TradingKey – Am 28. Juli (US-Ostküstenzeit) entwickelten sich die drei großen US-Aktienindizes uneinheitlich. Der Ausverkauf bei Chip-Aktien verschärfte sich weiter, und auch KI-Hardware-Aktien weiteten ihre jüngsten Verluste aus. Der Dow-Jones-Index tendierte fester, während der Nasdaq 100 Index um mehr als 1 % nachgab und der Philadelphia Semiconductor Index um über 5 % einbrach.
Auf Sektorebene führten Speicher- und optische Kommunikationsaktien die Verluste an; SanDisk ( SNDK) fiel um über 15 % und rutschte damit unter die Marke von 1.100 US-Dollar; Micron ( MU) verlor über 10 % und fiel unter die Marke von 800 US-Dollar; AMD ( AMD) gab um über 9 % nach, Marvell Technology ( MRVL) sank um über 7 %, Intel ( INTC) verbuchte ein Minus von über 6 %.
Bemerkenswert ist, dass inmitten des Rücksetzers bei KI-Hardware-Aktien – neben Zuwächsen bei defensiven Sektoren wie Konsumgütern und dem Gesundheitswesen – offenbar auch Kapital in den Softwaresektor umschichtete.
Bis zum Redaktionsschluss stieg SAP SE ( SAP) um 6,28 %, Salesforce ( CRM) legte um 5,96 % zu, Adobe ( ADBE) gewann 5,95 % und ServiceNow ( NOW) kletterte um 5,60 %.

Salesforce-Aktienkurs-Chart, Quelle: TradingView
Berichten zufolge blieb der Softwaresektor zwei Jahre in Folge hinter dem Gesamtmarkt zurück, doch führende Wall-Street-Investmentbanken werden nun allmählich optimistischer. Morgan Stanley erklärte, dass die pessimistischen Markterwartungen für die Softwarebranche übertrieben seien und die Bewertungen langfristige Sorgen über eine Reifung der Branche bereits vorzeitig eingepreist hätten. Die tatsächlichen Chancen des Sektors liegen weitaus höher, als es die aktuelle Bewertung widerspiegelt. Die Bank behält ihr „Overweight“-Rating für den Softwaresektor bei und hat ein neues Framework zur Aktienauswahl vorgestellt, das auf acht zentrale KI-Profiteure abzielt.
In den vergangenen zwei Jahren blieb der S&P North American Technology Software Index kumuliert um 40 Prozentpunkte hinter dem Nasdaq 100 zurück. Diese Underperformance ist auf die kollektive Skepsis der Anleger gegenüber dem Software-Geschäftsmodell zurückzuführen: Werden die KI-Dividenden von den Infrastrukturanbietern monopolisiert? Kann das traditionelle Pro-Arbeitsplatz-Preismodell (Per-Seat) fortbestehen? Werden die Bruttomargen dauerhaft sinken? Werden neue Architektur-Iterationen die bestehende Marktlandschaft verändern? Und wird das Wachstum stagnieren, sobald Token-Subventionen auslaufen?
Morgan Stanley fasste diese Debatten in fünf Kernthesen zusammen. Die Bank bestreitet zwar nicht den allgemeinen Trend hin zu einer reifenden Branche, ist jedoch der Ansicht, dass der Markt die langfristigen Sorgen in den aktuellen Bewertungen übermäßig stark eingepreist hat.
Auf Einzeltitelebene schlug Morgan-Stanley-Analyst Adam Wood ein zweistufiges Bewertungs-Framework namens „Moat & Journey“ vor. Die letztlichen acht „Overweight“-Favoriten mit der höchsten Überzeugungskraft konzentrieren sich auf Bereiche wie Cloud-Infrastruktur, Cybersicherheit und Datendienste. Die Bank vergab „Overweight“-Ratings für Microsoft, CrowdStrike, Cloudflare, Datadog, ServiceNow, Snowflake und Shopify.
Die zugrunde liegende Logik ist das zyklische Übertragungsmuster der KI-Implementierung: Die Softwarebranche folgt im Allgemeinen dem Rhythmus „Zuerst kaufen, später bauen“. Infrastruktur und Cybersicherheit bilden die Vorstufen des KI-Rechenleistungsausbaus und befinden sich bereits in der Phase der Gewinnrealisierung, während die finanzielle Rendite für Anwendungssoftware relativ spät einsetzt, was diese zu spätzyklischen Werten macht.