Das Analystenteam der Société Générale beleuchtet Chinas Rolle im Spannungsfeld zwischen den USA und dem Iran. Demnach liefert der Iran den Großteil seines Öls an China, mögliche Unterbrechungen gelten jedoch als beherrschbar. Mit strategischen Reserven von rund 1,5 Milliarden Barrel und zusätzlichem Zugang zu russischen Lieferungen könne Peking Schocks abfedern. Zugleich dürfte China die US-Militärpräsenz kritisieren, kurzfristig aber nicht direkt eingreifen.
„Nach dem US-Angriff auf den Iran im Juni 2025 hat sich Irans Abhängigkeit von China erhöht. Im Durchschnitt entfielen 94 Prozent der iranischen Ölexporte auf Lieferungen nach China, während die Vereinigten Arabischen Emirate und der Irak den Rest ausmachten. Das ist insofern bedeutsam, als China auf iranisches Öl angewiesen war, seine Versorgung aber selbstverständlich auch anderweitig sicherstellen könnte.“
„Der Iran liefert nahezu seine gesamte Ölproduktion nach China, das kein Interesse an langanhaltenden Unterbrechungen haben dürfte. Die Spannungen haben jedoch Chinas Strategie zur Energiesicherheit bestärkt, die auf Diversifizierung der Bezugsquellen, dem Aufbau von Vorräten und einer Substitution der Nachfrage durch Elektrifizierung beruht.“
„Durch die Straße von Hormus werden rund 50 Prozent der chinesischen Ölimporte transportiert. China hat jedoch strategische Erdölreserven von etwa 1,5 Milliarden Barrel aufgebaut – ausreichend, um rund 200 Tage der Ölimporte zu decken. Zudem investiert das Land weiter in zusätzliche Rohöllagerkapazitäten, ein Ausbau ist bis 2028 geplant. Unterbrechungen iranischer Lieferungen sind für China daher handhabbar, da Raffinerien auf Reserven zurückgreifen und große Mengen russischen Öls beziehen können. China wird die ‚Militarisierung‘ des Nahen Ostens durch die USA kritisieren, ein kurzfristiges Eingreifen gilt jedoch als unwahrscheinlich.“
„Die aktuelle Lage wirft einige naheliegende Fragen mit Blick auf China auf: Wie viel zusätzliches russisches Öl wird nun nach China fließen, und werden die großen Ölkonzerne ihre Käufe ausweiten? Welche Folgen hat dies für ein mögliches Treffen zwischen Trump und Xi im April?“