Der Ökonom Henry Hao von Commerzbank sieht China besser als andere asiatische Volkswirtschaften aufgestellt, um Energieunterbrechungen infolge der Spannungen im Nahen Osten und Risiken rund um die Straße von Hormus zu verkraften. In einer Analyse verweist er auf die diversifizierte Beschaffung von Rohöl, umfangreiche strategische Reserven sowie die sinkende Abhängigkeit von fossilen Energieträgern. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass Belastungen in einzelnen Sektoren – insbesondere im Transport- und Chemiebereich – sowie anhaltende Marktvolatilität die Wachstumsaussichten in den kommenden Monaten beeinträchtigen könnten.
"Um die unmittelbaren Auswirkungen volatiler Energiemärkte weiter abzufedern, greifen asiatische Staaten mit unterschiedlichem Erfolg auf ihre strategischen Reserven zurück. Industrieländer wie Japan, Südkorea und Taiwan verfügen über umfangreiche nationale Ölreserven, um ihre Binnenmärkte zu stabilisieren, während Entwicklungsländer wie Indien, Thailand und die Philippinen nur begrenzte Vorräte haben und daher besonders anfällig für länger anhaltende Lieferunterbrechungen bleiben."
"Während asiatische Volkswirtschaften erheblichen Energieanfälligkeiten ausgesetzt sind, nutzt China strategische Reserven und politische Maßnahmen, um die Schocks abzufedern. Diese kurzfristige Widerstandsfähigkeit steht jedoch unter Druck, solange die geopolitische Unsicherheit anhält."
"Im Gegensatz dazu hat China in den vergangenen Jahren aktiv eine Diversifizierungsstrategie verfolgt. Zwar bleibt das Land als weltweit größter Ölverbraucher erheblichen Risiken ausgesetzt, doch ist der Anteil der Rohölimporte aus dem Nahen Osten unter den großen asiatischen Volkswirtschaften am niedrigsten und seit 2022 weiter rückläufig."
"Darüber hinaus sorgt die Entwicklung des chinesischen Energiemixes für zusätzliche strukturelle Stabilität. Durch die kontinuierliche Senkung des Verbrauchs fossiler Energieträger je Einheit Wirtschaftsleistung und den Ausbau erneuerbarer Energien verringert China systematisch seine Abhängigkeit von Kohlenwasserstoffen."
"Allerdings kann diese Stabilität auf gesamtwirtschaftlicher Ebene darüber hinwegtäuschen, dass einzelne Industriezweige unterschiedlich stark betroffen sind. Die wirtschaftlichen Belastungen durch den Konflikt verteilen sich ungleich über die chinesische Industrielandschaft."