Der Goldpreis steht an einer Stelle, an der Anleger ganz genau hinschauen sollten. Mit zuletzt 4.539,56 US-Dollar je Unze notiert Gold direkt unter einer Zone, die kurzfristig über die nächste größere Bewegung entscheiden könnte. Oberhalb von 4.560 US-Dollar würde sich das technische Bild deutlich aufhellen. Fällt der Goldpreis dagegen unter 4.350 US-Dollar, droht eine wesentlich tiefere Korrektur.
Genau das macht die aktuelle Lage so spannend. Gold befindet sich zwischen einer starken Widerstandszone auf der Oberseite und einer wichtigen Unterstützung auf der Unterseite. Noch ist nichts entschieden. Doch die technischen Signale sprechen kurzfristig eher für die Verkäufer.
Der Goldpreis notiert aktuell über der Ichimoku-Wolke, die zwischen 4.355,20 und 4.478,40 US-Dollar verläuft. Solange diese Zone hält, bleibt die größere Aufwärtsstruktur grundsätzlich intakt. Problematisch wird es, wenn Gold diese Unterstützung verliert. Dann könnte sich das Chartbild sehr schnell eintrüben.
Gleichzeitig drücken auf der Oberseite gleich mehrere Widerstände. Der SMA(20) liegt bei 4.512,83 US-Dollar, der langfristig besonders wichtige SMA(200) bei 4.556,70 US-Dollar. Genau dort tut sich Gold aktuell schwer.
Für mich ist deshalb klar: Der Bereich um 4.560 US-Dollar ist derzeit die wichtigste Marke im gesamten Chart.

Warum ist dieser Bereich so entscheidend?
Der Goldpreis trifft dort nicht nur auf einen einzelnen technischen Widerstand. Vielmehr entsteht ein regelrechtes Widerstandscluster. Der kurzfristige SMA(20) und der langfristige SMA(200) liegen eng beieinander und haben den jüngsten Aufwärtsversuch bislang ausgebremst.
Das allein wäre noch kein großes Problem. Doch auch das Momentum liefert momentan keine Unterstützung.
Der MACD liegt bei 59,10, während die Signallinie bei 90,51 steht. Damit liegt ein negativer Cross vor. Vereinfacht gesagt: Die kurzfristige Aufwärtsdynamik verliert an Kraft.
Auch der Blick auf den eigentlichen Kursverlauf passt dazu. Bei rund 4.700 US-Dollar hat Gold zuletzt ein sogenanntes „Lower High“ ausgebildet. Das bedeutet, dass der Kurs unter dem vorherigen Hoch geblieben ist. Solche Strukturen können ein frühes Warnsignal dafür sein, dass Käufer zunehmend die Kontrolle verlieren.
Hinzu kommen mehrere Doji-Kerzen direkt am Widerstand. Sie zeigen vor allem eines: Unsicherheit.
Käufer und Verkäufer halten sich in diesem Bereich derzeit weitgehend die Waage. Genau deshalb sollte man sich nicht von jeder kleinen Bewegung täuschen lassen. Erst ein klarer Ausbruch aus dieser Zone dürfte zeigen, wohin die Reise wirklich geht.
Während auf der Oberseite 4.560 US-Dollar die entscheidende Marke ist, wird es auf der Unterseite unterhalb von 4.350 US-Dollar besonders interessant.
Fällt der Goldpreis darunter, würde gleichzeitig die Ichimoku-Wolke nach unten verlassen. Das wäre ein deutlich stärkeres technisches Verkaufssignal als die aktuelle Schwäche am Widerstand.
Für ein bärisches Setup ergeben sich deshalb zwei mögliche Vorgehensweisen.
Die aggressive Variante setzt auf einen Einstieg bei rund 4.430 US-Dollar, falls Gold dort erneut am kurzfristigen Widerstand scheitert. Die konservativere Variante wartet dagegen auf einen Tagesschluss unterhalb der Ichimoku-Wolke bei etwa 4.345 US-Dollar.
Der Unterschied ist wichtig.
Beim aggressiven Einstieg versucht man, die Bewegung früher zu erwischen. Dafür ist das Risiko größer, dass Gold doch wieder nach oben dreht. Der konservative Einstieg kommt später, bietet dafür aber ein klareres technisches Signal.
Als Stopp-Loss liegt die relevante Marke bei 4.535 US-Dollar. Sie befindet sich leicht oberhalb des SMA(20) und berücksichtigt gleichzeitig mit etwa dem 1,04-Fachen der ATR die aktuell hohe Schwankungsbreite.
Das erste Ziel liegt bei 4.266 US-Dollar. Dort verläuft der SMA(50), der als Unterstützung dienen könnte.
Fällt auch dieser Bereich, rückt 4.150 US-Dollar in den Fokus. Dort befindet sich ein starkes Volumenlevel.
Das dritte Ziel liegt schließlich bei 3.955 US-Dollar. Dieser Bereich entspricht einem größeren Makro-Swingtief.
Das Chance-Risiko-Verhältnis liegt bei den genannten Zielmarken bei rund 1,56, 2,66 und 4,52. Das Vertrauen in dieses Setup ist allerdings nur mittel. Für unerfahrene Anleger ist das deshalb kein einfacher Trade.
Ein Fehler, den viele Anleger machen: Sie wollen in jeder Marktphase unbedingt handeln.
Gerade beim Goldpreis wäre das aktuell keine gute Idee.
Die Zone zwischen 4.395 und 4.512 US-Dollar ist momentan besonders schwierig. Dort ist die Volatilität hoch, gleichzeitig fehlt aber eine klare Richtung. Genau deshalb lässt sich dieser Bereich eher als No-Trade-Zone einordnen.
Das Interessante beginnt erst außerhalb dieser Spanne.
Auf der Oberseite liegt das wichtigste Widerstandscluster zwischen rund 4.430 und 4.560 US-Dollar. Dort entscheidet sich, ob Gold den nächsten Angriff nach oben starten kann.
Auf der Unterseite wird es unterhalb von 4.350 US-Dollar kritisch.
Auch die ATR zeigt, wie nervös der Markt derzeit ist. Die Average True Range liegt bei 101,33 US-Dollar beziehungsweise 2,28 %.
Die ATR misst vereinfacht gesagt, wie stark sich der Goldpreis durchschnittlich bewegt. Ein Wert von mehr als 100 US-Dollar bedeutet: Die täglichen Schwankungen sind groß.
Für Trader kann das attraktiv sein, weil größere Bewegungen auch größere Chancen bieten.
Aber genau daraus entsteht gleichzeitig das Risiko.
Wer bei hoher Volatilität ohne klare Absicherung handelt, kann schnell ausgestoppt werden oder größere Verluste erleiden als geplant.
Deshalb spielt das Positionsmanagement aktuell eine besonders wichtige Rolle.
Wird das erste Ziel bei 4.266 US-Dollar erreicht, könnte der Stopp auf den Einstiegskurs nachgezogen werden. Nach Erreichen des zweiten Ziels bei 4.150 US-Dollar ließe sich die Absicherung anschließend oberhalb des SMA(20) platzieren.
Auf diese Weise kann ein bereits aufgelaufener Gewinn zumindest teilweise geschützt werden.
Der Goldpreis steht damit an einem echten technischen Scheideweg.
Noch halten die Unterstützungen. Gleichzeitig fehlt aber die Kraft, um den wichtigen Widerstandsbereich nach oben zu durchbrechen.
Solange Gold unter 4.560 US-Dollar bleibt, haben die Verkäufer kurzfristig die besseren Argumente.
Entscheidend wird allerdings erst ein klarer Bruch.
Steigt der Goldpreis nachhaltig über 4.560 US-Dollar, würde das aktuelle bärische Szenario deutlich an Aussagekraft verlieren. Dann könnten die Käufer wieder die Kontrolle übernehmen.
Fällt Gold dagegen unter 4.350 US-Dollar und verlässt die Ichimoku-Wolke nach unten, würde sich das Bild deutlich verschlechtern. Dann wären zunächst 4.266 US-Dollar und anschließend 4.150 US-Dollar realistische technische Zielmarken. In einem stärkeren Abverkauf käme sogar der Bereich um 3.955 US-Dollar ins Spiel.
Genau deshalb ist es momentan sinnvoller, auf die Bestätigung zu warten, anstatt mitten in der aktuellen Schwankungszone eine Richtung zu erzwingen.
Beim Goldpreis entscheidet sich jetzt nicht, ob ein paar Dollar nach oben oder unten möglich sind. Es geht vielmehr darum, ob die bisherige Unterstützung hält oder ob sich daraus eine deutlich größere Abwärtsbewegung entwickelt.
Und dafür gibt es zwei Marken, die man sich merken sollte: 4.560 US-Dollar nach oben und 4.350 US-Dollar nach unten.
Risikohinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und dem Finanzjournalismus und stellt keine Anlageberatung oder Kauf- beziehungsweise Verkaufsempfehlung dar. Der Handel mit Aktien, Gold, Futures und anderen Finanzinstrumenten ist mit Risiken verbunden und kann zum teilweisen oder vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen.