Bitcoin zeigt nach einer längeren Verlustphase erste Anzeichen einer Stabilisierung, auch wenn die Erholung weiterhin fragil bleibt und nur begrenzte Marktteilnahme aufweist. Das geht aus einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht des Analysehauses Glassnode hervor.
Mit einem Kurs von rund 74.000 US-Dollar liegt die führende Kryptowährung derzeit etwa 5,2 Prozent unter dem sogenannten True Market Mean bei 78.100 US-Dollar. Diese Marke gilt als wichtiger Widerstand und spiegelt die durchschnittlichen Einstandskosten der aktiven On-Chain-Angebote wider.
Gleichzeitig sehen die Analysten eine Verlangsamung der Kursbewegung. Als einen Grund nennen sie zunehmende Gewinnmitnahmen. Das 30-Tage-Exponentielle-Gleitende-Mittel des Verhältnisses von realisierten Gewinnen zu Verlusten ist auf 1,16 gestiegen. Dies deutet darauf hin, dass mehr Anleger jüngste Kursanstiege für Verkäufe nutzen.

BTC Realized Profit/Loss Ratio. Quelle: Glassnode
Aktuell befinden sich nur 43,2 Prozent des Angebots kurzfristiger Investoren im Gewinn. Damit liegt der Wert unter dem historischen Durchschnitt von 54,2 Prozent, der typischerweise bei lokalen Hochpunkten innerhalb von Bärenmarktrallys erreicht wird. Dies deutet darauf hin, dass noch Spielraum für weitere Kursgewinne bestehen könnte, bevor der Verkaufsdruck zunimmt.
Uneinheitliche Signale zeigen sich auch bei der Aktivität am Spotmarkt. Während die Kryptobörse Binance vergleichsweise starke Handelsaktivität von Privatanlegern und internationalen Marktteilnehmern verzeichnet, bleiben die Zuflüsse bei Coinbase gedämpft. Die Entwicklung deutet auf eine fehlende einheitliche Marktüberzeugung hin.
Institutionelle Investoren kehren unterdessen schrittweise zurück, allerdings mit Vorsicht. Die Kapitalflüsse in US-Bitcoin-ETFs haben sich zuletzt wieder ins Positive gedreht, und auch das offene Interesse an Futures der CME Group erholt sich von jüngsten Tiefständen. Beide Indikatoren liegen jedoch weiterhin deutlich unter früheren Niveaus aus Phasen hoher Risikobereitschaft, was auf einen zurückhaltenden Wiedereinstieg hindeutet.
Auch die Liquiditätslage beeinflusst laut Glassnode die Marktstruktur. Daten von Hyperliquid zeigen eine Häufung von Long-Liquidationen im Bereich zwischen 63.000 und 65.000 US-Dollar. Short-Liquidationen konzentrieren sich dagegen im Bereich zwischen 74.000 und 76.000 US-Dollar.
Weitere Derivatekennzahlen stützen den vorsichtigen Ausblick. Die implizite Volatilität ist zurückgegangen, wobei die Ein-Monats-Volatilität bei rund 42,6 Prozent liegt und damit ruhigere Marktbedingungen nach den jüngsten Turbulenzen signalisiert. Gleichzeitig ist die einwöchige Volatilitätsrisikoprämie ins Negative gedreht, was darauf hindeutet, dass Optionsmärkte die Stärke der jüngsten Erholung möglicherweise unterschätzt haben.
Zudem ist die sogenannte Dealer-Gamma-Position deutlich negativ und liegt bei etwa 3 Milliarden US-Dollar. Sie konzentriert sich im Bereich zwischen 74.000 und 76.000 US-Dollar und schafft damit eine Zone, in der Absicherungsaktivitäten kurzfristige Kursbewegungen verstärken oder begrenzen könnten.
Für einen nachhaltigen Aufwärtstrend wären eine stärkere Nachfrage am Spotmarkt, klarere Zuflüsse institutioneller Investoren sowie eine deutliche Aufnahme des Angebots im Bereich um 78.100 US-Dollar erforderlich.