Die Devisenexpertin Georgette Boele von ABN AMRO sieht einen Wandel im Zusammenhang zwischen dem Euro und den Energiepreisen. Die jüngsten Anstiege bei Öl- und Gaspreisen hätten den Euro gegenüber dem US-Dollar erneut belastet. Zu Beginn des Konflikts zwischen den USA und dem Iran hätten steigende Energiepreise die Gemeinschaftswährung geschwächt. Später sei das Währungspaar EUR/USD jedoch stärker von den Zinserwartungen an die US-Notenbank Fed und die Europäische Zentralbank (EZB) geprägt worden. Künftig dürften vor allem die Erwartungen an die Notenbanken, Renditeunterschiede sowie die Energieversorgung der Eurozone den Kurs bestimmen.
„Zu Beginn des Konflikts zwischen den USA und dem Iran belasteten steigende Energiepreise den Euro gegenüber dem US-Dollar. Im weiteren Verlauf des Konflikts reagierte EUR/USD jedoch weniger empfindlich auf die Energiepreise und stärker auf die Erwartungen hinsichtlich der Fed und der EZB.“
„Als eine Absichtserklärung bekannt gegeben wurde, gaben die Energiepreise deutlich nach. Der Euro konnte gegenüber dem US-Dollar jedoch nur wenig zulegen, da sich die Märkte auf die Erwartungen weiterer Zinserhöhungen durch die Fed konzentrierten.“
„Infolgedessen stiegen die Öl- und Gaspreise kräftig an und stützten die Währungen von Energieexporteuren wie der norwegischen Krone, dem kanadischen Dollar und dem US-Dollar. Gleichzeitig gerieten die Währungen von Energieimporteuren unter Druck.“
„Der Euro gab gegenüber dem US-Dollar erneut nach, als die Energiepreise anzogen.“
„Für den weiteren Verlauf von EUR/USD werden die Erwartungen an die Fed und die EZB, die Inflationserwartungen, Veränderungen der nominalen und realen Renditeabstände zwischen den USA und Europa sowie die Einschätzung möglicher Energieengpässe in der Eurozone entscheidend sein.“