Der Devisenstratege Geoff Yu von BNY sieht in den schwächer als erwarteten US-Verbraucherpreisen für Juni zwar eine Entspannung bei den unmittelbaren Inflationssorgen. Die weiterhin zurückhaltende Kommunikation der US-Notenbank sorge jedoch für anhaltende Unsicherheit über den weiteren geldpolitischen Kurs und stütze den US-Dollar. Im Fokus der Märkte stehen nun die Zinsentscheidung der US-Notenbank am Mittwoch sowie die Veröffentlichung des Preisindex für die persönlichen Konsumausgaben (PCE) am Donnerstag. Beide Termine könnten deutliche Bewegungen bei kurzfristigen Anleiherenditen, am Devisenmarkt und bei risikobehafteten Anlagen auslösen.
„In dieser Woche richtet sich der Blick vor allem auf die Zinsentscheidung der Fed am Mittwoch. Besonders bemerkenswert ist, dass die Fed unter Warsh deutlich weniger Orientierung für den weiteren Kurs gibt, als es die Märkte gewohnt sind. Dadurch bleibt die Sitzung für dieses fortgeschrittene Stadium des Konjunkturzyklus ungewöhnlich offen für Interpretationen. An den Märkten wird derzeit noch immer eine Wahrscheinlichkeit von rund einem Drittel für eine Zinserhöhung eingepreist, bis zum Jahresende werden nahezu zwei Zinsschritte erwartet. Wir gehen davon aus, dass die schwächer als erwarteten Verbraucherpreisdaten für Juni der Fed erlauben werden, die Zinsen unverändert zu lassen. Das Wiederaufflammen des Konflikts könnte die Inflation im weiteren Jahresverlauf jedoch wieder anheizen.“
„Die Fed-Sitzung ist das zentrale Ereignis für den Zins-, Devisen- und Aktienmarkt. Angesichts der begrenzten Kommunikation der neuen Fed-Führung werden wir die Stellungnahme und die Pressekonferenz genau daraufhin beobachten, welche Hinweise sie auf die Einschätzung des Offenmarktausschusses liefern und ob die Erwartungen des Marktes hinsichtlich weiterer Zinserhöhungen in diesem Jahr gerechtfertigt sind. In der aktuellen Ausgangslage könnten bereits kleine Veränderungen im Tonfall die kurzfristigen Renditen deutlich bewegen.“
„Der PCE-Preisindex am Donnerstag ist der wichtigste US-Konjunkturindikator der Woche, allerdings vor allem als zweiter Impuls nach der Fed-Sitzung. Fällt der Wert schwächer aus, würde dies den bereits in den Verbraucherpreisdaten erkennbaren Disinflationstrend bestätigen und die Argumente für weitere Zinserhöhungen zusätzlich schwächen. Eine positive Überraschung würde dagegen die derzeit eher restriktiven Zinserwartungen für das Jahresende untermauern. Das Bruttoinlandsprodukt Kanadas dürfte vor allem für den geldpolitischen Kurs der Bank of Canada und den kanadischen Dollar relevant sein. Sofern die Daten jedoch nicht deutlich von den Erwartungen abweichen, dürften sie gegenüber der Kombination aus Fed-Entscheidung und PCE-Daten in den Hintergrund treten.“