Die Ökonomen der Rabobank sehen die kanadische Wirtschaft in einer fragilen Lage. Zwei Quartale mit schrumpfender Wirtschaftsleistung in Folge erfüllten die Kriterien einer technischen Rezession. Schwache Investitionen und ein belasteter Außenhandel bremsten das Wachstum, während hohe Benzinpreise die Gefahr einer nachlassenden Nachfrage erhöhten. Zugleich drückten US-Zölle und die Unsicherheit rund um das nordamerikanische Handelsabkommen USMCA auf die Stimmung von Unternehmen und Verbrauchern. Dadurch werde die Fähigkeit der Bank of Canada eingeschränkt, von außen verursachte Belastungen wirksam abzufedern.
„Die hohen Benzinpreise bedeuten, dass das Risiko einer durch die aktuelle Inflation ausgelösten Nachfrageschwäche groß ist. Das bringt Kanada angesichts der jüngsten BIP-Daten in eine besonders prekäre Lage, da diese einen annualisierten Rückgang von 0,1 Prozent im Quartalsvergleich ausgewiesen haben.“
„Schwache Investitionen haben das Wachstum belastet, und derzeit gibt es keine vielversprechenden Anzeichen für eine deutliche Trendwende im zweiten Quartal. Gleichzeitig hat auch die Handelsbilanz das Wachstum gebremst, da die Exporte um 0,5 Prozent zurückgingen und die Importe von 2 Prozent im vierten Quartal des vergangenen Jahres auf 12 Prozent im ersten Quartal stiegen – der stärkste Anstieg seit 2022.“
„Die BIP-Zahlen für das erste Quartal sind besorgniserregend, da sie auf einen Rückgang von 1,0 Prozent im Vorquartal folgten und damit eine technische Rezession markieren. Mehrere kanadische Entscheidungsträger haben die jüngsten Konjunkturdaten heruntergespielt. So erklärte Mark Carney, die kanadische Regierung sei ‚dabei, die Grundlagen für eine stärkere, widerstandsfähigere und unabhängigere kanadische Wirtschaft zu schaffen‘.“
„Wir gehen weiterhin davon aus, dass die kanadische Wirtschaft moderat wachsen wird, während sie sich an US-Zölle und die Unsicherheit in der Handelspolitik anpasst. Die jüngsten Daten deuten jedoch darauf hin, dass das kurzfristige Wirtschaftswachstum schwächer ausfallen wird als noch im Januar erwartet.“
„Die Prognose der Notenbank vom April geht von einem BIP-Wachstum von 1,2 Prozent im Jahr 2026 aus. Für 2027 werden 1,6 Prozent und für 2028 1,7 Prozent erwartet, da Exporte und Unternehmensinvestitionen wieder zulegen sollen – allerdings auf einem niedrigeren Wachstumspfad.“