RaboResearch betont, dass Chinas produktionsorientiertes Wirtschaftsmodell durch die Probleme am Immobilienmarkt und die hohe Verschuldung zusätzlich geschwächt wird. Weil der Zugang zum US-Markt schwieriger wird, wächst die Abhängigkeit von Industrieexporten. Peking dürfte weder Produktionskapazitäten noch Subventionen rasch zurückfahren. Stattdessen könnte China kritische Rohstoffe und Lieferketten für gezielte Gegenmaßnahmen einsetzen. Damit bleibt Europa trotz zunehmender Spannungen um die wirtschaftliche Sicherheit dem chinesischen Exportdruck ausgesetzt.
„Chinas wirtschaftliche Schwäche im Inland verschärft das Problem. Das produktionsorientierte Wirtschaftsmodell, belastet durch die Krise am Immobilienmarkt, den Schuldenüberhang und die schwache Binnennachfrage, verstärkt die Abhängigkeit von Industrie und Exporten.“
„Da der Zugang zum US-Markt schwieriger wird, bietet sich Europa als naheliegender Absatzmarkt an. Günstige und technologisch fortschrittliche Importe kommen europäischen Käufern zugute, können aber auch heimische Produktion verdrängen, Margen unter Druck setzen und Investitionen hemmen. Untersuchungen der EZB deuten darauf hin, dass diese negativen Auswirkungen überwiegen könnten - ohne dabei längerfristige strukturelle Schäden oder strategische Verwundbarkeiten zu berücksichtigen.“
„Für Peking ist eine schnelle Neuausrichtung wenig attraktiv. Solange die Binnennachfrage schwach bleibt, stützt die Industrie Wachstum, Beschäftigung, technologischen Fortschritt und wirtschaftliche Eigenständigkeit. Ein Abbau von Kapazitäten, Subventionen oder Exporten würde spürbare Kosten verursachen. Die Kampagne gegen die ‚Involution‘ erkennt die Belastungen des angebotsgetriebenen chinesischen Modells an, entspricht aber nicht der von Europa bevorzugten Lösung.“
„Je schwieriger der Zugang zu den USA wird, desto wichtiger wird Europa. China hat daher gute Gründe, die Gespräche aufrechtzuerhalten. Ein Konflikt würde die Exporte belasten und den Druck auf bereits angeschlagene Unternehmen erhöhen.“
„In einer plötzlichen Konfrontation besitzt China deshalb den taktischen Vorteil. Europas Position würde sich dagegen mit zunehmender Dauer des Konflikts stärken - vorausgesetzt, die EU bleibt geschlossen und verringert kritische Abhängigkeiten. Diese Voraussetzung ist entscheidend: Eine wachsende Zahl EU-skeptischer Regierungen könnte die Befugnisse der Union selbst aushöhlen oder die Zusammenarbeit blockieren. Zudem könnte die europäische Anziehungskraft aus Sicht anderer Länder schwinden. Externe Mächte erhielten dadurch Möglichkeiten, interne Spaltungen auszunutzen.“