Rabobank-Devisenstratege Michael Every sieht im amerikanischen Maritime Action Plan (MAP) eine klare Abkehr vom regelbasierten Freihandel hin zu einem blockorientierten Neomerkantilismus. Er betont, dass höhere US-Hafengebühren und Zölle in Kombination mit vorgelagerten Allianzen für kritische Mineralien die globalen Lieferketten in US-zentrierte sowie China-Russland-zentrierte Blöcke aufspalten dürften – mit Folgen für Inflation und Geopolitik.
„Der MAP verweist auf die Untersuchung nach Section 301 zu Chinas See-, Logistik- und Schiffbausektoren und stuft Pekings Praktiken als ‚unangemessen und belastend‘ ein. Subventionen, Staatseigentum, erzwungener Technologietransfer und aggressive Preissetzung haben es China ermöglicht, mehr als die Hälfte des Weltmarkts zu erobern.“
„Sollten die USA darauf bestehen, dass ein immer größerer Teil ihres Seehandels über unter US-Flagge fahrende und später US-gebaute Schiffe abgewickelt wird, könnte es zu erheblichen Störungen der globalen Lieferketten kommen. Wie 2025 zu beobachten war, kann dies zu Marktängsten vor einem unmittelbaren Mangel an geeigneten Schiffen führen, was die Frachtraten steigen lässt.“
„Selbst wenn dies durch die Zusammenarbeit mit Verbündeten abgemildert werden kann, führt der MAP zu einer Schlussfolgerung: Der ‚regelbasierte‘ Freihandel ist vorbei, und Neomerkantilismus hat ihn ersetzt. Hafengebühren zusätzlich zu US-Zöllen und ergänzt um vorgelagerte Allianzen für kritische Mineralien werden die Fragmentierung der globalen Lieferketten in zwei unterschiedliche Wirtschaftsblöcke weiter beschleunigen: einen US-zentrierten mit Korea/Japan (und Europa?) gegenüber einem China-Russland-zentrierten.“
„Ein weiterer Aspekt ist, dass US-Hafengebühren gegen China im Zuge der jüngsten Handelsentspannung zwischen den USA und China ausgesetzt wurden. Sollten die USA diese nun fallenlassen, dürfte China voraussichtlich eigene Gegenmaßnahmen wie Ausgleichsgebühren oder Anfechtungen bei der World Trade Organization (WTO) ergreifen und möglicherweise auch auf wirtschaftlichem – oder sogar geopolitischem – Wege Druck ausüben.“