TradingKey – Am 17. August US-Ostküstenzeit berichtete Bloomberg, dass der annualisierte Umsatz von Anthropic Ende Juli 65 Milliarden US-Dollar erreichte und sich damit gegenüber Ende letzten Jahres mehr als versiebenfacht hat. Einem Reuters-Bericht vom 16. August zufolge erwartet das Unternehmen für 2028 einen Umsatz von 190 bis 200 Milliarden US-Dollar.
Die anhaltende Umsatzbeschleunigung stützt die Börsengangspläne des Unternehmens entscheidend. Anthropic könnte bereits Ende September oder Anfang Oktober dieses Jahres an die US-Börse gehen, wobei die Bewertungserwartungen bis zu 2 Billionen US-Dollar erreichen, womit das Unternehmen SpaceX überholen und zum größten Börsengang der Geschichte werden könnte.
Von diesem Börsengang profitieren nicht nur die frühen Risikokapitalgeber von Anthropic, sondern auch Zoom (ZM), das sich über seinen strategischen Investmentarm (Zoom Ventures) positioniert hat.
Zoom Ventures beteiligte sich bereits 2023 an Anthropic und ging eine strategische Partnerschaft mit dem Unternehmen ein. Zoom gab damals die genaue Investitionssumme nicht bekannt, doch Marktdaten zeigen, dass Zoom insgesamt rund 97 Millionen US-Dollar investiert hat – darunter etwa 51 Millionen US-Dollar im Jahr 2023 und eine spätere Folgeinvestition von rund 46 Millionen US-Dollar.
Laut behördlichen Meldungen beläuft sich der Buchwert von Zooms Beteiligung – auf Basis der Bewertung von Anthropic bei der Series-G-Finanzierungsrunde im Februar dieses Jahres in Höhe von 380 Milliarden US-Dollar – auf etwa 1,27 Milliarden US-Dollar, was einer anfänglichen Investitionsrendite von etwa dem 25-Fachen entspricht.
Sollte Anthropic letztlich mit einer Bewertung von 2 Billionen US-Dollar an die Börse gehen, lässt eine einfache Berechnung auf Basis der Bewertungsverhältnisse – ohne vorerst weitere Finanzierungen, Aktienemissionen im Zuge des Börsengangs und sonstige Verwässerungsfaktoren zu berücksichtigen – darauf schließen, dass der Buchwert von Zooms Beteiligung auf etwa 6,68 Milliarden US-Dollar steigen könnte, wobei der tatsächliche Wert von der Struktur des Börsengangs und der anschließenden Verwässerung abhängt.
Für Zoom mit einer Marktkapitalisierung im Bereich von 30 Milliarden US-Dollar ist dies längst kein unbedeutender Investitionsgewinn mehr. Daher stellt sich die Frage: Kann der Börsengang von Anthropic den Aktienkurs von Zoom nach oben treiben?

[Quelle: TradingView]
Derzeit hat sich die Beteiligung an Anthropic zu einem attraktiven Bestandteil der Bilanz von Zoom entwickelt.
Ausgehend von ihrem aktuellen Buchwert von 1,27 Milliarden US-Dollar macht dieser Vermögenswert etwa 4 % der aktuellen Marktkapitalisierung von Zoom aus; falls Anthropic künftig mit einer Bewertung von 2 Billionen US-Dollar an die Börse geht, könnte der theoretische Wert der Beteiligung von Zoom rund 6,68 Milliarden US-Dollar erreichen, was einen deutlich größeren Anteil an der aktuellen Marktkapitalisierung von Zoom ausmachen würde.
Noch wichtiger ist, dass Anleger bei der Bewertung von Zoom nicht mehr nur das traditionelle Geschäft mit Videokonferenzen und Unternehmenskollaboration betrachten können, sondern auch den Wert der gehaltenen KI-Vermögenswerte berücksichtigen müssen.
Nach dem Börsengang von Anthropic könnte die Beteiligung von Zoom weiterhin Sperrfristen, Verkaufsbeschränkungen für Aktien sowie einer Verwässerung durch spätere Finanzierungsrunden und die Emission beim Börsengang selbst unterliegen. Daher wird der letztendlich realisierbare Wert von Anthropics tatsächlicher Bewertung bei der Erstnotierung, der Beteiligungsquote von Zoom und den anschließenden Transaktionsvereinbarungen abhängen.
Dennoch eröffnet dies Zoom verschiedene Möglichkeiten, wie etwa Investitionen in die technische Zusammenarbeit, die Stärkung der eigenen KI-Fähigkeiten oder die opportunistische Monetarisierung der Beteiligung nach Ablauf der Sperrfrist, um zusätzliche Renditen für die Aktionäre zu erzielen. Sobald diese potenziellen Maßnahmen umgesetzt werden, dürften sie als kurzfristig positiver Katalysator für den Aktienkurs wirken.
Neben der Bewertung ist auch die geschäftliche Beziehung zwischen Zoom und Anthropic von zentraler Bedeutung.
Das KI-Großmodell Claude von Anthropic wurde in Tools wie den Zoom AI Companion integriert, um Meeting-Zusammenfassungen, Aufgaben-Follow-ups und die Automatisierung von Unternehmens-Workflows zu ermöglichen.
Zoom ist gleichzeitig Aktionär, Kunde und Vertriebspartner von Anthropic. Das Zusammenspiel dieser drei Rollen könnte nachhaltige Zinseszinseffekte erzielen. Derzeit befinden sich die von Claude angetriebenen KI-Funktionen bei den Unternehmenskunden von Zoom im aktiven Einsatz, wobei die Zahl der monatlich aktiven zahlenden Nutzer des AI Companion im Jahresvergleich um 184 % stieg – was darauf hindeutet, dass einige Unternehmenskunden für KI-Funktionen bezahlen.
Allerdings wird sich dies kurzfristig noch nicht auswirken. Die Kommerzialisierung von KI-Funktionen braucht Zeit, und ob sie die Zahlungsbereitschaft von Unternehmenskunden steigern kann, wird der entscheidende Prüfstein für diesen Synergiewert sein.
Erste Anzeichen zeichnen sich bereits ab. Laut den Finanzergebnissen von Zoom für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 wuchs die Zahl der monatlich aktiven zahlenden Nutzer des AI Companion im Jahresvergleich um 184 %, während sich die Retention-Rate von 98 % im Vorquartal wieder auf 99 % erholte.
Allerdings sind nicht alle optimistisch. Ein Analyst von Seeking Alpha merkte in einem Bericht von Anfang Juni an, dass das Potenzial aus diesem Investitionsgewinn bereits teilweise im aktuellen Aktienkurs von Zoom eingepreist ist und das nutzerbasierte Geschäftsmodell von Zoom weiterhin vor Herausforderungen durch KI-Disruption und einen sich verschärfenden Wettbewerb steht, was zu einer Abstufung der Einstufung auf „Neutral“ führte.
Darüber hinaus stellen Haltefristen und Verwässerungseffekte Risiken dar, die berücksichtigt werden müssen. Zoom wird nach dem Börsengang von Anthropic einer 6- bis 12-monatigen Haltefrist unterliegen, während spätere Kapitalbeschaffungen und die Ausgabe neuer Aktien im Rahmen des Börsengangs die Beteiligung weiter verwässern könnten. Diese Faktoren bedeuten, dass weiterhin Unsicherheit darüber besteht, wie viel von diesem potenziellen Gewinn letztlich realisiert werden kann.
Der Börsengang von Anthropic ist nicht nur ein Kapitalmarktereignis, sondern auch eine Gelegenheit, Zoom neu zu bewerten. Kurzfristig dürfte die Nachricht über den Börsengang die Marktwahrnehmung der Risikokapitalbeteiligungen von Zoom stärken und den Aktienkurs nach oben treiben; mittel- bis langfristig bieten KI-Synergien und potenzielle Monetarisierungserträge zusätzliche Unterstützung für die Bewertung.
Für Anleger, die nach Investitionschancen auf der KI-Anwendungsebene suchen, könnte Zoom ein indirektes Investment sein, das nicht außer Acht gelassen werden sollte.