40 Billionen Dollar Schulden: Ist das der wahre Grund für die Goldpreis-Rally?

Quelle Fxstreet

Der Goldpreis kennt im August bislang nur eine Richtung: nach oben. Mit rund 4.640 US-Dollar je Unze notiert Gold (XAU/USD) auf dem höchsten Stand seit drei Monaten. Allein im August summiert sich das Plus inzwischen auf rund 15 %. Wer die Rally jedoch nur mit der Aussicht auf niedrigere Zinsen erklärt, übersieht den entscheidenden Punkt.

Denn hinter dem steigenden Goldpreis steckt inzwischen deutlich mehr. Der US-Dollar schwächelt, die Sorgen über die amerikanische Staatsverschuldung nehmen zu, das US-Finanzministerium greift stärker in den Markt für Staatsanleihen ein und gleichzeitig kehren Anleger in Gold-ETFs zurück. Dazu kommen die seit Monaten anhaltenden Goldkäufe der Zentralbanken.

Für Anleger wird die Lage damit besonders spannend. Der Goldpreis nähert sich mit 4.659 US-Dollar einem wichtigen technischen Widerstand. Gelingt der Ausbruch, könnten schnell deutlich höhere Marken ins Visier geraten. Gleichzeitig steht mit dem Jackson-Hole-Symposium bereits der nächste große Belastungstest bevor.

Goldpreis Prognose
Goldpreis Prognose

Der Goldpreis steigt – und diesmal sind es nicht nur die Zinsen

Normalerweise lässt sich eine Gold-Rally recht einfach erklären. Sinken die Erwartungen an die Leitzinsen, wird Gold attraktiver. Schließlich wirft das Edelmetall selbst keine Zinsen ab. Je niedriger also die Renditen sicherer Anlagen ausfallen, desto geringer sind die Opportunitätskosten eines Gold-Investments.

Diesmal reicht diese Erklärung aber nicht aus.

Der Goldpreis steigt, obwohl die langfristigen Renditen von US-Staatsanleihen weiterhin auf einem hohen Niveau liegen. Genau das macht die aktuelle Entwicklung so bemerkenswert. Anleger kaufen Gold offenbar nicht mehr nur als Wette auf sinkende Zinsen, sondern zunehmend als Absicherung gegen Risiken, die viel tiefer liegen.

Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem die amerikanische Fiskalpolitik, die immer höhere Staatsverschuldung und die Frage, wie stabil der US-Dollar langfristig bleibt.

Für Gold ist das eine mächtige Kombination.

Der schwache Dollar gibt dem Goldpreis zusätzlichen Schub

Ein wichtiger Treiber der Rally bleibt der US-Dollar. Der Dollar-Index bewegt sich derzeit in der Nähe mehrmonatiger Tiefstände. Für den Goldpreis ist das grundsätzlich positiv, denn Gold wird international in US-Dollar gehandelt. Fällt die amerikanische Währung, wird das Edelmetall für Käufer aus anderen Währungsräumen günstiger.

Zusätzliche Aufmerksamkeit bekam zuletzt eine Ankündigung des US-Finanzministeriums. Das Volumen der Rückkäufe von US-Staatsanleihen soll auf 4 Mrd. US-Dollar je Auktion erhöht werden.

Eigentlich sollen diese Rückkäufe die Liquidität am Treasury-Markt verbessern und den Druck insbesondere auf länger laufende Staatsanleihen reduzieren. Am Markt löste die Nachricht jedoch zugleich neue Sorgen über die Stabilität des Finanzsystems und die amerikanische Fiskalpolitik aus.

Die Folge: Der Dollar geriet unter Druck, während knappe Vermögenswerte wie Gold und Bitcoin stärker gefragt waren.

Und genau hier liegt der Unterschied zur üblichen Gold-Story. Ein schwacher Dollar allein wäre noch nichts Besonderes. Doch gleichzeitig bleiben die Renditen von US-Staatsanleihen hoch, während die Sorgen über Schulden, Inflation und die langfristige Finanzierbarkeit der amerikanischen Defizite zunehmen.

Das gibt der Gold-Rally ein deutlich stabileres Fundament als die bloße Hoffnung auf Zinssenkungen.

Dieses Signal beim Goldpreis sollten Anleger nicht unterschätzen

Besonders auffällig ist, dass Gold inzwischen deutlich über 4.600 US-Dollar notiert, obwohl langfristige US-Staatsanleihen weiterhin mehr als 5 % Rendite bringen.

Normalerweise müsste genau das den Goldpreis bremsen.

Wer eine sichere Staatsanleihe mit hoher Verzinsung kaufen kann, hat eigentlich weniger Grund, Geld in einen Vermögenswert zu stecken, der weder Zinsen noch Dividenden zahlt. In klassischen Marktphasen sorgt ein Anstieg der Anleiherenditen deshalb häufig für Druck auf Gold.

Doch genau dieser Mechanismus funktioniert derzeit nicht.

Das spricht dafür, dass Gold am Markt momentan eine andere Rolle übernimmt. Das Edelmetall wird zunehmend wie eine Absicherung gegen Währungs- und Staatsrisiken behandelt und weniger wie ein rein zinssensitiver Rohstoff.

Wären die hohen Renditen aktuell der entscheidende Faktor, hätte die Rally längst an Kraft verlieren müssen. Das Gegenteil ist passiert.

Für Anleger ist das ein wichtiges Signal: Die Nachfrage nach Gold kommt momentan aus mehreren Richtungen gleichzeitig.

40 Billionen Dollar Schulden verändern die Gold-Story

Ein Grund dafür liegt in den amerikanischen Staatsfinanzen.

Die Verschuldung der USA nähert sich inzwischen der Marke von rund 40 Billionen US-Dollar. Gleichzeitig sorgen hohe Haushaltsdefizite dafür, dass Washington immer größere Summen über den Kapitalmarkt finanzieren muss.

Das bringt die Politik in eine schwierige Lage.

Je mehr Geld sich der Staat leiht, desto mehr neue Staatsanleihen müssen an den Markt gebracht werden. Ein größeres Angebot kann wiederum dazu führen, dass Anleger höhere Renditen verlangen. Besonders am langen Ende der Zinskurve kann das zusätzlichen Druck erzeugen.

Auf der anderen Seite versucht das US-Finanzministerium, den Markt mit Rückkaufprogrammen liquide und funktionsfähig zu halten.

Genau diese Mischung kann Anleger nervös machen. Denn wenn die Schulden weiter steigen und gleichzeitig immer stärker eingegriffen werden muss, wächst die Sorge vor einer schleichenden Verschlechterung der fiskalischen Lage und damit auch vor einem langfristigen Kaufkraftverlust des Dollars.

Gold profitiert genau von dieser Unsicherheit.

Das Edelmetall hat kein Gegenparteirisiko und hängt nicht direkt von der Zahlungsfähigkeit eines Staates ab. Je größer die Zweifel an der langfristigen Stabilität von Staatsfinanzen oder Währungen werden, desto attraktiver wird diese Eigenschaft.

Deshalb kann der Goldpreis steigen, obwohl die Renditen am Anleihemarkt hoch bleiben.

Neue Iran-Sanktionen stützen die Nachfrage nach Gold

Zusätzliche Unterstützung kommt von der geopolitischen Seite.

Neue Sanktionen gegen den Iran erhöhen erneut die Unsicherheit an den Märkten. In solchen Phasen suchen Anleger traditionell verstärkt nach sicheren Häfen – und Gold gehört dabei zu den ersten Adressen.

Gleichzeitig sind die Ölpreise zuletzt gesunken. Brent notiert bei rund 93 US-Dollar je Barrel, WTI bei 85,64 US-Dollar.

Für den Goldpreis ist das zunächst eine durchaus günstige Kombination.

Auf der einen Seite bleiben genügend geopolitische Risiken vorhanden, um die Nachfrage nach sicheren Anlagen hochzuhalten. Auf der anderen Seite verhindern die derzeit niedrigeren Ölpreise zumindest vorerst, dass die Sorgen vor einem erneuten massiven Inflationsschub eskalieren.

Denn stark steigende Energiepreise könnten für Gold durchaus zum Problem werden. Sie würden die Inflation wieder stärker anheizen und könnten damit höhere Renditen sowie einen festeren US-Dollar begünstigen.

Noch ist genau dieses Szenario aber nicht eingetreten.

Jetzt kommt Jackson Hole – und für Gold wird es ernst

Der nächste große Termin steht bereits unmittelbar bevor.

Vom 27. bis 29. August findet das Jackson Hole Economic Policy Symposium statt. Besonders interessant wird Donnerstag, der 28. August. Dann soll der neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh eine zentrale Rede halten.

Für den Goldpreis könnte dieser Auftritt richtungsweisend werden.

Die Fed steckt derzeit in einem schwierigen Umfeld. Die Inflation bleibt hartnäckig, gleichzeitig zeigt der Arbeitsmarkt Schwächesignale. Hinzu kommen hohe und teilweise weiter steigende langfristige Finanzierungskosten.

Aus dem Protokoll der Juli-Sitzung der US-Notenbank ging bereits hervor, dass innerhalb der Fed keine vollständige Einigkeit über den weiteren Kurs herrschte. Gleichzeitig erschwert der schwächere Arbeitsmarkt weitere Zinserhöhungen.

Genau deshalb werden Anleger jedes Wort von Warsh auf die Goldwaage legen.

Signalisiert die Fed Geduld und lässt erkennen, dass sie die Geldpolitik vorerst nicht weiter verschärfen will, könnte das den Dollar weiter belasten. Für den Goldpreis wäre das eine zusätzliche Unterstützung.

Fällt Warsh dagegen deutlich restriktiver aus und rückt die Inflationsbekämpfung wieder stärker in den Vordergrund, könnten US-Dollar und Anleiherenditen anziehen. Nach der starken August-Rally wäre dann auch eine Korrektur beim Goldpreis möglich.

Jackson Hole wird damit zum ersten echten Härtetest nach dem jüngsten Kursschub.

Ein weiterer Gold-Treiber kehrt zurück

Auch bei den Gold-ETFs verbessert sich das Bild.

Weltweit flossen im Juli rund 3 Mrd. US-Dollar in physisch besicherte Gold-ETFs. Zuvor hatte es zwei Monate in Folge Abflüsse gegeben. Besonders Anleger aus Asien und Europa traten wieder stärker als Käufer auf.

Das ist wichtiger, als es auf den ersten Blick klingt.

ETF-Verkäufe gehörten im zweiten Quartal noch zu den Belastungsfaktoren für den Goldpreis. Wenn aus diesem Gegenwind nun Rückenwind wird, entsteht eine zusätzliche Nachfragequelle.

Der World Gold Council sieht die Investmentnachfrage als einen der wichtigsten Wachstumstreiber für Gold im weiteren Verlauf des Jahres 2026. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage im außerbörslichen Handel robust, während auch aus Asien weiterhin Interesse besteht.

Damit unterscheidet sich die aktuelle Rally von einer Bewegung, die lediglich durch das Eindecken zuvor eingegangener Short-Positionen ausgelöst wird.

Hinter dem Anstieg steht echte Nachfrage.

Zentralbanken kaufen weiter – und das ist für Gold entscheidend

Noch wichtiger könnte langfristig allerdings die Nachfrage der Zentralbanken sein.

Notenbanken stocken ihre Goldreserven weiter auf. Der Grund dafür ist relativ einfach: Gold besitzt kein Gegenparteirisiko und ist nicht unmittelbar an die Fiskal- und Geldpolitik eines anderen Landes gebunden.

Gerade wenn Zweifel an der Stabilität des Dollars oder an der Entwicklung der amerikanischen Staatsverschuldung zunehmen, gewinnt dieser Vorteil an Bedeutung.

Für den Goldpreis ist diese Nachfrage besonders wertvoll, weil Zentralbanken normalerweise nicht wegen kleiner kurzfristiger Kursbewegungen kaufen oder verkaufen.

Sie verfolgen strategische Ziele.

Das unterscheidet sie deutlich von kurzfristig orientierten Anlegern. Während Spekulanten bei einem Kursrückgang schnell Positionen abbauen können, reagieren Zentralbanken häufig wesentlich weniger sensibel auf den Preis.

Dadurch entsteht eine strukturelle Nachfrage, die dem Goldpreis einen gewissen Boden geben kann.

Goldpreis vor dem Ausbruch: Jetzt zählt die Marke von 4.659 Dollar

Auch technisch bleibt die Lage eindeutig bullish.

Im Vier-Stunden-Chart notiert der Goldpreis bei rund 4.642 US-Dollar. Zuvor wurden sowohl die Marke bei 4.513,59 US-Dollar als auch die Widerstandszone bei 4.594,92 US-Dollar überwunden.

Das Chartbild zeigt weiterhin höhere Hochs und höhere Tiefs. Solange diese Struktur bestehen bleibt, spricht sie für einen intakten Aufwärtstrend.

Jetzt kommt es allerdings auf eine wichtige Marke an.

Bei 4.659,22 US-Dollar wartet der nächste Widerstand. Gleichzeitig befindet sich dort in etwa die obere Begrenzung des aktuellen Aufwärtskanals.

Gelingt dem Goldpreis ein überzeugender Ausbruch über diesen Bereich, wäre das ein weiteres starkes technisches Signal. Dann könnten zunächst 4.753,78 US-Dollar und anschließend 4.833,21 US-Dollar in den Fokus rücken.

Allerdings wird die Luft dünner.

Der Relative-Stärke-Index, kurz RSI, liegt inzwischen bei 73. Werte oberhalb von 70 gelten in der technischen Analyse häufig als überkauft.

Das heißt nicht, dass Gold jetzt zwangsläufig fallen muss. Gerade in starken Trends kann ein Markt längere Zeit überkauft bleiben. Nach einem Anstieg von rund 15 % innerhalb eines Monats steigt aber das Risiko einer kurzfristigen Konsolidierung oder eines Rücksetzers.

Für die Bullen wäre entscheidend, was anschließend passiert.

Werden niedrigere Kurse sofort wieder gekauft, wäre das ein weiteres Zeichen dafür, dass die Nachfrage unter der Oberfläche weiterhin stark ist. Bricht dagegen die Struktur aus höheren Tiefs, wäre erstmals größere Vorsicht angebracht.

Mein Fazit zum Goldpreis

Der Goldpreis hat sich im August beeindruckend entwickelt. Noch interessanter als das Plus von rund 15 % ist allerdings der Grund dafür.

Gold steigt nicht einfach deshalb, weil Anleger auf niedrigere Zinsen hoffen. Das Edelmetall profitiert inzwischen von einer ganzen Reihe von Faktoren: einem schwachen US-Dollar, der wachsenden US-Staatsverschuldung, Unsicherheit am Treasury-Markt, wieder steigender ETF-Nachfrage, geopolitischen Risiken und den anhaltenden Käufen der Zentralbanken.

Besonders aussagekräftig ist für mich, dass Gold selbst bei langfristigen US-Renditen von mehr als 5 % weiter steigt. Genau das zeigt, dass der Markt Gold derzeit zunehmend als Absicherung gegen Währungs- und Staatsrisiken betrachtet.

Kurzfristig sollte man die Risiken trotzdem nicht ignorieren. Nach 15 % Kursplus im August und einem RSI von 73 ist der Goldpreis technisch heiß gelaufen.

Die entscheidende Marke liegt jetzt bei 4.659 US-Dollar. Wird sie nachhaltig überwunden, könnten 4.754 US-Dollar und später 4.833 US-Dollar die nächsten Ziele werden. Scheitert Gold dagegen am Widerstand und überrascht Kevin Warsh in Jackson Hole mit deutlich restriktiveren Aussagen, wäre eine Verschnaufpause nach der steilen Rally alles andere als ungewöhnlich.

Genau deshalb werden die kommenden Tage für den Goldpreis so spannend: Die langfristige Story ist stärker geworden. Jetzt muss der Chart zeigen, ob die Käufer auch auf diesem hohen Niveau noch genug Kraft für den nächsten Ausbruch haben.

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