Morgan Stanley sieht in dem Kursrutsch nach den Zahlen bei einem japanischen Videospielkonzern eine attraktive Einstiegsgelegenheit – und begründet das mit starken Umsatzwachstumschancen für 2026. Denn: Aus Sicht der US-Investmentbank war der Ausverkauf nach den Ergebnissen zum vierten Quartal 2025 nicht gerechtfertigt. Im Gegenteil. Bessere als erwartete Verkäufe eines neuen Titels und nur begrenzte Schäden durch Rückerstattungen bei einem anderen Spiel sprechen laut Morgan Stanley eher für Optimismus als für Panik.
Worum geht es konkret? Um Nexon, den in Tokio notierten Gaming-Konzern hinter bekannten Marken wie MapleStory und dem frisch gestarteten ARC Raiders. Morgan Stanley bekräftigte sein Overweight-Rating und hält am Kursziel von 5.000 Yen fest.
Nexon-Aktien waren nach der Veröffentlichung der Dezember-Quartalszahlen am 12. Februar um knapp 20 % abgesackt und erreichten ein Dreimonatstief bei rund 3.000 Yen. Der Auslöser: Das operative Ergebnis verfehlte die internen Prognosen – vor allem wegen verschobener (deferred) Umsätze aus dem Hit ARC Raiders. Heißt: Nicht unbedingt „schlechter verkauft“, sondern ein Timing-Thema bei der Umsatz-/Gewinnverbuchung.
Dazu kamen zwei weitere Belastungsfaktoren:
Und genau hier setzt Morgan Stanley an: Der Markt habe diese Gemengelage zu negativ interpretiert.
Morgan Stanley rechnet damit, dass ARC Raiders kumuliert 20 Millionen Kopien verkaufen wird und mehr als 100 Milliarden Yen Umsatz im Jahr 2026 beisteuert. Das ist der Kern der Investmentstory: Das neue Spiel soll nicht nur „gut starten“, sondern 2026 zum echten Umsatzanker werden.
Spannend ist auch der regionale Blick: Morgan Stanley hat seine Umsatzschätzung für Nordamerika und Europa für 2026 um 44 % gegenüber der bisherigen Prognose angehoben. Und jetzt kommt der strategische Punkt: Die Bank erwartet, dass diese Region China überholt und damit Nexons zweitgrößter Markt nach Korea wird. Das wäre eine relevante Verschiebung – weil es Nexon unabhängiger von einzelnen Märkten macht und die Wachstumsstory breiter aufstellt.
Ein großer Teil der Diskussion dreht sich um die verschobenen Umsätze im Zusammenhang mit Steam-Verkäufen von ARC Raiders. Morgan Stanley spielt das nicht weg, sondern sagt klar: Teile des Marktes würden die Bilanzierungslogik falsch interpretieren.
Konkret: Durch die Accounting-Behandlung wurden rund 28 Milliarden Yen an Gewinnen, die sonst im Q4 2025 gelandet wären, in spätere Perioden verschoben. Das hat das Q4-Ergebnis optisch gedrückt – aber nicht zwingend die wirtschaftliche Stärke.
Und es geht weiter: Dieselben Mechanismen würden auch Umsätze aus dem Q1 2026 verschieben, wodurch Q2 2026 laut Morgan Stanley um fast 20 Milliarden Yen profitieren könnte. Übersetzt: Kurzfristig kann die Optik noch verzerren – mittelfristig kehrt sich der Effekt aber wieder zugunsten späterer Quartale.
Bei den Zahlen wird Morgan Stanley noch deutlicher. Die Bank schätzt den operativen Gewinn 2026 auf 186 Milliarden Yen – und liegt damit 15 % über dem Konsens. Wenn diese Annahme aufgeht, dann ist der jüngste Kursrutsch aus Investorensicht genau das, was Morgan Stanley implizit meint: eher Chance als Warnsignal.
Als weiteren positiven Faktor nennt Morgan Stanley die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026. Diese könne als Tailwind für das Franchise FC Online wirken, das von Nexon veröffentlicht wird. Gerade bei Sporttiteln können solche globalen Events die Nutzeraktivität und Monetarisierung spürbar anschieben.
Und China bleibt ebenfalls auf dem Radar – nicht als Basisannahme, sondern als potenzieller zusätzlicher Upside:
Morgan Stanley bleibt nicht vage, sondern spannt eine konkrete Range auf:
Wenn du das Ganze auf eine Kernaussage runterbrichst, sagt Morgan Stanley im Grunde: Der Markt hat nach den Q4/2025-Zahlen zu stark auf die kurzfristige Ergebnisoptik reagiert und dabei zwei Dinge unterschätzt: die Stärke von ARC Raiders (Absatz + 2026-Umsatzbeitrag) und den Charakter der deferred revenues als Timing-Effekt, der sich in späteren Quartalen teilweise wieder positiv niederschlägt. Genau deshalb wird der Rücksetzer als Einstiegsfenster eingeordnet – mit 2026 als entscheidendem Jahr für Wachstum und Margenbild.