Bitcoin vor dem nächsten Kursrutsch? KI-Aktien und Fed erhöhen den Druck

Quelle Fxstreet

Bitcoin (BTC) bewegt sich zunehmend im Gleichschritt mit den Aktienmärkten. Nach Einschätzung des Krypto-Handelsunternehmens Wintermute könnte diese Entwicklung die Kryptowährung besonders anfällig für weitere Verluste machen. Vor allem die anhaltenden Inflationssorgen und der hohe Einsatz von Fremdkapital bei Technologieaktien bergen das Risiko, einen breiteren Ausverkauf bei risikobehafteten Anlagen zusätzlich zu verstärken.

Bitcoin unter Druck: Schwache KI-Aktien erhöhen das Risiko weiterer Verluste

In seinem am Dienstag veröffentlichten Marktbericht warnte Wintermute davor, dass die zunehmende Korrelation zwischen Bitcoin und Aktien aus dem Bereich künstlicher Intelligenz (KI) die Kryptowährung bei einem stärkeren Börsenrückgang zusätzlich belasten könnte.

Die Entwicklung an den Aktienmärkten spielt nach Einschätzung des Unternehmens inzwischen eine entscheidende Rolle für die weitere Kursrichtung von Bitcoin. Hintergrund ist die immer engere Verflechtung von privatem Haushaltsvermögen, kreditfinanzierten Anlagen und institutionellen Kapitalströmen mit dem Technologiesektor.

„Bitcoin stieg am Mittwoch zusammen mit der Erholung der KI-Aktien und fiel am Donnerstag im Zuge des Ausverkaufs bei Halbleiterwerten. Damit ist klar, dass sich Bitcoin inzwischen stark an der allgemeinen makroökonomischen Entwicklung orientiert“, schrieb Wintermute.

Das auf die Bereitstellung von Marktliquidität spezialisierte Handelshaus erklärte zudem, dass das Aufwärtspotenzial von Bitcoin zunehmend von den Investitionen privater Anleger, den Vermögenseffekten steigender Aktienkurse und den Kapitalströmen in börsengehandelte Fonds (ETFs) abhängt. Dadurch reagiert die Kryptowährung immer empfindlicher auf Veränderungen der allgemeinen Marktstimmung.

Fed-Zinsentscheid und US-Inflationsdaten rücken in den Fokus

Als nächste wichtige Impulsgeber für Bitcoin und andere risikobehaftete Anlagen nennt Wintermute die Zinsentscheidung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank (FOMC) am Mittwoch sowie die Veröffentlichung der PCE-Inflationsdaten am Donnerstag. Letztere messen die Preisentwicklung der privaten Konsumausgaben in den USA.

Laut dem FedWatch-Instrument der CME Group rechnen die Marktteilnehmer mit einer Wahrscheinlichkeit von 92,8 Prozent damit, dass die Fed ihre Leitzinsen unverändert lässt. Entscheidend dürfte allerdings sein, ob die Währungshüter eine mögliche Zinserhöhung im Dezember signalisieren. Angesichts von Ölpreisen oberhalb von 100 US-Dollar nehmen die Inflationsrisiken zu, wie Wintermute betont.

Sollten die Aussagen der Fed die Erwartungen einer Zinserhöhung im Dezember verstärken, könnten die Anleiherenditen steigen und Bitcoin erneut unter Druck geraten. Besonders gefährdet wäre dann die wichtige Unterstützung bei 80.000 US-Dollar. Lässt die Notenbank die Entscheidung für Dezember dagegen ausdrücklich offen, könnte sich der Bitcoin-Kurs wieder in Richtung 82.500 US-Dollar erholen.

Wintermute warnt zudem vor einer schwierigen Konstellation: Sollte die Fed zunächst auf eine Zinserhöhung verzichten und zugleich einen eher lockeren geldpolitischen Kurs signalisieren, könnten überraschend hohe PCE-Inflationsdaten am Donnerstag dennoch einen neuen Ausverkauf auslösen. Dieser dürfte nach Einschätzung des Unternehmens vor allem bei KI-Aktien beginnen und anschließend auf den Kryptomarkt übergreifen.

Bis mehr Klarheit herrscht, bleibt Wintermute deshalb vorsichtig. Voraussetzung für eine positivere Einschätzung wäre, dass die Fed-Sitzung ohne größere Überraschungen verläuft und Bitcoin die Marke von 82.500 US-Dollar zurückerobert.

Anthropic-Börsengang und US-Wahlen sorgen für zusätzliche Unsicherheit

Neben der Geldpolitik der Fed sehen die Analysten des Forschungsunternehmens K33 weitere mögliche Belastungsfaktoren. Dazu zählen die amerikanischen Zwischenwahlen am 3. November und der geplante Börsengang des KI-Unternehmens Anthropic. In einem am Dienstag veröffentlichten Bericht erklärte K33-Chefanalyst Vetle Lunde, dass der Ausgang der Wahlen die Aussichten für die Regulierung von Kryptowährungen beeinflussen könnte. Bereits die Unsicherheit über das Wahlergebnis könnte die Marktstimmung belasten.

„Beide möglichen Wahlausgänge dürften die Kursentwicklung von Bitcoin beeinflussen. Doch schon die Unsicherheit über das Ergebnis könnte ausreichen, um die Wertentwicklung der Kryptowährung zu dämpfen“, schrieb Lunde.

Zusätzlich warnt K33 vor möglichen Kapitalumschichtungen im Zusammenhang mit dem erwarteten Anthropic-Börsengang im Umfang von 100 Milliarden US-Dollar. Anleger könnten Bitcoin verkaufen, um Kapital für die Beteiligung an der Aktienemission freizumachen. Als möglichen Präzedenzfall verweist das Unternehmen auf den Börsengang von SpaceX, bei dem 75 Milliarden US-Dollar eingesammelt wurden. In den 23 Tagen zwischen der Einreichung der Börsenunterlagen und dem eigentlichen Börsendebüt fiel Bitcoin damals von 77.000 auf 63.000 US-Dollar. Gleichzeitig verzeichneten börsengehandelte Bitcoin-Anlageprodukte (ETPs) erhebliche Kapitalabflüsse.

Unabhängig davon sieht K33 in der ungewöhnlich geringen Handelsaktivität ein weiteres Risiko für stärkere Kursschwankungen. Die über 30 Tage gemessene Bitcoin-Volatilität ist auf das zweite Perzentil aller seit 2020 erfassten Werte gefallen. Damit lag sie lediglich in zwei Prozent der Beobachtungen auf einem noch niedrigeren Niveau. Auch die Schwankungsintensität des offenen Kontraktvolumens bei unbefristeten Terminkontrakten ist mit 1,3 Prozent außergewöhnlich gering. Der Wert zählt zu den niedrigsten seit Juni 2021.

30-Tage-Volatilität des nominalen offenen Kontraktvolumens bei unbefristeten Futures im Vergleich zu BTC/USD | Quelle: K33

Nach Einschätzung der Analysten können solche längeren Phasen geringer Kursschwankungen dazu führen, dass Marktteilnehmer ihre gehebelten Positionen schrittweise ausbauen. Kommt es anschließend zu einer stärkeren Kursbewegung, könnten Händler gezwungen sein, ihre Positionen aufzulösen. Das wiederum könnte die Schwankungen am Kryptomarkt erheblich verstärken.

Bitcoin notiert zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bei 80.670 US-Dollar und liegt damit auf Sicht der vergangenen 24 Stunden rund ein Prozent im Plus.

Haftungsausschluss: Nur zu Informationszwecken. Die bisherige Performance ist kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse.
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