TradingKey – Am 20. Juli US-Ostzeit berichtete das südkoreanische Medium ZDNET Korea, dass die drei weltweit führenden Speicherchip-Giganten Samsung Electronics, SK Hynix ( SKHY) und Micron ( MU) kürzlich alle internen Entwicklungsprojekte für CXL-Controller (Compute Express Link) eingestellt haben und stattdessen dazu übergehen, Lösungen von externen fabless Chipdesign-Unternehmen zu beziehen.
Der Citrini-Analyst jukan erklärte auf der Plattform X, dass alle drei Speicherhersteller ihre Kommerzialisierungspläne für CXL-Controller angepasst haben. Micron stellte als erster die eigene Controller-Forschung und -Entwicklung (F&E) ein und stieg auf die Lösung von PrimeMass um. SK Hynix informierte seine wichtigsten Partner darüber, dass die interne CXL-Controller-Entwicklung beendet wird; das zuständige F&E-Personal soll stattdessen im Bereich PIM (Processing-in-Memory) eingesetzt werden. Samsung Electronics entschied sich für einen Kompromiss und wird die selbst entwickelten Controller nicht extern vertreiben, sondern sie für die interne Nutzung im F&E-Team behalten, während kommerzielle Produkte von externen Anbietern bezogen werden. Ein Brancheninsider erklärte gegenüber Medien, dass Samsung dieses Geschäft aus seinen offiziellen Kommerzialisierungsprojekten gestrichen hat und es nur noch als zukunftsweisendes Forschungsprojekt weiterführt.

[Quelle: X]
Die CXL-Technologie löst den langjährigen Engpass der „Memory Wall“ bei KI-Servern, indem sie die Speicherbandbreite und -kapazität erhöht. Die Speicherhersteller sahen darin einst einen Durchbruch zur Erschließung margenstarker Märkte – warum also nun dieser kollektive Rückzug?
Das Problem liegt im Geschäftsmodell. Das Fundament von Samsung, SK Hynix und Micron ist das Absatzvolumen von DRAM-Chips. Ursprünglich wollten sie ihre selbst entwickelten CXL-Controller zusammen mit DRAM als hochpreisige, integrierte Module verkaufen. Hyperscale-Cloud-Anbieter wie Amazon AWS und Microsoft Azure haben jedoch wenig Interesse an solchen proprietären Lösungen. Sobald sie sich an eine modulare Lösung binden, können sie nicht mehr flexibel zwischen verschiedenen DRAM-Marken wechseln, was zudem ihre eigene Verhandlungsmacht schmälert.
Das forcierte Bewerben von CXL-Modulen mit selbst entwickelten Controllern käme der Kannibalisierung des eigenen Geschäfts mit DIMM-Speichermodulen durch neue Produkte gleich. Zudem gilt: Je mehr Module verkauft werden, desto weniger DRAM-Chips werden tatsächlich verbraucht, was das Absatzvolumen direkt schmälert. Nach Abwägung der Optionen ist die Verteidigung des Kerngeschäfts mit dem Chip-Absatz kosteneffizienter, als eine integrierte Lösung in den Markt zu drücken.
Für fabless Chipdesign-Unternehmen hinterlässt der Rückzug von Samsung, SK Hynix und Micron eine entscheidende Lücke. Analysten gehen davon aus, dass Marvell ( MRVL ), Montage Technology, Astera Labs und PrimeMass die Hauptnutznießer sein werden. Sowohl Astera Labs als auch Marvell verfügen über ausgereifte CXL-Controller-Produktlinien. Der Übergang der drei Speichergiganten zum externen Bezug kommt diesen Anbietern somit direkt zugute.
Was die drei Speichergiganten aufgeben, ist die Kommerzialisierung selbst entwickelter Controller, nicht der CXL-Markt an sich. Sie werden weiterhin Speichermodule auf Basis der CXL-Schnittstelle verkaufen, mit dem Unterschied, dass die Controller extern bezogen und nicht mehr intern entwickelt werden. Der Bedarf von KI-Servern an Speicher-Pooling und optimiertem Datenfluss steigt kontinuierlich. Ob sich die CXL-Technologie durchsetzt, hängt daher nicht davon ab, ob die Branchenriesen sie selbst entwickeln, sondern davon, ob die gesamte Lieferkette eine effizientere Zusammenarbeit etablieren kann.