Die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank of England (BoE) agieren zwar in unterschiedlichen Volkswirtschaften, doch die Sitzungen dieser Woche vermittelten eine auffallend ähnliche Botschaft: Die Inflationsrisiken kehren zurück, während das Wachstum an Schwung verliert, was die Vorstellung stützt, dass hinter den Kulissen ein stagflationäres Szenario entstehen könnte.
Beide Zentralbanken beließen die Zinssätze unverändert, was dem breiten Konsens entsprach, doch der Tonfall unter diesen Entscheidungen offenbarte eine komplexere Realität. Tatsächlich steuern die Zinspolitiker nicht mehr nur die Disinflation; sie sehen sich nun einem erneuten Inflationsimpuls gegenüber, der größtenteils von Energiepreisen getrieben wird, und das zu einer Zeit, in der ihre Volkswirtschaften zu verlangsamen beginnen.
Diese Kombination ist unangenehm und zunehmend vertraut.
Bei der EZB räumte Christine Lagarde ein, dass höhere Energiepreise die Inflation kurzfristig deutlich über dem Ziel halten werden, während sie zugleich warnte, dass die Risiken für das Wachstum nach unten gerichtet sind. Zudem schwächt sich das Geschäftsklima ab, die Lieferketten geraten unter Druck, und der weitere Ausblick ist hochgradig unsicher.
Jenseits des Ärmelkanals schlug Andrew Bailey einen ähnlich vorsichtigen Ton an, jedoch mit einer deutlicheren Note. Die „Old Lady“ ging weiter und hob das Risiko hervor, dass Inflation sich verfestigen könnte, insbesondere durch sogenannte Zweitrundeneffekte auf Löhne und Preise. Diese Sorge spiegelte sich nicht nur in der Wortwahl wider, sondern auch in der Abstimmungsverteilung (8-1), wobei ein Entscheidungsträger bereits eine Zinserhöhung forderte (Huw Pill).
In beiden Fällen ist die Ursache des Problems weitgehend dieselbe: Der Anstieg der Energiepreise, verstärkt durch geopolitische Spannungen im Nahen Osten, treibt die Inflation erneut nach oben. Doch anders als bei früheren Inflationswellen trifft diese nun auf einen Zeitpunkt, an dem die Binnennachfrage nachlässt und das Wachstum unter Druck steht.
Das lässt den Zentralbanken nur wenig Spielraum.
Weder die EZB noch die BoE sind bereit, die Geldpolitik angesichts einer sich abschwächenden Wirtschaft aggressiv zu straffen. Gleichzeitig sind beide nicht gewillt, zu lockern. Tatsächlich machte die BoE deutlich, dass ein Teil ihrer Strategie nun darin besteht, die Zinssätze nicht wie zuvor erwartet zu senken, und verschärft damit die finanziellen Bedingungen eher durch Erwartungen als durch tatsächliche Maßnahmen.
Die EZB verfolgt ihrerseits einen vorsichtigeren Ansatz, betont Flexibilität und weigert sich, sich auf einen bestimmten Zinsverlauf festzulegen. Doch die zugrunde liegende Botschaft ist ähnlich: Die Entscheidungsträger warten, beobachten und hoffen, dass sich der aktuelle Inflationsschock nicht ausweitet.
Die EZB und die BoE stehen vor demselben Dilemma, und keine von beiden hat eine klare Lösung. Die Inflation steigt wieder, das Wachstum schwächt sich ab, und die Energiepreise treiben beide Seiten der Gleichung an.
Vorerst halten sich beide Banken vorsichtig zurück. Doch sollte sich die Inflation als hartnäckiger erweisen oder sollten Zweitrundeneffekte greifen, könnte diese Haltung schnell auf die Probe gestellt werden.