Nach Einschätzung der Analysten Michael Haigh und Jeremy Sellem von Société Générale hat der Brent-Ölpreis angesichts der Spannungen zwischen den USA und dem Iran, der Rhetorik von US-Präsident Donald Trump sowie der Blockadedrohungen der Huthi deutlich zugelegt. Dadurch seien die geopolitischen Risikoprämien gestiegen. Raffineriemargen in Asien und den USA hätten sich besser entwickelt als der Rohölpreis selbst, da raffinierte Produkte knapper blieben als Rohöl. Tankerdaten zeigten zudem, dass Rohöl den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus dominiere, während der LNG-Transport deutlich hinterherhinke. Dies spreche für eine Erholung, die vor allem vom Rohölmarkt getragen werde.
„Der Frontmonat-Kontrakt für Brent hat in dieser Woche um 12 % zugelegt. Der Großteil der Erholung erfolgte am Montag und Dienstag, nachdem sowohl die USA als auch der Iran ihre Angriffe wieder aufgenommen hatten. Zusätzlichen Rückenwind erhielt der Markt, nachdem Donald Trump seine Absicht bekräftigt hatte, militärische Ziele mit beispielloser Intensität anzugreifen. Hinzu kam ein kurzlebiger Vorschlag, Gebühren von den USA zu erheben, um die sichere Durchfahrt von Handelsschiffen zu finanzieren. Heute kamen weitere Risiken hinzu, nachdem die Huthi angekündigt hatten, als Reaktion auf die nach ihren Angaben bestehende saudische Belagerung der jemenitischen Hauptstadt Sanaa eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien zu verhängen.“
„Die Ölpreise stiegen daraufhin zunächst in Richtung 91 US-Dollar je Barrel, gaben ihre Gewinne anschließend jedoch wieder teilweise ab. Das deutet darauf hin, dass der Markt die potenziellen Risiken für die Energieversorgung der Region weiterhin vergleichsweise gelassen einschätzt.“
„Die Raffineriemargen haben sich auf breiter Front verbessert. In Asien legten sie um 22 % zu, in den USA um 12 %. Das passt zu der größeren Sorge in Asien über die Folgen möglicher länger anhaltender Störungen des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus und das daraus resultierende Risiko von Engpässen bei raffinierten Produkten.“
„Obwohl die jüngsten Berichte auf einen Lageraufbau von 21 Millionen Barrel im Juni hindeuten, dürfte der Großteil – wenn nicht sogar der gesamte Anstieg – auf Rohöl und nicht auf raffinierte Produkte entfallen.“
„Unsere Analyse zeigt, dass Rohöl inzwischen fast 80 % des Transportvolumens durch die Straße von Hormus ausmacht. Das sind rund fünf Prozentpunkte mehr als vor Beginn des Konflikts.“