schweizer Wirtschaft belastet. Zwischen 2011 und 2015 führte die SNB sogar eine feste Bindung des Frankens an den Euro ein, um dessen Aufwertung zu stoppen. Heute interveniert die Bank, indem sie ihre umfangreichen Devisenreserven nutzt, um Fremdwährungen wie den US-Dollar oder den Euro zu kaufen. In Zeiten hoher Inflation, insbesondere getrieben durch steigende Energiepreise, verzichtet die SNB jedoch auf Eingriffe, da ein starker Franken die Energieimporte verbilligt und so den Inflationsdruck auf Schweizer Haushalte und Unternehmen mildert.
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) überprüft viermal jährlich, im März, Juni, September und Dezember, ihre geldpolitische Ausrichtung. Dabei veröffentlicht sie auch eine mittelfristige Inflationsprognose, die in den darauffolgenden Monaten das geldpolitische Umfeld maßgeblich prägen kann.