TradingKey – Nachbörslich am 11. August ET legte der KI-Serverhersteller Super Micro Computer (SMCI) seine Ergebnisse für das vierte Geschäftsquartal vor. Der Quartalsumsatz erreichte 11,12 Milliarden US-Dollar und lag damit leicht unter den Analystenerwartungen von 11,55 Milliarden US-Dollar. Dennoch schnellte der Aktienkurs nachbörslich zeitweise um über 10 % nach oben und schloss mit einem Plus von 7,56 %. Bei Redaktionsschluss lag die Aktie im übernachtlichen Handel weiterhin um 7,75 % im Plus bei 34,05 US-Dollar.

[Quelle: TradingView]
Dass der Markt über die Umsatzverfehlung hinwegsah, lag an einer kräftigen Erholung der Bruttomarge. Die bereinigte Bruttomarge (Non-GAAP) für das Quartal erholte sich deutlich auf 17,6 % und erfüllte damit offiziell die im Juli geäußerte optimistische Erwartung, dass „sich die Bruttomarge von einem Tiefstand von rund 8 % deutlich auf 15 % bis 17 % erholen würde“. Diese solide Kennzahl räumte die tiefen Zweifel am Markt gründlich aus, dass das Unternehmen „in einem Teufelskreis aus Preiskampf gefangen sei und seine Bruttomarge nicht mehr steigern könne“.
Gründer und CEO Charles Liang betonte, dass die Verbesserung der Bruttomarge hauptsächlich auf einen höheren Anteil an Unternehmenskunden sowie eine stärkere Nutzung von DCBBS-Lösungen zurückzuführen sei, was beides die Preissetzungsmacht des Unternehmens gestärkt habe.
CFO David Weigand erläuterte zudem, dass etwa 75 % der Verbesserung gegenüber dem Vorquartal auf eine Optimierung des Produktmixes zurückzuführen seien, während der Rest durch einmalige positive Faktoren wie geringere Zollkosten und Bestandsanpassungen getrieben wurde.
Auf der Umsatzseite gab es dennoch Schwachstellen. Das Management erklärte, dass einige Kunden Lieferungen aufgrund von Problemen bei Stromversorgung, Kühlsystemen und Netzwerkinfrastruktur verzögert hätten. Dabei handle es sich jedoch um kurzfristige Störungen und nicht um eine nachlassende Nachfrage; die verzögerten Umsätze dürften in den folgenden Quartalen verbucht werden.
Was das Marktvertrauen wirklich stärkte, waren die Auftragsdaten. In der Mitteilung zu den Quartalszahlen erklärte Liang, dass das Unternehmen im vergangenen Jahr Hunderte neuer Unternehmenskunden hinzugewonnen habe und die Neuaufträge im vierten Quartal 60 Milliarden US-Dollar überstiegen, was den Auftragsbestand auf ein Rekordhoch trieb. Dies zeigt, dass die Kundennachfrage trotz des leicht unter den Erwartungen liegenden Quartalsumsatzes nicht nachgelassen hat und Lieferverzögerungen ein kurzfristiges Thema bleiben.
Während die Erholung der Bruttomarge den Markt bereits überraschte, fiel die Prognose für das nächste Quartal noch beeindruckender aus. Das Unternehmen rechnet für das erste Geschäftsquartal mit einem Nettoumsatz von 14,5 bis 15,5 Milliarden US-Dollar bei einem Mittelwert von 15,0 Milliarden US-Dollar, was rund 25 % über der durchschnittlichen Analystenerwartung von 11,99 Milliarden US-Dollar liegt. Das bereinigte Ergebnis je Aktie wird auf 1,01 bis 1,10 US-Dollar geschätzt, wobei der Mittelwert etwa 43 % über der durchschnittlichen Schätzung der Analysten liegt. Für das gesamte Geschäftsjahr 2027 wird ein Umsatz zwischen 65 und 72 Milliarden US-Dollar erwartet – weit über der aktuellen Konsenserwartung der Wall Street von rund 53 Milliarden US-Dollar.
Super Micro Computer wandelt sich vom reinen Streben nach Skalierung hin zu einem ausgewogenen Fokus auf Skalierung und Profitabilität. Allerdings beschleunigen Konkurrenten wie Dell (DELL), HP (HP) und AWS ebenfalls ihren Ausbau der KI-Infrastruktur. Vorerst bleiben Anleger, gemessen an der nachbörslichen Marktreaktion, hinsichtlich der langfristigen Nachfrage nach KI-Rechenleistung weiterhin optimistisch.