Gold (XAU/USD) setzt das jüngste Abwärtsmomentum unterhalb des technisch bedeutenden einfachen 200-Tage-SMA fort und fällt während der asiatischen Sitzung am Mittwoch auf ein neues Tief seit dem 23. März, weiter unter die Marke von 4.200 USD. Die Rohölpreise steigen angesichts der erneuten Feindseligkeiten zwischen den USA und Iran, was Inflationsängste schürt und Wetten auf restriktivere Zentralbanken stärkt. Dies wird wiederum als ein Schlüsselfaktor gesehen, der Kapitalflüsse vom renditelosen gelben Metall wegtreibt.
Die USA führten am Dienstag Selbstverteidigungsschläge gegen den Iran als Vergeltung für den Abschuss eines US-Apache-Hubschraubers in der Straße von Hormus durch. Als Reaktion darauf erklärte die Islamische Revolutionsgarde (IRGC) des Iran, sie habe einen Luftwaffenstützpunkt in Jordanien, auf dem US-Truppen stationiert sind, sowie Kuwait und Bahrain ins Visier genommen und warnte vor einer „schwerwiegenderen Reaktion“, falls die US-Aggression andauere. Zudem sagte Irans Außenminister Abbas Araghchi, die Streitkräfte des Landes würden keinen Angriff oder keine Bedrohung unbeantwortet lassen und warnte die USA, die Region zu verlassen oder mit Konsequenzen zu rechnen. Dies hält geopolitische Risikoaufschläge im Spiel und hilft den Rohölpreisen, sich über einem Zweimonatstief zu halten, das am Vortag erreicht wurde.
Laut dem FedWatch Tool der CME Group schreiben Händler der US-Notenbank (Fed) eine fast 75%ige Wahrscheinlichkeit zu, die Zinsen bis Ende dieses Jahres angesichts von Sorgen über hartnäckige Inflation aufgrund erhöhter Energiepreise anzuheben. Die USD-Bullen wirken jedoch zögerlich und entscheiden sich, die Veröffentlichung der neuesten US-Verbraucherpreisinflationszahlen abzuwarten, bevor sie neue Wetten eingehen. Der entscheidende US-Verbraucherpreisindex (CPI) wird eine Schlüsselrolle bei der Beeinflussung der Markterwartungen hinsichtlich des geldpolitischen Kurses der Fed spielen, was wiederum dem USD einen bedeutenden Impuls verleihen sollte. In der Zwischenzeit könnte das fundamentale Umfeld weiterhin Druck auf den Goldpreis ausüben.
Aus technischer Sicht bestätigt das jüngste Abwärtssegment einen frischen Bruch unter einen abwärts geneigten Kanal, der vom Hoch im April ausgeht. Zudem bleibt das Edelmetall unter dem einfachen 200-Tage-SMA verankert, was die kurzfristig negative Perspektive bestätigt und die Argumentation für weitere Verluste stützt.
Darüber hinaus signalisiert der tägliche Relative Strength Index (14) nahe 28 überverkaufte Bedingungen, und der Moving Average Convergence Divergence (MACD)-Indikator tief im negativen Bereich verstärkt das vorherrschende bärische Momentum. Dies macht den Goldpreis anfällig für weitere Rückgänge, mit einem Ziel, das März-Tief um die Marke von 4.100 USD erneut zu testen.
Auf der Oberseite wird erster Widerstand am ehemaligen Kanalboden bei rund 4.238 USD erwartet, gefolgt vom 200-Tage-SMA nahe 4.444 USD. Eine Erholung über letzteren würde den breiteren Abwärtsdruck, der durch den dominanten absteigenden Kanal impliziert wird, zu mildern beginnen und den Goldpreis weiter zum oberen Kanalrand bei etwa 4.546 USD und zum vorherigen Schwungreferenzpunkt bei rund 4.634 USD anheben.
Gold hat in der Geschichte der Menschheit stets eine zentrale Rolle gespielt – als universelles Tauschmittel und sicherer Wertspeicher. Heute wird das Edelmetall vor allem als „sicherer Hafen“ in Krisenzeiten geschätzt. Gold dient nicht nur als Schmuck oder Anlageobjekt, sondern wird auch als Absicherung gegen Inflation und Währungsabwertungen betrachtet. Sein Wert ist unabhängig von staatlichen Institutionen oder einzelnen Währungen, was es in unsicheren Zeiten besonders attraktiv macht.
Zentralbanken zählen zu den größten Goldkäufern weltweit. Um ihre Währungen in Krisenzeiten zu stützen, kaufen sie Gold, um die wirtschaftliche Stabilität und das Vertrauen in ihre Währungen zu stärken. 2022 kauften Zentralbanken laut World Gold Council 1.136 Tonnen Gold im Wert von rund 70 Milliarden US-Dollar – ein Rekordwert. Besonders schnell wachsende Schwellenländer wie China, Indien und die Türkei erhöhen ihre Goldreserven in hohem Tempo.
Gold steht traditionell in einer inversen Beziehung zum US-Dollar und zu US-Staatsanleihen – beide gelten als bedeutende Reservewährungen und sichere Häfen für Anleger. Wenn der Dollar abwertet, steigt der Goldpreis häufig, was Investoren und Zentralbanken in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit dazu veranlasst, ihre Portfolios zu diversifizieren. Ebenso ist Gold gegenläufig zu risikobehafteten Vermögenswerten. Während ein Aufschwung an den Aktienmärkten den Goldpreis oft drückt, profitieren Goldinvestoren in Zeiten von Börsenturbulenzen.
Der Goldpreis unterliegt einer Vielzahl von Einflussfaktoren. Geopolitische Spannungen oder die Sorge vor einer tiefen Rezession können den Preis des Edelmetalls schnell in die Höhe treiben, da Gold als sicherer Hafen gilt. Ohne eigene Rendite steigt der Wert des Metalls häufig in Phasen niedriger Zinsen, während hohe Zinskosten den Preis drücken. Die Entwicklung des Goldpreises ist jedoch stark vom US-Dollar abhängig, da das Edelmetall in Dollar (XAU/USD) gehandelt wird. Ein starker Dollar übt in der Regel Druck auf den Goldpreis aus, während ein schwächerer Dollar zu einer Verteuerung führen kann.