Europäische Zentralbank wird die Zinserhöhungen im September wieder aufnehmen, da Inflation und Energierisiken steigen

Quelle Fxstreet
  • Die Europäische Zentralbank wird voraussichtlich am Donnerstag nach der Pause im Juli die Leitzinsen anheben.  
  • Die Kommentare von EZB-Präsidentin Lagarde und die aktualisierten Wirtschaftsprognosen werden genau unter die Lupe genommen.
  • Der Euro dürfte auf die geldpolitischen Ankündigungen der EZB stark reagieren.

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird voraussichtlich den Zinssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte und die Einlagefazilität um 25 Basispunkte (bps) auf 2,65% bzw. 2,50% anheben. Die EZB wird die Entscheidung am Donnerstag um 12:15 GMT bekannt geben.

Anders als im Juli wird die Zinsentscheidung von den aktualisierten Wirtschaftsprognosen der Mitarbeiter der Zentralbank begleitet und im Anschluss daran wird EZB-Präsidentin Christine Lagarde um 12:45 GMT eine Pressekonferenz abhalten.

Der Euro (EUR) dürfte rund um die geldpolitischen Ankündigungen der EZB eine starke Volatilität erleben, da sich alles auf die Signale der Zentralbank zum künftigen Zinspfad richten wird.

Was ist von der Zinsentscheidung der EZB zu erwarten?

Die EZB dürfte nach der Pause auf ihrer geldpolitischen Sitzung im Juli die Zinserhöhungen wieder aufnehmen.

Die erneuten Feindseligkeiten im Nahen Osten und der daraus resultierende Anstieg der Energiepreise schüren weiterhin Inflationssorgen und verstärken die Erwartungen an Zinserhöhungen.

Die jährliche Inflation des Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) in der Eurozone beschleunigte sich im August auf ein fast Dreijahreshoch von 3,3% und blieb damit über dem 2%-Ziel der EZB.

Unterdessen wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal in der Alten Welt gegenüber dem Vorquartal um 0,6%, nachdem es im ersten Quartal um 0,2% geschrumpft war. Auf Jahresbasis stieg das Wirtschaftswachstum von 0,3% im vorangegangenen Zeitraum auf 1,2%. 

"Das makroökonomische Umfeld in der Eurozone spricht dafür, den Leitzins näher an die obere Grenze der neutralen Spanne der EZB von 1,75%-3,00% zu bringen. Die Swap-Kurve preist EZB-Zinsen von 3,00% in den nächsten zwölf Monaten mehr als vollständig ein, was den EUR stützt," erklärten Analysten von BBH.

Da eine Zinserhöhung am Donnerstag so gut wie sicher ist und bei den Inflations- und Wachstumsprognosen für September kaum Veränderungen erwartet werden, wird der Hauptfokus auf der Sprache in der geldpolitischen Erklärung und den Kommentaren von Präsidentin Lagarde während der Pressekonferenz im Anschluss an die Sitzung liegen

Angesichts der jüngsten hawkishen Kommentare mehrerer EZB-Entscheidungsträger werden die Märkte genau auf Hinweise von Lagarde zur Möglichkeit weiterer Zinserhöhungen in diesem Jahr achten.

Wie könnte sich die EZB-Sitzung auf EUR/USD auswirken?

Der Euro bleibt gegenüber dem US-Dollar (USD) in einer engen Spanne unter 1,1650 gefangen und konsolidiert den Rückgang von den Dreimonatshochs bei 1,1711 im Vorfeld der EZB-Risiken.

Falls Präsidentin Lagarde signalisiert, dass weitere Straffungen nötig sein könnten, insbesondere weil die Inflation weiterhin deutlich über dem 2%-Ziel liegt, könnten die Märkte einen höheren Endzinssatz einpreisen.

Ein hawkisher Ton in Verbindung mit Aufwärtskorrekturen der Inflationsprognosen dürfte den Euro stützen und EUR/USD wieder über die runde Marke von 1,1700 treiben.

Andererseits könnte der Euro deutlich schwächer werden und EUR/USD in Richtung 1,1550 schicken, wenn die EZB-Präsidentin schwächere Wachstumsrisiken betont und den Inflationsschock durch die Energiepreise als vorübergehend einstuft, was auf einen vorsichtigeren Ansatz bei künftigen Straffungen hindeutet. Dieses Szenario könnte Händler dazu veranlassen, die Erwartungen an weitere Zinserhöhungen zurückzuschrauben und den EUR zu belasten.

Dhwani Mehta, leitende Analystin für die asiatische Sitzung bei FXStreet, hebt nach der geldpolitischen Ankündigung wichtige technische Niveaus für den Handel mit EUR/USD hervor.

"Das Paar handelt über den 21-Tage-, 50-Tage- und 100-Tage Simple Moving Averages (SMAs), während es mit dem 200-Tage-SMA um 1,1640 ringt. Die Ansammlung der zugrunde liegenden SMAs deutet auf einen konstruktiven Hintergrund hin, und der Relative Strength Index (RSI) um 58,50 auf dem Tages-Chart deutet auf ein solides, aber nicht überdehntes bullishes Momentum hin."

"Auf der Oberseite liegt die erste Hürde bei der Marke von 1,1700. Ein nachhaltiger Durchbruch über diese Barriere würde den Weg für einen erneuten Test der psychologischen Hürde von 1,1750 öffnen. Oberhalb dieses Niveaus wird die Angebotszone bei 1,1790 freigelegt. Auf der Unterseite wird die anfängliche Unterstützung beim 100-Tage-SMA um 1,1560 und beim 50-Tage-SMA nahe 1,1526 gesehen, was bei einem Pullback tiefere Nachfrageschichten bieten würde."

Wirtschaftsindikator

EZB-Zinssatz für die Einlagefazilität

Der Einlagensatz ist einer der drei Leitzinsen der Europäischen Zentralbank. Er gibt an, wie viel Zinsen Banken erhalten, wenn sie überschüssiges Geld bei der EZB parken. Die Europäische Zentralbank legt diesen Zinssatz im Rahmen ihrer acht regulären Sitzungen pro Jahr fest und gibt ihn jeweils bekannt.

Mehr lesen

Nächste Veröffentlichung: Do Sept. 10, 2026 12:15

Häufigkeit: Unregelmäßig

Prognose: 2.5%

Vorher: 2.25%

Quelle: European Central Bank

Warum das für Trader wichtig ist

EZB - Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Die Europäische Zentralbank (EZB), mit Sitz in Frankfurt am Main, steuert die Geldpolitik der Eurozone. Ihr Hauptziel ist die Preisstabilität, definiert durch eine Inflationsrate von rund 2 %. Durch Anpassungen der Zinssätze beeinflusst die EZB maßgeblich den Wechselkurs des Euros, der tendenziell durch höhere Zinsen gestärkt und durch niedrigere geschwächt wird.

In extremen Situationen kann die Europäische Zentralbank ein Instrument namens Quantitative Easing (QE) einsetzen. QE bedeutet, dass die EZB Euros druckt und diese verwendet, um Vermögenswerte – in der Regel Staats- oder Unternehmensanleihen – von Banken und anderen Finanzinstitutionen zu kaufen. QE führt in der Regel zu einer Abschwächung des Euros. Es wird als letztes Mittel eingesetzt, wenn Zinssenkungen allein das Ziel der Preisstabilität nicht erreichen können. Die EZB setzte QE während der Finanzkrise 2009-2011, 2015 bei anhaltend niedriger Inflation und während der COVID-19-Pandemie ein.

Quantitative Straffung (QT) ist das Gegenteil von QE: Statt Staatsanleihen zu kaufen, stellt die EZB den Ankauf ein und reinvestiert fällige Beträge nicht mehr. Dies wirkt sich in der Regel positiv auf den Euro aus, da es die Liquidität am Markt verringert.

Haftungsausschluss: Nur zu Informationszwecken. Die bisherige Performance ist kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse.
placeholder
Goldpreis steigt wieder: Jetzt entscheidet ein einziger US-Bericht über die nächste BewegungDer Goldpreis meldet sich zurück. Nach dem deutlichen Rücksetzer vom Vortag legte das Edelmetall am Donnerstag im asiatischen Handel wieder zu. Der Grund: Anleger wittern eine leichte Entspannung im Nahen Osten, gleichzeitig warten sie auf neue Signale vom US-Arbeitsmarkt.
Autor  FXStreet
Do. 04.Jun
Der Goldpreis meldet sich zurück. Nach dem deutlichen Rücksetzer vom Vortag legte das Edelmetall am Donnerstag im asiatischen Handel wieder zu. Der Grund: Anleger wittern eine leichte Entspannung im Nahen Osten, gleichzeitig warten sie auf neue Signale vom US-Arbeitsmarkt.
placeholder
Goldpreis-Prognose: Kann Gold weiter steigen, da stärker als erwartet ausgefallene US-Arbeitsmarktdaten die Fed-Zinserhöhungserwartungen schüren?TradingKey – Im asiatischen Handel am 7. September setzten die Goldpreise (XAUUSD) ihren Abwärtstrend nach den US-Arbeitsmarktdaten vom vergangenen Freitag fort und notierten zuletzt schwächer bei run
Autor  Mitrade Team
Mo. 07.Sep
TradingKey – Im asiatischen Handel am 7. September setzten die Goldpreise (XAUUSD) ihren Abwärtstrend nach den US-Arbeitsmarktdaten vom vergangenen Freitag fort und notierten zuletzt schwächer bei run
placeholder
Goldpreis: Diese 3 Szenarien könnten 5.000 Dollar bringenDer Goldpreis hat sich in den vergangenen zwei Jahren von vielen alten Börsenregeln verabschiedet. Realzinsen hoch? Der Dollar stark? Früher waren solche Entwicklungen häufig Gift für Gold. Doch genau dieses Zusammenspiel funktioniert offenbar nicht mehr so zuverlässig wie früher.
Autor  FXStreet
Di. 08.Sep
Der Goldpreis hat sich in den vergangenen zwei Jahren von vielen alten Börsenregeln verabschiedet. Realzinsen hoch? Der Dollar stark? Früher waren solche Entwicklungen häufig Gift für Gold. Doch genau dieses Zusammenspiel funktioniert offenbar nicht mehr so zuverlässig wie früher.
placeholder
Bitcoin vor Daten-Schock: US-Zinsen werden zum KurstreiberDie Sensibilität von Bitcoin (BTC) gegenüber US-Konjunkturdaten ist in diesem Jahr immer deutlicher geworden. Vor mehreren wichtigen Datenveröffentlichungen in dieser Woche wissen BTC-Händler inzwischen sehr genau um deren Bedeutung - ähnlich wie Marktteilnehmer in der traditionellen Finanzwelt.
Autor  FXStreet
Gestern 07: 29
Die Sensibilität von Bitcoin (BTC) gegenüber US-Konjunkturdaten ist in diesem Jahr immer deutlicher geworden. Vor mehreren wichtigen Datenveröffentlichungen in dieser Woche wissen BTC-Händler inzwischen sehr genau um deren Bedeutung - ähnlich wie Marktteilnehmer in der traditionellen Finanzwelt.
placeholder
Ethereum vor Ausbruch? ETH hängt weiter an der 2.500-Dollar-MarkeEthereum (ETH) hält sich am Donnerstag nahe 2.500 Dollar stabil. Der Markt wird dabei von Schwäche im Derivatebereich und einer leichten Dominanz der Käufer am Spotmarkt geprägt.
Autor  FXStreet
vor 1 Stunde
Ethereum (ETH) hält sich am Donnerstag nahe 2.500 Dollar stabil. Der Markt wird dabei von Schwäche im Derivatebereich und einer leichten Dominanz der Käufer am Spotmarkt geprägt.
verbundene Finanzinstrumente
goTop
quote