Die US-Börsenaufsicht SEC arbeitet an einem Regulierungsrahmen für die Notierung und den Handel tokenisierter Wertpapiere. Ziel der Behörde ist es, auf Blockchain-Technologie basierende Vermögenswerte in die traditionellen Finanzmärkte zu integrieren, ohne einzelnen Marktteilnehmern regulatorische Vorteile zu verschaffen.
Auf der Piper Sandler Global Exchange & Fintech Conference in New York erklärte Jamie Selway, Direktor der SEC-Abteilung für Handel und Märkte, am Donnerstag, dass die Initiative dem Grundsatz „Innovation ohne Regulierungsarbitrage“ folge. Dieser Ansatz sei von SEC-Chef Paul Atkins zur Priorität erklärt worden.
„Vorsitzender Atkins hat die Abteilung angewiesen, einen Rahmen für die Notierung und den Handel tokenisierter Wertpapiere zu entwickeln, wobei ‚Innovation ohne Regulierungsarbitrage‘ unser Leitprinzip ist“, sagte Selway.
Der geplante Rahmen soll technologische Innovationen fördern und zugleich sicherstellen, dass tokenisierte Wertpapiere unter denselben Bedingungen wie traditionelle Finanzprodukte konkurrieren. Nach den Worten Selways sollten Marktergebnisse durch Wettbewerb und die Nachfrage der Anleger bestimmt werden – nicht durch regulatorische Unterschiede zwischen digitalen und konventionellen Vermögensstrukturen.
Das Vorhaben baut auf früheren Leitlinien der SEC zu Themen wie der Verwahrung digitaler Vermögenswerte, digitalen Wallets und dem Betrieb tokenisierter Wertpapiere auf. Die Behörde prüft nun, wie bestehende Vorschriften angepasst werden können, um tokenisierte Wertpapiere über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg zu unterstützen – von der Emission über Handel, Clearing und Abwicklung bis hin zur Verwahrung.
Unter Verweis auf Äußerungen von Atkins aus dem März sagte Selway, Unternehmen sollten nicht gezwungen sein, sich durch überlappende Regulierungsrahmen zu arbeiten, wenn Produkte Merkmale aufweisen, die in die Zuständigkeit mehrerer Behörden fallen. Eine engere Zusammenarbeit der Aufsichtsbehörden könne Innovationshemmnisse abbauen und gleichzeitig für klarere Regeln für Marktteilnehmer sorgen.
Selway hob zudem die laufende Zusammenarbeit zwischen der SEC und der US-Derivateaufsicht CFTC hervor. Ziel sei es, den Compliance-Aufwand und regulatorische Unsicherheiten für Unternehmen zu verringern, die in beiden Märkten tätig sind.
Zugleich rief er Marktteilnehmer dazu auf, Rückmeldungen zu Bereichen zu geben, in denen eine stärkere regulatorische Abstimmung erforderlich sein könnte. Dazu zählten unter anderem Anforderungen an die Datenberichterstattung, das Portfolio-Margining sowie die Klassifizierung von Produkten.
Die jüngsten Initiativen der SEC erfolgen vor dem Hintergrund eines anhaltend wachsenden Interesses traditioneller Finanzinstitute an tokenisierten Vermögenswerten.
Trotz der potenziellen Vorteile warnte Selway vor einem übermäßigen Einsatz von Fremdkapital und spekulativen Aktivitäten auf den Märkten für digitale Vermögenswerte. Es gelte sicherzustellen, dass der Anlegerschutz auch bei der Integration neuer Technologien in regulierte Märkte gewahrt bleibe.
Die SEC dürfte ihre Gespräche mit Börsenbetreibern, Fintech-Unternehmen und weiteren Vertretern der Branche fortsetzen, während der Regulierungsrahmen ausgearbeitet wird. Zusätzliche Leitlinien und Vorschläge werden voraussichtlich in den kommenden Monaten folgen.