Wirtschaftskalender: Fünf Dinge, die für Anleger diese Woche wichtig werden

Autor: Investing.com
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Mitrade Team
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Quelle: DepositPhotos

Investing.com - In den kommenden Tagen richtet sich der Blick der Marktteilnehmer gespannt auf die Einzelhandelsumsätze in den USA, um die wirtschaftlichen Auswirkungen der erhöhten Zinssätze zu bewerten. Parallel dazu werden führende Vertreter der US-Notenbank Federal Reserve in mehreren Statements ihre Einschätzungen zur wirtschaftlichen Lage präsentieren. Auch international stehen bedeutende Entscheidungen an: Die Zentralbanken der Schweiz, Norwegens und Australiens halten Sitzungen ab, ebenso die Bank of England. Nachfolgend finden Sie einen umfassenden Überblick über die wichtigsten Ereignisse und Daten, die in dieser Woche die Märkte bewegen werden.


1. US-Einzelhandelszahlen und Reden von Fed-Mitgliedern


Die kommenden Tage könnten entscheidende Hinweise darauf liefern, wohin sich die US-Wirtschaft bewegt. Investoren weltweit schauen gespannt auf die Einzelhandelsumsätze für Mai, die am Dienstag veröffentlicht werden. Diese Zahlen könnten nicht nur Aufschluss über die aktuelle wirtschaftliche Lage geben, sondern auch Hinweise auf den Zeitpunkt möglicher Zinssenkungen der US-Notenbank (Fed) liefern. Erwartet wird ein moderater Anstieg um 0,3%, nachdem die Zahlen im April enttäuschten.


Der Einzelhandel ist ein Schlüsselindikator für die Konsumkraft der Amerikaner und damit ein wesentlicher Faktor für die Bewertung der wirtschaftlichen Gesundheit durch die Wall Street. Angesichts der gestiegenen Zinssätze ist es von zentraler Bedeutung, wie sich die Verbraucherausgaben entwickeln.

In den letzten Wochen signalisierte die Fed, dass sie weitere Beweise für ein Nachlassen der Inflation sehen müsse, bevor sie bereit sei, die Kreditkosten zu senken.


Doch nicht nur die Einzelhandelszahlen könnten die Märkte bewegen. In dieser Woche stehen mehrere Reden prominenter Fed-Mitglieder auf dem Programm. So werden unter anderem der Präsident der New Yorker Fed, John Williams, der Präsident der Minneapolis Fed, Neel Kashkari, die Leiterin der San Francisco Fed, Mary Daly, und der Leiter der Richmond Fed, Thomas Barkin, ihre Einschätzungen zur aktuellen wirtschaftlichen Lage und zur Geldpolitik abgeben.


2. Datenflut aus China


Eine Welle von Wirtschaftsdaten aus China könnte in dieser Woche die globalen Märkte bewegen. Anleger und Analysten blicken gespannt auf die neuen Zahlen, die Hinweise auf die Erholung der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt liefern sollen. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei dem angeschlagenen Immobiliensektor, der die wirtschaftlichen Aussichten des Landes nach wie vor belastet.


Am Montag stehen die neuesten Immobilienpreisdaten im Fokus. Dieser Datenpunkt ist besonders interessant, handelt es sich doch um den ersten seit den als "historisch" bezeichneten Maßnahmen Pekings zur Stabilisierung des Immobilienmarktes. Die Erwartungen sind hoch, dass die neuen Zahlen endlich positive Impulse liefern könnten.


Doch die Immobilienpreise sind nicht das einzige Thema, das die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Im Laufe der Woche folgen weitere wichtige Indikatoren: Daten zur Industrieproduktion, zur städtischen Arbeitslosenquote und zu den Einzelhandelsumsätzen für den Monat Mai. Besonders die Einzelhandelsumsätze werden mit Spannung erwartet, nachdem die April-Zahlen enttäuschten.


Die bisherigen Daten unterstreichen jedoch die Notwendigkeit zusätzlicher Stimulierungsmaßnahmen. Am Donnerstag wird die Entscheidung über die Kreditzinsen erwartet. Experten prognostizieren, dass die politischen Entscheidungsträger weitere Maßnahmen ergreifen könnten, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln und die Abwärtsrisiken zu mindern.


Ein weiteres besorgniserregendes Thema sind die Handelsbeziehungen. Die jüngste Ankündigung Europas, zusätzliche Zölle auf chinesische Elektrofahrzeugimporte zu erheben, könnte die ohnehin angespannte Lage weiter verschärfen.


3. Sitzung der Bank of England


Inmitten eines angespannten politischen Klimas und bevorstehender Wahlen bereitet sich die Bank of England (BoE) auf ihre nächste Sitzung zur Festlegung der Geldpolitik vor. Die Erwartungen sind hoch, doch es zeichnet sich ab, dass die Hoffnungen der regierenden konservativen Partei auf eine baldige Zinssenkung zunichte gemacht werden könnten. Am Donnerstag wird die BoE ihre Entscheidung verkünden, und die Märkte haben bereits ihre Schlüsse gezogen: Eine Lockerung der Geldpolitik dürfte länger auf sich warten lassen.


Die aktuelle wirtschaftliche Situation im Vereinigten Königreich ist komplex. Die Inflation bleibt hartnäckig, insbesondere im Bereich der Löhne und Dienstleistungen. Dies stellt die BoE vor die Herausforderung, einen Balanceakt zwischen Preisstabilität und wirtschaftlichem Wachstum zu vollführen. Die Wahrscheinlichkeit, dass es im August zu einer Zinssenkung um einen Viertelpunkt kommt, wird auf lediglich 40 % geschätzt. Für den September steigen die Chancen auf 70 %, aber diese Prognosen sind mit Vorsicht zu genießen. Zu groß ist die Unsicherheit angesichts der widersprüchlichen Wirtschaftsdaten.


Einen Tag vor der entscheidenden Sitzung wird das Vereinigte Königreich die Inflationsdaten für den Monat Mai veröffentlichen. Diese Zahlen könnten ein entscheidender Indikator für die zukünftige Geldpolitik der BoE sein. Erstmals seit fast drei Jahren wird erwartet, dass der Verbraucherpreisindex unter das Ziel von 2 % fällt. Doch es gibt einen Haken: Die Kerninflation bleibt voraussichtlich über der Marke von 3 %. Dies ist ein Zeichen dafür, dass die zugrunde liegenden Preistreiber weiterhin bestehen.


Die bevorstehenden Wahlen am 4. Juli werfen ihren Schatten voraus. Die Regierung hat ein starkes Interesse daran, die wirtschaftliche Lage zu stabilisieren und den Wählern positive Signale zu senden. Doch die BoE wird sich wohl nicht von politischen Überlegungen leiten lassen und eine abwartende Haltung einnehmen.


Am gleichen Tag wie die BoE halten auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) und die norwegische Zentralbank ihre Sitzungen ab. Die SNB hat bereits im März Zinssenkungen eingeleitet und könnte diesen Kurs fortsetzen, wenn auch die Marktteilnehmer die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Senkung auf 50 % einschätzen. In Norwegen wird hingegen keine Änderung erwartet. Auch die australische Zentralbank trifft sich in dieser Woche, doch eine Entscheidung zur Lockerung der Geldpolitik wird erst später erwartet.


4. Eurozone


Am kommenden Freitag stehen die aktuellen Einkaufsmanagerindizes (PMI) der Eurozone für den Juni auf der Agenda. Diese Indizes gelten als Frühindikatoren für die wirtschaftliche Aktivität und sind daher ein wichtiger Gradmesser für den Zustand der Wirtschaft in der Eurozone. Marktbeobachter und Investoren sind gespannt, ob die Zahlen Hinweise darauf liefern, dass die wirtschaftliche Erholung nach den Herausforderungen der letzten Jahre weiter an Fahrt gewinnt.


Die Veröffentlichung der PMIs wird von einer Woche geprägt, in der hochrangige Vertreter der Europäischen Zentralbank (EZB) ihre Einschätzungen zur wirtschaftlichen Lage und den geldpolitischen Ausrichtungen kundtun. Am Montag werden sowohl EZB-Präsidentin Christine Lagarde als auch Chefvolkswirt Philip Lane sprechen. Lagarde steht dabei besonders im Fokus, nachdem sie am vergangenen Freitag Fragen zu den jüngsten Turbulenzen an den französischen Finanzmärkten auswich und lediglich bekräftigte, dass die EZB ihr Inflationsziel einhalten werde. Auch Vizepräsident Luis de Guindos wird am Dienstag seine Perspektive darlegen.


Die Märkte in Frankreich, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone, stehen derzeit unter erheblichem Druck. Am vergangenen Freitag erlebten sie einen weiteren steilen Einbruch, da Anleger im Vorfeld der vorgezogenen Parlamentswahlen ihre Positionen reduzierten. Diese Wahlen könnten dem rechten Lager eine Mehrheit bescheren, was die Unsicherheiten an den Märkten zusätzlich befeuert.


Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire äußerte sich besorgt über die Entwicklungen und warnte eindringlich vor den Folgen eines Wahlsiegs der Rechten. Er betonte, dass die französische Wirtschaft von einer Finanzkrise bedroht sei, falls die politische Landschaft eine solche Wendung nehme.


5. Ölpreise


Brent und die US-Benchmark-Sorte WTI legten in der vergangenen Woche um nahezu 4 % zu und verzeichneten damit den höchsten prozentualen Wochenanstieg seit April, der durch die Prognosen für eine solide Nachfrage nach Rohöl und Kraftstoff im Jahr 2024 begünstigt wurde.


Die US-amerikanische Energieinformationsbehörde EIA hob ihre Schätzungen für die Ölnachfrage für 2024 leicht an, die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) blieb bei ihrer Prognose eines relativ starken Wachstums von 2,2 Millionen Barrel pro Tag (bpd).


Die Internationale Energieagentur (IEA) hat ihre Prognose für das Nachfragewachstum hingegen auf unter 1 Mio. bpd gesenkt.


Alle drei Prognosen erwarten jedoch ein Angebotsdefizit mindestens bis zum Winteranfang, so die Analysten der Commerzbank (ETR:CBKG).


"Angesichts der nach wie vor unsicheren Konjunkturaussichten in den großen Wirtschaftsregionen ist jedoch vorerst nicht mit einem weiteren Preisanstieg zu rechnen", kommentierte die Commerzbank-Analystin Barbara Lambrecht.

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