Das Paar AUD/USD zieht nach den moderaten Gewinnen des Vortags frische Verkäufer an und fällt während der asiatischen Handelssitzung am Freitag auf ein neues Tief seit Anfang April. Die Kassakurse erholen sich jedoch in der letzten Stunde um einige Pips und notieren derzeit knapp unter der Marke von 0,6900, was einem Tagesverlust von über 0,25% entspricht.
Nach der am Donnerstag vom US Bureau of Economic Analysis veröffentlichten dritten und endgültigen Schätzung wuchs die Wirtschaft im ersten Quartal 2026 mit einer annualisierten Rate von 2,1% im Vergleich zur zweiten Schätzung eines Anstiegs von 1,6%. Hinzu kommt, dass der US-Preisindex für persönliche Konsumausgaben (PCE) anhaltenden Inflationsdruck aufzeigte, wodurch eine Zinserhöhung durch die US-Notenbank (Fed) in diesem Jahr fest auf dem Tisch bleibt. Abgesehen davon trägt die vorsichtige Marktstimmung dazu bei, dass der sichere Hafen US-Dollar (USD) seine korrigierende Gegenbewegung vom höchsten Stand seit Mai 2025, der am Donnerstag erreicht wurde, stoppt und Druck auf das Paar AUD/USD ausübt.
Berichten zufolge griff die Islamische Revolutionsgarde Irans (IRGC) ein unter singapurischer Flagge fahrendes Frachtschiff in der Straße von Hormuz an. Die jüngste Entwicklung entfacht erneut Sorgen über die Nachhaltigkeit des vorläufigen US-Iran-Friedensabkommens. Zudem hat der jüngste technologiegetriebene Ausverkauf an den Aktienmärkten eine globale Risikoaversion ausgelöst, die als weiterer Faktor für die relative Outperformance des Greenbacks gegenüber dem als riskanter geltenden Australischen Dollar (AUD) gesehen wird. Dennoch halten die Erwartungen, dass die Reserve Bank of Australia (RBA) an ihrer restriktiven Haltung festhält, bärische Trader davon ab, aggressive Wetten rund um das Paar AUD/USD zu platzieren.
Trader blicken nun gespannt auf die Veröffentlichung des wiederbelebten US-Verbrauchervertrauensindex der University of Michigan, der zusammen mit den Äußerungen der Fed die USD-Preisdynamik beeinflussen könnte. Der Fokus wird sich dann auf die Rede der RBA-Gouverneurin Michele Bullock am Sonntag verlagern, die dem Paar AUD/USD zu Beginn der neuen Woche frische Impulse geben sollte. Dennoch bleiben die Kassakurse auf Kurs für deutliche Wochenverluste und markieren damit die zweite Woche in Folge mit einer negativen Entwicklung.
Der australische Dollar wird maßgeblich von den Zinssätzen der Reserve Bank of Australia sowie den Preisen von Rohstoffen wie Eisenerz beeinflusst, die für die australische Wirtschaft von großer Bedeutung sind. Auch die Entwicklungen in China, dem größten Handelspartner Australiens, spielen eine wichtige Rolle.
Die Reserve Bank of Australia (RBA) beeinflusst den Australischen Dollar (AUD), indem sie den Zinssatz festlegt, zu dem Banken sich gegenseitig Geld leihen. Das Ziel der RBA ist es, die Inflation durch Zinssatzanpassungen im Bereich von 2-3 % zu halten. Hohe Zinssätze im Vergleich zu anderen wichtigen Zentralbanken stützen den AUD, während niedrige Zinssätze ihn schwächen können. Quantitative Lockerungsmaßnahmen wirken in der Regel negativ auf den AUD, während quantitative Straffungsmaßnahmen ihn stärken.
China ist Australiens wichtigster Handelspartner, daher hat die wirtschaftliche Entwicklung in China einen direkten Einfluss auf den Wert des Australischen Dollars (AUD). Läuft die chinesische Wirtschaft gut, steigt die Nachfrage nach australischen Rohstoffen, Gütern und Dienstleistungen, was den AUD stärkt. Schwächelt die chinesische Konjunktur, sinkt die Nachfrage, und der Wert des AUD fällt. Überraschungen bei den Wachstumsdaten aus China – sowohl positive als auch negative – haben deshalb häufig unmittelbare Auswirkungen auf den Wechselkurs des Australischen Dollars und seiner Währungspaare.
Eisenerz ist der wichtigste Export Australiens und erzielte 2021 laut offiziellen Angaben Einnahmen von 118 Milliarden US-Dollar. China ist dabei der größte Abnehmer. Die Preisentwicklung von Eisenerz wirkt sich daher direkt auf den australischen Dollar (AUD) aus: Steigt der Preis, erhöht sich meist auch der Wert des AUD, da die Nachfrage nach der Währung zunimmt. Fällt der Preis, wirkt sich das negativ auf den AUD aus. Höhere Eisenerzpreise begünstigen zudem ein positives Handelsbilanzsaldo Australiens, was sich ebenfalls stützend auf die Landeswährung auswirkt.
Die Handelsbilanz, also die Differenz zwischen den Einnahmen eines Landes aus Exporten und den Ausgaben für Importe, ist ein weiterer wesentlicher Faktor, der den Wert des australischen Dollars beeinflussen kann. Wenn Australien stark nachgefragte Exportgüter produziert, steigt der Wert der Landeswährung aufgrund der höheren Nachfrage aus dem Ausland. Eine positive Handelsbilanz stärkt den australischen Dollar, während ein Handelsbilanzdefizit gegenteilige Auswirkungen hat.