Bitcoin mit 300.000 Dollar-Ziel: Das steckt dahinter

Quelle Fxstreet

Bitcoin könnte nach Einschätzung der Analysten von Bernstein vor dem nächsten großen Kursschub stehen. Das Kursziel hat es in sich: Bis 2029 hält das Analysehaus einen Bitcoin-Preis von 300.000 US-Dollar für möglich. Schon deutlich früher könnte ein neues Rekordhoch fallen.

Hinter der Prognose steckt allerdings nicht einfach die Hoffnung auf den nächsten Krypto-Hype. Bernstein verbindet den klassischen Bitcoin-Zyklus mit einem wesentlich größeren makroökonomischen Thema: steigenden Staatsschulden, höheren Zinskosten und der langfristigen Entwertung von Währungen.

Analyst Gautam Chhugani bezeichnet Bitcoin deshalb als einen der wichtigsten Profiteure des sogenannten „Debasement Trade“.

„Auf Basis unseres Preis-Grenzkosten-Modells erwarten wir den nächsten Markthöhepunkt bei 300.000 US-Dollar im Kalenderjahr 2029. Zuvor dürfte sich der Markt bis Mitte 2027 auf ein neues Allzeithoch von 150.000 US-Dollar erholen“, schrieb Chhugani in einer Mitteilung an Kunden.

Damit zeichnet Bernstein einen erstaunlich konkreten Fahrplan für Bitcoin: erst 150.000 US-Dollar, später 300.000 US-Dollar.

Doch warum sollten Anleger der Kryptowährung überhaupt noch einmal eine solche Rally zutrauen?

Bitcoin trifft auf ein gewaltiges Schuldenproblem

Ein wichtiger Teil der Bitcoin-Prognose hat zunächst wenig mit Kryptowährungen zu tun.

Bernstein geht davon aus, dass eine rund 40 Jahre dauernde Ära zu Ende gegangen ist. Über Jahrzehnte profitierten Staaten, Unternehmen und Anleger von tendenziell sinkenden Zinsen. Schulden ließen sich immer günstiger refinanzieren.

Dieses Umfeld könnte vorbei sein.

Das Problem dabei: Die weltweiten Staatsschulden befinden sich gleichzeitig auf historisch hohen Niveaus. Bleiben die Zinsen höher als in den vergangenen Jahrzehnten, steigen auch die Kosten für diese Schulden.

Genau daraus kann nach Einschätzung von Bernstein ein unangenehmer Kreislauf entstehen.

Höhere Renditen bedeuten höhere Zinsausgaben. Dadurch wachsen die Haushaltsdefizite. Um diese Defizite zu finanzieren, müssen Staaten noch mehr Geld aufnehmen. Das wiederum kann den Finanzierungsbedarf weiter erhöhen.

Für Anleger ist das deshalb entscheidend, weil Regierungen irgendwann reagieren müssen.

Bernstein sieht dabei grundsätzlich zwei Möglichkeiten: fiskalischer Druck oder eine stärkere Entwertung der Währung.

Die Analysten glauben, dass sich Politiker im Zweifel eher für Letzteres entscheiden würden.

„Wenn die Wahl zwischen fiskalischem Stress und Währungsentwertung besteht, glauben wir, dass sich die politischen Entscheidungsträger letztlich für Letzteres entscheiden werden, da dies politisch weniger disruptiv ist“, erklärte Bernstein.

Und genau hier beginnt die eigentliche Bitcoin-These.

Warum Bitcoin davon profitieren könnte

Wird Geld langfristig entwertet, gewinnen Vermögenswerte an Bedeutung, deren Angebot nicht beliebig erhöht werden kann.

Genau deshalb spielt Gold in solchen Szenarien traditionell eine wichtige Rolle. Bernstein sieht inzwischen aber auch Bitcoin als einen führenden knappen Vermögenswert.

Das Argument ist relativ einfach.

Das maximale Angebot von Bitcoin ist begrenzt. Gleichzeitig kann keine Zentralbank und keine Regierung beschließen, plötzlich deutlich mehr Bitcoin zu schaffen.

Bei klassischen Währungen sieht das anders aus.

Wenn Anleger also zunehmend nach Vermögenswerten suchen, die sich nicht einfach verwässern lassen, könnte Bitcoin davon profitieren.

Das allein erklärt allerdings noch keine 300.000 US-Dollar.

Bernstein verweist deshalb auf einen zweiten Punkt, der für den Bitcoin-Kurs entscheidend werden könnte: Ein großer Teil der vorhandenen Coins befindet sich offenbar in ausgesprochen festen Händen.

Nach Einschätzung der Analysten werden rund 60 % des Bitcoin-Kapitals von Anlegern gehalten, die selbst bei Kursverlusten von mehr als 50 % kaum auf Preisbewegungen reagieren.

Das ist bemerkenswert.

Bitcoin hat in seiner Geschichte mehrfach extreme Einbrüche erlebt. Wenn trotzdem ein großer Teil der Besitzer nicht verkauft, steht dieser Bestand dem Markt faktisch nur eingeschränkt zur Verfügung.

Kommt dann neue Nachfrage hinzu, kann genau diese Angebotsknappheit zu starken Kursbewegungen führen.

Bitcoin bekommt immer mehr institutionelle Käufer

Und diese neue Nachfrage könnte kommen.

Bernstein verweist darauf, dass sich die Zugangswege zu Bitcoin sowohl für institutionelle als auch für private Anleger kontinuierlich erweitern.

Das verändert den Markt.

Bitcoin war lange ein Vermögenswert, bei dem Anleger vergleichsweise hohe technische Hürden überwinden mussten. Kauf, Verwahrung und Handel waren deutlich komplizierter als bei klassischen Wertpapieren.

Diese Barrieren werden zunehmend kleiner.

Damit wächst auch die Zahl potenzieller Käufer, die Bitcoin überhaupt in ihr Portfolio aufnehmen können.

Gerade für den langfristigen Kurs ist diese Entwicklung wichtig. Denn auf der einen Seite steht ein begrenztes Angebot, von dem ein erheblicher Teil offenbar von langfristigen Besitzern gehalten wird. Auf der anderen Seite wächst der Zugang für neue Anleger.

Genau diese Kombination bildet einen wichtigen Teil der Bernstein-These.

Erst 150.000 Dollar, dann 300.000 Dollar

Trotz der sehr optimistischen Langfristprognose erwartet Bernstein keine gerade Linie nach oben.

Die Analysten orientieren sich weiterhin am historischen Vierjahreszyklus von Bitcoin.

Auf Basis dieses Modells soll sich Bitcoin zunächst bis Mitte 2027 erholen und ein neues Allzeithoch von 150.000 US-Dollar erreichen.

Der nächste große Höhepunkt des Zyklus könnte dann im Kalenderjahr 2029 folgen.

Dort sieht Bernstein Bitcoin bei 300.000 US-Dollar.

Entscheidend ist dabei, dass die Analysten zwei unterschiedliche Entwicklungen miteinander verbinden.

Da ist zum einen der bekannte Bitcoin-Zyklus, an dem sich der Markt historisch immer wieder orientiert hat.

Gleichzeitig kommt nun aber ein makroökonomischer Faktor hinzu, der deutlich länger wirken könnte: die Suche nach knappen Vermögenswerten in einer Welt mit hohen Staatsschulden und steigenden Finanzierungskosten.

Sollte Bitcoin tatsächlich stärker als Schutz vor langfristiger Währungsentwertung wahrgenommen werden, würde sich die Investmentstory verändern.

Dann wäre Bitcoin nicht mehr ausschließlich eine Wette auf steigende Kryptokurse. Die Kryptowährung würde zunehmend mit klassischen „Hard Assets“ konkurrieren.

Genau darin sieht Bernstein offenbar das größere Potenzial.

Strategy bleibt der große Bitcoin-Hebel

Bernstein äußerte sich gleichzeitig zur Strategy-Aktie, die eng mit der Entwicklung von Bitcoin verbunden ist.

Das Unternehmen, das früher unter dem Namen MicroStrategy bekannt war, bleibt laut Bernstein der größte börsennotierte Unternehmenshalter von Bitcoin.

Strategy besitzt demnach rund 4 % aller weltweit existierenden Bitcoin.

Wer die Aktie kauft, setzt damit indirekt auch stark auf die Entwicklung der Kryptowährung.

Trotz seiner langfristig positiven Bitcoin-Einschätzung wird Bernstein bei Strategy allerdings etwas vorsichtiger.

Das Kursziel für die Aktie wurde von 450 auf 350 US-Dollar gesenkt.

Das Rating „Outperform“ behielten die Analysten dennoch bei.

Das ist ein wichtiger Unterschied.

Bernstein bleibt bei Bitcoin ausgesprochen optimistisch, sieht das Kurspotenzial der Strategy-Aktie auf dem bisherigen Bewertungsniveau aber etwas geringer.

Eine bullische Einschätzung für Bitcoin bedeutet eben nicht automatisch, dass jede damit verbundene Aktie zu jedem Preis attraktiv sein muss.

Was hinter der 300.000-Dollar-Prognose steckt

Natürlich ist ein Bitcoin-Kurs von 300.000 US-Dollar zunächst vor allem eine spektakuläre Zahl.

Interessanter ist aber die Begründung dahinter.

Bernstein wettet nicht nur darauf, dass sich vergangene Bitcoin-Zyklen wiederholen. Die Analysten sehen einen strukturellen Wandel im Finanzsystem.

Die Kombination aus hohen Staatsschulden, höheren Zinskosten und wachsendem Finanzierungsbedarf könnte Regierungen langfristig vor immer schwierigere Entscheidungen stellen.

Sollten Währungen dabei schrittweise an Kaufkraft verlieren, könnten knappe Vermögenswerte stärker gefragt sein.

Bitcoin bringt aus Sicht von Bernstein dafür gleich mehrere Eigenschaften mit: ein begrenztes Angebot, eine ungewöhnlich stabile Basis langfristiger Besitzer und einen immer leichteren Zugang für institutionelle und private Anleger.

Ob daraus tatsächlich 300.000 US-Dollar bis 2029 werden, kann niemand garantieren.

Doch genau deshalb ist Bernsteins Analyse für Bitcoin-Anleger interessant. Sie zeigt, dass die nächste große Bitcoin-Rally nicht allein von Krypto-Euphorie abhängen müsste.

Wenn die Analysten mit ihrer makroökonomischen These richtig liegen, könnte ausgerechnet das weltweite Schuldenproblem zu einem der größten langfristigen Kurstreiber für Bitcoin werden.

Risikohinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und dem Finanzjournalismus und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Der Handel mit Bitcoin, Kryptowährungen und damit verbundenen Aktien ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum teilweisen oder vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen.

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