HSBC hat am Dienstag in einer Mitteilung dargelegt, warum die Finanzmärkte schlechte Nachrichten immer wieder abschütteln. Nach Einschätzung der Bank hat ein struktureller Wandel der vergangenen Jahre dazu geführt, dass Risikoanlagen ungewöhnlich widerstandsfähig gegenüber Schocks geworden sind.
Stratege Max Kettner verwies auf eine lange Reihe möglicher Belastungsfaktoren seit 2022 - von höherer Inflation und steigenden Zinsen über die US-Regionalbankenkrise und Zölle bis hin zum Krypto-Crash und der Auflösung von Carry Trades.
„Dennoch scheint es, als würden Risikoanlagen weiterhin jeden negativen Auslöser ignorieren“, schrieb Kettner. Die Stärke sei „nicht weniger als atemberaubend“.
Kettner nannte mehrere Gründe für diese Widerstandskraft. An erster Stelle stehen aus seiner Sicht robuste Gewinne und widerstandsfähiges Wachstum - auch außerhalb von Technologie und Künstlicher Intelligenz. Diese Entwicklung sei vom Konsens immer wieder unterschätzt worden.
Außerdem verwies er auf eine positive Korrelation zwischen Aktien und Anleihen, die die Rolle von Anleihen als Diversifikationsinstrument verringert habe. Dadurch seien Aktienquoten hoch geblieben. Hinzu komme ein Vermögenseffekt, der die Bewertungen stütze.
Weitere Stützfaktoren seien das im Vergleich zur Zeit vor der globalen Finanzkrise deutlich größere Instrumentarium der Notenbanken, eine geringere Ölintensität der Industrieländer als in den 1970er- und 1980er-Jahren, eine niedrige Verschuldung außerhalb des Staatssektors, eine bessere Qualität der Kreditindizes, eine schnellere Preisfindung sowie das Rebalancing passiver Fonds.
Mit Blick auf mögliche Auslöser für ein Ende dieser Entwicklung sieht Kettner das größte Risiko in den USA, da das Land ein überproportional hohes Gewicht an den Aktien- und Kreditmärkten hat.
Höhere Unternehmenssteuern, eine Rückkehr zu einer negativen Korrelation zwischen Aktien und Anleihen infolge einer Inflation unterhalb des Zielwerts oder ein Wegfall der impliziten Unterstützung durch die Notenbanken könnten belasten. Letzteres hält Kettner allerdings für schwer vorstellbar, da Aktienmärkte, Vermögenseffekte und Finanzierungsbedingungen inzwischen eng miteinander verwoben seien.