Die asiatischen Aktien steigen nach einer Rallye an der Wall Street über Nacht, da der Waffenstillstand zwischen den Vereinigten Staaten (US) und Iran einen starken Rückgang der Ölpreise auslöste, was die Sorgen über erneute Inflation und weitere Zinserhöhungen durch die Zentralbanken abschwächte.
Zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Textes notiert der japanische Nikkei 225 um 1,85 % höher nahe 56.900, während der Hang Seng Index in Hongkong um über 0,64 % auf nahe 25.900 steigt, der SSE Composite Index Chinas um 0,77 % auf nahe 4.000 zulegt und der Kospi Südkoreas um 1,55 % auf nahe 5.870 steigt.
Die asiatischen Aktien könnten jedoch Schwierigkeiten haben, da die Händler angesichts der erneuten Risikoaversion, die durch die anhaltende Unsicherheit über die Dauer des Waffenstillstands zwischen den USA und Iran ausgelöst wird, vorsichtig bleiben. Erwartete diplomatische Gespräche zwischen den USA und Iran in Islamabad an diesem Wochenende bleiben ungewiss, da es am Freitag keine offizielle Bestätigung über die Ankunft der Delegierten gab.
Israel setzt trotz der Aussage von Benjamin Netanyahu, dass Israel bald direkte Verhandlungen mit dem Libanon aufnehmen werde, weiterhin Angriffe auf die Hisbollah fort. Unterdessen sagte US-Präsident Donald Trump, dass US-Truppen rund um den Iran stationiert bleiben, bis die vollständige Einhaltung des Abkommens erreicht ist.
Die japanischen Aktien könnten vor Herausforderungen stehen, da die Erwartungen steigen, dass die Bank of Japan (BoJ) im April die Zinsen anheben könnte, um der Inflation zuvorzukommen. Die Rendite der 10-jährigen japanischen Staatsanleihen stieg am Freitag auf nahe 2,4 %, nahe dem höchsten Stand seit 1998. Die Renditen sind seit Beginn des Nahostkonflikts gestiegen, da höhere Energiepreise Inflationssorgen schürten und die Wetten auf eine straffere BoJ-Politik verstärkten.
Der Verbraucherpreisindex Chinas stieg im März im Jahresvergleich um 0,9 %, nach 1,3 % im Februar und unter dem Konsens von 1,2 %. Im Monatsvergleich fiel der VPI um 0,7 % nach einem Anstieg von 1,0 % zuvor. Der Erzeugerpreisindex stieg hingegen um 0,5 % im Jahresvergleich, nachdem er zuvor um 0,9 % gefallen war, und verzeichnete damit den ersten Anstieg seit September 2022, teilweise gestützt durch höhere Energiekosten aufgrund von Störungen in der Straße von Hormus.
Asien trägt rund 70 Prozent zum weltweiten Wirtschaftswachstum bei und beheimatet mehrere bedeutende Börsenbarometer. In den entwickelten Volkswirtschaften der Region ragen vor allem der Nikkei 225, der 225 Unternehmen an der Börse Tokio umfasst, sowie der südkoreanische KOSPI heraus. China verfügt mit dem Hang Seng Index, dem Shanghai Composite und dem Shenzhen Composite über drei zentrale Indizes. Als große Schwellenwirtschaft rückt zudem Indien stärker in den Fokus internationaler Investoren, die vermehrt in Unternehmen investieren, die im BSE Sensex und im Nifty 50 gelistet sind.
Die großen Volkswirtschaften Asiens unterscheiden sich deutlich in ihrer Struktur, entsprechend variieren auch die prägenden Sektoren. Technologieunternehmen haben in Japan und Südkorea ein starkes Gewicht und gewinnen auch in China zunehmend an Bedeutung. Finanzdienstleister prägen insbesondere Börsenplätze wie Hongkong oder Singapur, die als wichtige regionale Finanzzentren gelten. In China und Japan spielt zudem die Industrie eine zentrale Rolle, etwa in der Automobilproduktion oder der Elektronikfertigung. Mit dem Wachstum der Mittelschicht in Ländern wie China und Indien gewinnen außerdem Einzelhandel und E-Commerce an Bedeutung.
Die Entwicklung asiatischer Aktienindizes wird von einer Vielzahl an Faktoren beeinflusst. Maßgeblich sind vor allem die Geschäftszahlen der im jeweiligen Index enthaltenen Unternehmen, die im Rahmen von Quartals- und Jahresberichten veröffentlicht werden. Darüber hinaus spielen die wirtschaftlichen Fundamentaldaten der einzelnen Länder, geldpolitische Entscheidungen der Zentralbanken sowie die Fiskalpolitik der Regierungen eine wichtige Rolle. Auch politische Stabilität, technologischer Fortschritt und die Rechtsstaatlichkeit können die Märkte beeinflussen. Hinzu kommt die Entwicklung der US-Börsen, da sich viele asiatische Märkte häufig an den Vorgaben der Wall Street orientieren. Schließlich wirkt sich auch die allgemeine Risikostimmung an den Finanzmärkten aus, da Aktien im Vergleich zu festverzinslichen Wertpapieren als risikoreichere Anlageform gelten.
Aktieninvestitionen sind grundsätzlich mit Risiken verbunden. In Asien kommen spezifische regionale Faktoren hinzu. Die politischen Systeme reichen von gefestigten Demokratien bis hin zu autoritären Strukturen, wodurch sich Stabilität, Transparenz, Rechtsstaatlichkeit und Anforderungen an die Unternehmensführung teils deutlich unterscheiden. Geopolitische Spannungen wie Handelskonflikte oder territoriale Auseinandersetzungen können ebenso für Kursschwankungen sorgen wie Naturkatastrophen. Zudem beeinflussen Wechselkursbewegungen die Bewertung von Aktienmärkten in der Region. Besonders exportorientierte Volkswirtschaften reagieren empfindlich auf Währungsschwankungen: Eine starke Landeswährung kann die Wettbewerbsfähigkeit im Ausland beeinträchtigen, während eine schwächere Währung die Exportchancen verbessert.