Wells Fargo Economics hält die Aufmerksamkeit rund um das Notenbanktreffen in Jackson Hole häufig für überzogen. In den vergangenen 14 Jahren habe es lediglich einige wenige Reden gegeben, die tatsächlich größere Auswirkungen hatten. Fed-Chef Warsh dürfte demnach darauf verzichten, seine kurzfristige geldpolitische Reaktionsfunktion genauer zu erläutern. Stattdessen könnte er das Symposium nutzen, um näher auf die Arbeit der eingesetzten Arbeitsgruppen, mögliche Optionen für die Bilanz und Fragen zum geldpolitischen Rahmen einzugehen. Konkrete Festlegungen dürfte er dabei vermeiden, um den Offenmarktausschuss (FOMC) nicht unnötig einzuengen.
„Wir waren schon immer der Ansicht, dass der Fed-Veranstaltung in Jackson Hole viel zu viel Aufmerksamkeit geschenkt wird. In den vergangenen rund anderthalb Jahrzehnten gab es lediglich zwei große Reden, die wir als wirklich richtungsweisend für den kurzfristigen geldpolitischen Kurs bezeichnen würden: Powells ‚Schmerz‘-Rede von 2022 und Bernankes Hinweis auf QE3 im Jahr 2012. Das war's.“
„Angesichts von Warshs Neigung, eher weniger als mehr sagen zu wollen, könnte man meinen, dass dies erneut ein Jahr wird, in dem kaum etwas passiert. Und mit Blick auf Jackson Hole tendieren wir grundsätzlich auch in diese Richtung. Ein Punkt lässt uns diesmal allerdings etwas stärker als üblich darüber nachdenken: der ‚Aufräum‘-Artikel, der nach der jüngsten Pressekonferenz des FOMC in der Financial Times erschienen ist.“
„Warsh hat bislang darauf verzichtet, seine kurzfristige Reaktionsfunktion offenzulegen. Wir gehen nicht davon aus, dass er diese Strategie bereits wenige Monate nach seinem Amtsantritt aufgeben wird. Hinzu kommt, dass der Ausschuss über das weitere Vorgehen klar gespalten ist und zwischen seiner Rede und der nächsten FOMC-Sitzung am 16. September noch eine weitere Runde von Inflations- und Arbeitsmarktdaten ansteht. Würde er seine Präferenz bereits jetzt offenlegen, bestünde die Gefahr, den Ausschuss einzuengen – genau das Problem, das er durch weniger konkrete Hinweise vermeiden will.“
„Angesichts seiner Äußerungen zu Jackson Hole auf der jüngsten FOMC-Pressekonferenz würde es uns nicht überraschen, wenn Warsh seine Rede dazu nutzt, einige der ‚großen Fragen‘ ausführlicher zu behandeln, mit denen sich seine Arbeitsgruppen beschäftigen und die den künftigen geldpolitischen Ansatz des FOMC prägen werden.“
„Allerdings dürfte er darauf achten, den Arbeitsgruppen nicht zu weit vorzugreifen und sich nicht auf konkrete Änderungen festzulegen. Wir erwarten außerdem, dass er betonen wird, funktionierende Strukturen bei der Fed beibehalten zu wollen, statt die Institution einfach vollständig umzukrempeln. Damit könnte er das Verhältnis zu den bestehenden FOMC-Mitgliedern verbessern und zugleich deren Unterstützung für die späteren Empfehlungen der Arbeitsgruppen gewinnen.“