EUR/USD steigt am Freitag und beendet damit eine dreitägige Verlustserie, da die Aussichten auf erneute US-Iran-Friedensgespräche die Marktstimmung heben und den US-Dollar (USD) belasten. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichts notiert das Paar bei rund 1,1715, ein Tagesplus von 0,27 %, und erholt sich von Zwei-Wochen-Tiefs.
CNN berichtete, dass US-Präsident Donald Trump die Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner nach Pakistan schickt, um Gespräche mit dem Iran zu führen. Dies folgt auf frühere Berichte, wonach der iranische Außenminister Abbas Araghchi nach Pakistan reisen soll.
Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim teilte mit, dass Araghchi Teherans Überlegungen zum Kriegsende darlegen werde, während IRNA anmerkte, dass der Besuch bilateral mit pakistanischen Beamten erfolgt, was darauf hindeutet, dass die Kontakte mit den USA vorerst indirekt bleiben.
Die Entwicklungen haben Hoffnungen auf erneute US-Iran-Gespräche geweckt, was die Nachfrage nach dem US-Dollar als sicherem Hafen verringert. Der US-Dollar-Index (DXY), der den Wert des Greenback gegenüber einem Korb von sechs wichtigen Währungen abbildet, fällt von einem Ein-Wochen-Hoch bei rund 98,94 auf etwa 98,56 und liegt damit etwa 0,27 % im Minus am Tag.
Es besteht jedoch weiterhin Unsicherheit darüber, ob direkte Gespräche zwischen Washington und Teheran zustande kommen werden. Teheran hat Verhandlungen unter den aktuellen Bedingungen zuvor ausgeschlossen und die anhaltende US-Blockade der Marine als zentrales Hindernis genannt.
Mit Blick auf die Zukunft werden Händler die Entwicklungen zwischen den USA und dem Iran genau beobachten, insbesondere ob Washington die Marineblockade lockert und Teheran die Straße von Hormus wieder öffnet. Bis dahin bleibt die Straße unter einer doppelten Blockade, was die Ölpreise hoch hält und den Inflationsdruck in den Fokus rückt.
Abseits der Geopolitik richtet sich die Aufmerksamkeit allmählich auf die geldpolitischen Entscheidungen der kommenden Woche großer Zentralbanken, darunter der Federal Reserve (Fed) und der Europäischen Zentralbank (EZB).
Beide Zentralbanken werden voraussichtlich die Zinssätze angesichts wachsender Inflationssorgen, die durch steigende Ölpreise angetrieben werden, unverändert lassen. Der Fokus wird auf der Forward Guidance liegen und darauf, wie die Entscheidungsträger die Inflationsrisiken gegen Wachstumsbedenken abwägen.
Bei den Daten stieg der Verbrauchervertrauensindex der University of Michigan für April auf 49,8, über der Prognose von 47,6 und auf dem Niveau des vorherigen Werts. Der Index der Verbrauchererwartungen verbesserte sich ebenfalls auf 48,1 von 46,1 und übertraf die Erwartungen. Die Inflationserwartungen für ein Jahr sanken leicht auf 4,7 % von 4,8 %, während der Ausblick für fünf Jahre auf 3,5 % von 3,4 % leicht anstieg.
Zentralbanken wie die US-Notenbank oder die Europäische Zentralbank haben die Aufgabe, Preisstabilität zu gewährleisten. Dies erreichen sie, indem sie die Zinsen anpassen und so die Inflation kontrollieren.
Zentralbanken haben ein zentrales Instrument, um die Inflation zu steuern: den Leitzins. Zu festgelegten Terminen veröffentlicht die Bank ihre Zinsentscheidung, in der sie den Leitzins entweder beibehält, senkt oder anhebt. Dies beeinflusst die Zinssätze von Sparguthaben und Krediten, was wiederum Auswirkungen auf das Spar- und Investitionsverhalten der Wirtschaft hat. Zinserhöhungen werden als geldpolitische Straffung bezeichnet, Zinssenkungen als geldpolitische Lockerung.
Eine Zentralbank agiert häufig unabhängig von der Politik. Bevor Mitglieder in den geldpolitischen Rat berufen werden, durchlaufen sie verschiedene Anhörungen und Prüfungen. Jedes Mitglied bringt dabei seine eigene Überzeugung mit, wie die Zentralbank Inflation steuern und die Geldpolitik gestalten sollte. Befürworter einer lockeren Geldpolitik, die niedrige Zinsen und günstige Kredite fördern, um das Wirtschaftswachstum anzutreiben – selbst auf Kosten einer leicht über 2 % liegenden Inflation –, werden als „Tauben“ bezeichnet. „Falken“ hingegen bevorzugen höhere Zinsen, um Sparen zu belohnen, und sehen es als ihre Priorität, die Inflation unter Kontrolle zu halten, bis sie bei oder unter 2 % liegt.
Normalerweise wird jede Sitzung einer Zentralbank von einem Vorsitzenden oder Präsidenten geleitet, der zwischen den verschiedenen Lagern – den sogenannten „Falken“ und „Tauben“ – einen Konsens herstellen muss. Kommt es zu einem Patt bei der Abstimmung, entscheidet der Vorsitzende und verhindert so eine 50:50-Stimmengleichheit über mögliche geldpolitische Anpassungen. Der Vorsitzende hält zudem regelmäßig öffentliche Reden, in denen die aktuelle geldpolitische Ausrichtung und zukünftige Erwartungen kommuniziert werden – diese können oft live mitverfolgt werden. Das Ziel einer Zentralbank ist es, ihre geldpolitischen Maßnahmen umzusetzen, ohne dabei heftige Schwankungen bei Zinssätzen, Aktienmärkten oder der eigenen Währung auszulösen. Bereits vor geldpolitischen Sitzungen geben die Mitglieder ihre Einschätzungen indirekt an die Märkte weiter. In den letzten Tagen vor einer Sitzung herrscht jedoch eine „Blackout-Periode“, während der die Mitglieder keine öffentlichen Äußerungen machen dürfen, bis die neuen Maßnahmen offiziell verkündet wurden.