Der Gouverneur der Bank of England (BoE), Andrew Bailey, sagte am Freitag, dass geldpolitische Entscheidungsträger über einen gewissen Spielraum verfügen, wie schnell sie die Inflation wieder auf das Ziel zurückführen, betonte jedoch, dass die Rückkehr der Inflation zum Ziel weiterhin unerlässlich sei.
Bailey äußerte sich auch zur Kommunikation der Zentralbanken und sagte, dass der Vorsitzende der Federal Reserve (Fed), Kevin Warsh, zu Recht einige Gefahren im Zusammenhang mit Forward Guidance identifiziere. Der BoE-Gouverneur argumentierte, dass Zentralbanker es vermeiden sollten, bedingungslose Vorgaben zum künftigen Verlauf der Geldpolitik zu machen.
Seine Kommentare unterstreichen die Bedeutung, dass Zentralbanken angesichts sich verändernder Wirtschafts- und Inflationsbedingungen flexibel bleiben, anstatt sich im Voraus auf einen vorgegebenen geldpolitischen Pfad festzulegen.
Auf der fiskalischen Seite betonte Bailey zudem, dass hohe Schuldenstände die sehr erheblichen Herausforderungen widerspiegeln, vor denen Regierungen stehen. Er fügte hinzu, dass die hohe Verschuldung auch den Druck an den Anleihemärkten erhöht.
Das Britische Pfund (GBP) zeigte auf Baileys Kommentare kaum Reaktion. GBP/USD notiert zum Zeitpunkt der Veröffentlichung am Freitag bei rund 1,3525 und damit im Tagesverlauf nahezu unverändert.
Die Bank of England (BoE) legt die Geldpolitik Großbritanniens fest. Ihr Hauptziel ist die Preisstabilität mit einer Inflationsrate von 2 %. Änderungen des Leitzinses wirken sich unmittelbar auf den Wert des britischen Pfunds aus.
Wenn die Inflation das Ziel der Bank of England übersteigt, reagiert sie mit Zinserhöhungen, was es für Privatpersonen und Unternehmen teurer macht, Kredite aufzunehmen. Dies ist positiv für das Pfund, da höhere Zinsen das Vereinigte Königreich für globale Investoren attraktiver machen.
In Krisenzeiten greift die Bank of England zu außergewöhnlichen Maßnahmen wie der sogenannten quantitativen Lockerung (Quantitative Easing, QE). Diese Politik wird angewandt, wenn Zinssenkungen nicht ausreichen, um das Finanzsystem wieder in Gang zu bringen. QE bedeutet, dass die Bank of England große Mengen an Geld druckt, um Vermögenswerte – in der Regel Staatsanleihen oder hoch bewertete Unternehmensanleihen – von Banken und anderen Finanzinstituten zu kaufen. Dies soll die Kreditvergabe ankurbeln, hat jedoch oft zur Folge, dass das Pfund Sterling an Wert verliert.
Die sogenannte Quantitative Straffung (QT) ist das Gegenstück zur quantitativen Lockerung (QE) und wird in Phasen einer erstarkenden Wirtschaft und steigender Inflation angewendet. Während die Bank of England im Rahmen von QE Staats- und Unternehmensanleihen erwirbt, um die Kreditvergabe anzukurbeln, stellt sie bei QT diese Käufe ein und reinvestiert fälliges Kapital aus bereits gehaltenen Anleihen nicht. QT gilt in der Regel als förderlich für die Stabilität des britischen Pfunds.