Der Devisenstratege Chris Turner von ING bezeichnet die jüngste Kursentwicklung des britischen Pfunds als schwer nachvollziehbar nach der aktuellen Kommunikation der Bank of England. Zwar sieht er die Notenbank auf Kurs, den Boden für eine Zinserhöhung im Juni zu bereiten, doch hätten einige Marktteilnehmer die Signale als eher zurückhaltend gewertet. Als möglichen Grund nennt er unter anderem rückläufige, ölpreisbedingte GBP-Zinsen. Zugleich warnt er, dass wichtige Unterstützungsmarken im EUR/GBP bei 0,8600/0,8610 in einem ausgedünnten Feiertagshandel unter Druck geraten könnten.
"Das Pfund bietet derzeit ein verwirrendes Bild. Einige haben die gestrige Kommunikation der Bank of England als dovish interpretiert, obwohl wir der Ansicht sind, dass sie den Boden für eine Zinserhöhung im Juni bereitet."
"Diese dovishe Interpretation könnte dadurch beeinflusst worden sein, dass kurzfristige GBP-Swap-Sätze deutlich gefallen sind – auch wenn diese Bewegung wahrscheinlich durch sinkende Ölpreise ausgelöst wurde. Wenn die Ölpreise fallen und die GBP-Zinsen schneller sinken als die EUR-Zinsen, hätte das angesichts der seit Kriegsbeginn beobachteten Zusammenhänge zwischen Öl, Zinsen und Devisen eigentlich EUR/GBP Auftrieb geben müssen."
"Aber nein, EUR/GBP ist an diesem Tag gefallen. Das könnte mit Monatsendströmen zusammenhängen, bei denen Aktien-Portfoliomanager nach der schwachen Entwicklung im April wieder stärker in britische Anlagen umgeschichtet haben."
"Insgesamt ergibt sich ein uneinheitliches Bild, das wichtige Unterstützungszonen im EUR/GBP bei 0,8600/0,8610 in einem durch Feiertage ausgedünnten Handel angreifbar erscheinen lässt. Wir gehen davon aus, dass das Pfund bald unterdurchschnittlich abschneiden dürfte – allerdings sagen wir und die meisten Investoren das schon seit geraumer Zeit."