Die Verluste durch Angriffe auf dezentrale Finanzanwendungen (DeFi) sind seit ihrem Rekordniveau im Jahr 2022 um 80 Prozent gesunken. Das geht aus einem Bericht des Sicherheitsunternehmens Immunefi hervor.
Die Untersuchung analysierte die durch Angriffe verursachten Verluste in den wichtigsten Blockchain-Ökosystemen zwischen 2020 und 2025. Demnach gingen die Schäden bei DeFi-Protokollen von 2,62 Milliarden US-Dollar im Jahr 2022 auf 534 Millionen US-Dollar im Jahr 2024 zurück. Zwar stiegen die Verluste 2025 wieder auf 680,3 Millionen US-Dollar, doch laut Immunefi ist dieser Anstieg auf wenige besonders große Vorfälle zurückzuführen und nicht auf eine allgemeine Verschlechterung der Sicherheitslage.
„Der Wert von 680 Millionen US-Dollar im Jahr 2025 stellt zwar eine teilweise Erholung dar, doch dieser Anstieg ist fast ausschließlich auf eine kleine Zahl großer Vorfälle zurückzuführen und nicht auf eine breite Verschlechterung der Sicherheitslage“, heißt es in dem Bericht.
Der Medianverlust pro Angriff sank von 6 Millionen US-Dollar im Jahr 2022 auf 1,5 Millionen US-Dollar im Jahr 2025. Dies deutet darauf hin, dass es Angreifern zunehmend schwerfällt, Attacken zu Verlusten in katastrophalem Ausmaß auszuweiten.
Zu den auffälligsten Veränderungen zählt laut Bericht der Rückgang sogenannter Bridge-Angriffe, die für einige der größten Hackerangriffe in der Geschichte des Kryptomarkts verantwortlich waren.
Angriffe auf Blockchain-Brücken verursachten 2022 Schäden von rund 1,9 Milliarden US-Dollar und machten damit 73 Prozent aller DeFi-Verluste aus. Treiber waren Vorfälle bei Ronin Bridge, Wormhole, Nomad, Harmony Bridge, Binance Bridge und Qubit. Im Jahr 2025 entfielen dagegen nur noch 3 Prozent der gesamten Verluste auf Bridge-Angriffe.
Nach Angaben von Immunefi haben stärkere Verifizierungssysteme, dezentralisierte Validatoren-Strukturen und Fortschritte bei der Cross-Chain-Infrastruktur die mit Blockchain-Brücken verbundenen Risiken deutlich reduziert.
Der Bericht hebt zudem hervor, dass Flash-Loan-Angriffe nahezu verschwunden sind. Während sie 2020 noch für 54 Prozent der Verluste verantwortlich waren, lag ihr Anteil 2025 bei weniger als 1 Prozent. Als Gründe werden Verbesserungen bei Oracle-Architekturen, Schutzmechanismen gegen Reentrancy-Angriffe sowie allgemeine Fortschritte bei der Sicherheit von Smart Contracts genannt.
„Flash-Loan-Angriffe spielen inzwischen nur noch eine untergeordnete Rolle“, heißt es in dem Bericht. Früher weit verbreitete Angriffsmuster seien inzwischen weitgehend entschärft worden.
Während traditionelle Angriffsvektoren an Wirksamkeit verloren haben, dominieren laut Immunefi inzwischen protokollspezifische Schwachstellen die Bedrohungslage. Auf Fehler in der Protokoll-Logik entfielen 2025 insgesamt 89,1 Prozent aller DeFi-Verluste. Damit stellen sie die mit Abstand größte verbleibende Sicherheitsherausforderung der Branche dar.
Der Bericht wertet dies als Hinweis auf ein reiferes Bedrohungsumfeld, in dem die gängigsten Angriffsmuster inzwischen erfolgreich eingedämmt wurden.
Gleichzeitig warnt die Analyse davor, dass Multi-Chain-Implementierungen eine neue Kategorie systemischer Risiken schaffen. Die Forscher verweisen auf den 128 Millionen US-Dollar schweren Angriff auf Balancer V2, der gleichzeitig Bereitstellungen auf Ethereum, Arbitrum, Base, Polygon, Sonic und OP Mainnet betraf, weil derselbe fehlerhafte Code in mehreren Ökosystemen eingesetzt worden war.
„Die verbleibende Herausforderung besteht darin, sich gegen neuartige protokollspezifische Schwachstellen zu verteidigen und die Risiken von Multi-Chain-Implementierungen zu beherrschen“, heißt es in dem Bericht.
Anhand des Verhältnisses von Verlusten zum insgesamt gebundenen Kapital (Total Value Locked) als Maßstab für die Sicherheit eines Ökosystems identifizierte Immunefi Ethereum und Solana mit jeweils rund 0,42 Prozent als die risikoärmsten großen Blockchain-Netzwerke. Unter den bedeutenden Blockchains verzeichnete die BNB Chain mit etwa 0,33 Prozent den niedrigsten Wert.