Die Welle der Bitcoin-Akzeptanz in Unternehmen, die im vergangenen Jahr maßgeblich zur starken Marktentwicklung beigetragen hatte, zeigt deutliche Anzeichen einer Abschwächung. Der Rückgang des Bitcoin-Kurses unter wichtige Unterstützungsmarken hat Schwächen des Modells der Digital Asset Treasury (DAT) offengelegt und Unternehmen dazu veranlasst, ihre Treasury-Strategien neu zu bewerten.
Das populäre Modell, Kapital aufzunehmen und in Bitcoin zu investieren, lässt sich unter den Bedingungen einer restriktiveren Liquidität und anhaltend hoher Volatilität zunehmend schwer aufrechterhalten.
Sequans Communications (SQNS) teilte am Donnerstag mit, die verbliebenen Wandelanleihen vollständig zurückgezahlt zu haben und die Bitcoin-Treasury-Strategie einzustellen.
Das Unternehmen erklärte, die Rückzahlung sei teilweise durch den Verkauf von Bitcoin finanziert worden. Dadurch verfüge Sequans nun noch über rund 658 Bitcoin in der Bilanz, die vollständig frei verfügbar seien. Das Unternehmen erklärte, man verfolge „keine Strategie für digitale Vermögenswerte in der Bilanz mehr“ und beabsichtige, die verbleibenden Bestände schrittweise zu veräußern.
Die Entscheidung markiert eine klare Rückkehr zum Kerngeschäft im Halbleiterbereich mit einem erneuten Fokus auf 4G- und 5G-basierte Mobilfunklösungen für das Internet der Dinge (IoT).
Vorstandschef Georges Karam bezeichnete den Schritt als einen „Wendepunkt“ und verwies auf eine gestärkte Bilanz sowie eine höhere operative Fokussierung.
„Wir haben unsere Bilanz gestärkt, unsere Kapitalstruktur vereinfacht und konzentrieren uns nun vollständig darauf, unser IoT-Halbleitergeschäft auszubauen“, sagte er.
Auf dem Höhepunkt seiner Bitcoin-Strategie hielt Sequans mehr als 3.200 Bitcoin. Sinkende Umsätze, operative Verluste und die Kursschwankungen der Kryptowährung setzten das Modell jedoch zunehmend unter Druck. Im ersten Quartal des Jahres verkaufte das Unternehmen mehr als 1.000 Bitcoin und signalisierte damit einen wachsenden Belastungsfaktor für die Bilanz.
Der Ausstieg von Sequans aus dem DAT-Modell spiegelt einen breiteren Wandel in der Branche wider. Im Jahr 2025 führten mehr als 200 börsennotierte Unternehmen Bitcoin-Treasuries ein oder bauten diese aus, nachdem die DAT-Strategie zunächst vielversprechend erschienen war. Das Marktumfeld nach dem Höhepunkt belastet jedoch weiterhin die Bilanzen vieler dieser Unternehmen. Zahlreiche Firmen meldeten aufgrund des Bitcoin-Rückgangs Verluste im vierten Quartal 2025 sowie im ersten Quartal 2026.
Trotz der allgemeinen Abschwächung bleibt Strategy der dominierende Akteur. Das Unternehmen führt die Liste der größten Unternehmenshalter von Bitcoin weiterhin an und hält 843.738 Bitcoin.
Strategy hat seine langfristige Ausrichtung beibehalten und zugleich Flexibilität im Kapitalmanagement bewiesen. Das Unternehmen kaufte Anfang des Monats Wandelanleihen im Volumen von 1,5 Milliarden US-Dollar zurück. Finanziert wurde dies überwiegend durch vorhandene Barmittel und die Ausgabe neuer Aktien und nicht durch den Verkauf von Bitcoin.
Trotz der Widerstandsfähigkeit von Strategy zeigt das aktuelle Umfeld eine vorsichtigere Haltung institutioneller Investoren gegenüber Bitcoin, darunter auch Anleger in börsengehandelten Fonds (ETF).
Der Bloomberg-ETF-Analyst Eric Balchunas schrieb auf der Plattform X, dass der iShares Bitcoin Trust (IBIT) von BlackRock den zweithöchsten Tagesabfluss seit seiner Auflegung verzeichnet habe. Demnach flossen an einem Tag netto 528 Millionen US-Dollar ab.
Diese Abflüsse entsprächen allerdings lediglich rund einem Prozent der kumulierten Mittelzuflüsse des Fonds von 64 Milliarden US-Dollar und dürften daher nur begrenzte Auswirkungen auf den ETF haben, erklärte Balchunas.
Bitcoin wird derzeit bei 75.000 US-Dollar gehandelt. Auf Sicht von 24 Stunden entspricht dies einem Rückgang von 1,1 Prozent.