RIPPLE zwischen Kult und Risiko: Droht dem Krypto-Star der Realitätsschock?

Quelle Fxstreet

XRP zählt zu den Kryptowährungen mit einer der loyalsten Anhängerschaften. Diese Überzeugung hat dem Token geholfen, Rückschläge durch Klagen und Bärenmärkte zu überstehen. Gleichzeitig birgt diese starke Fanbasis die Gefahr, dass Investoren wesentliche Risiken ausblenden. Die Frage bleibt, ob die Stärke von XRP auf fundamentalen Faktoren beruht oder auf fehlgeleitetem Vertrauen.

Neben Bitcoin und Ethereum gehört XRP zu den frühesten Kryptowährungen, die sich bis heute eine breite Marktpräsenz bewahrt haben. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 89,3 Milliarden US-Dollar rangiert der 2012 eingeführte Token auf Platz vier unter den größten Kryptowährungen.

Während zahlreiche zeitgleich gestartete Projekte wie Namecoin, Peercoin oder Litecoin an Bedeutung verloren haben und von neueren, skalierbareren Blockchain-Protokollen verdrängt wurden, konnte sich XRP behaupten und seine Widerstandsfähigkeit im Wandel des Kryptomarktes unter Beweis stellen.

Ein wesentlicher Faktor für diesen Erfolg ist die besonders engagierte Anlegergemeinschaft. In einschlägigen Online-Foren und sozialen Netzwerken zeigt sich regelmäßig die hohe Dynamik dieser Gruppe.

Die sogenannte „XRP Army“ tritt mit großer Überzeugung auf und bewirbt XRP als Brückenwährung für grenzüberschreitende Zahlungen. Selbst während des fast fünfjährigen Rechtsstreits mit der US-Börsenaufsicht SEC blieb die Unterstützung ungebrochen.

„Was XRP einzigartig macht, ist, dass seine Anlegerbasis historisch selbst bei deutlichen Kursrückgängen äußerst standhaft geblieben ist“, sagte Bitunix-Analyst Dean Chen gegenüber FXStreet.

Diese Überzeugung hielt XRP während regulatorischer Auseinandersetzungen im Fokus der wichtigsten Kryptowährungen. Kritiker stellen jedoch die Frage, ob dieser Glaube gerechtfertigt ist.

Die zentralen Kritikpunkte konzentrieren sich bislang auf zwei Aspekte:

XRP gilt aufgrund der hohen Kontrolle von Ripple über einen Großteil des Angebots – rund 80 Prozent bei der Einführung – als zentralisiert.
Zudem steht der Konsensmechanismus des XRP Ledger (UNL) in der Kritik, da er nicht den klassischen Prinzipien der Dezentralisierung entspricht.

Neben diesen Punkten sehen Beobachter weitere Risiken, die Investoren berücksichtigen sollten.

Die technologische Basis von XRP gilt als überholt

Der XRP Ledger wird häufig als Layer-1-Plattform für dezentrale Anwendungen vermarktet, bleibt jedoch im Vergleich zu anderen Blockchains zurück.

„Viele Anleger stellen die Nutzungsmöglichkeiten in den Vordergrund, um langfristige Positionen zu rechtfertigen, während aggressives Marketing oft technische Einschränkungen überdeckt“, sagte XS-Analyst Samer Hassan gegenüber FXStreet.

So liegt der im Netzwerk gebundene Gesamtwert (Total Value Locked) bei rund 54 Millionen US-Dollar und damit unter 0,1 Prozent des gesamten DeFi-Marktes. Ein derart niedriger Wert ist sonst eher bei kleineren Projekten außerhalb der Top 100 zu beobachten. Auch bei DeFi-Volumen und aktiven Nutzern zeigt sich ein ähnliches Bild.

„Ein großer Teil der Innovation und Entwickleraktivität hat sich auf Plattformen verlagert, die ein breiteres wirtschaftliches Spektrum unterstützen“, sagte ZeroStack-Chef Daniel Reis-Faria.

Im Vergleich dazu erreichen Ethereum und Solana deutlich höhere Werte im DeFi-Bereich. Auch neuere Netzwerke wie Base oder Hyperliquid liegen vor dem XRP Ledger.

„XRP versucht im Grunde, Smart-Contract-Funktionalität nachträglich auf eine bestehende Zahlungsinfrastruktur aufzusetzen, was im Vergleich zu modernen Plattformen technische Nachteile mit sich bringt“, sagte Hassan.

Befürworter verweisen jedoch darauf, dass Smart Contracts nicht im Mittelpunkt des XRP-Anwendungsfalls stehen.

Vielmehr setzen sie auf die Rolle von XRP als Brückenwährung im Ripple-Ökosystem, insbesondere für schnelle und kostengünstige internationale Transaktionen über die Lösung On-Demand Liquidity (ODL), inzwischen als Ripple Payments bekannt.

Auch Bitcoin verfügt über kein ausgeprägtes DeFi-Ökosystem und erreicht dennoch eine Marktkapitalisierung von über 1,5 Billionen US-Dollar. Für XRP wird ein ähnlicher Weg als möglich angesehen.

Die Rolle von XRP im Ripple-Ökosystem steht jedoch infrage

Beim ODL-Verfahren werden Fiat-Zahlungen in XRP umgewandelt, über das Netzwerk transferiert und am Zielort wieder in lokale Währungen konvertiert. Der Prozess erfolgt innerhalb weniger Sekunden.

Dieser Ansatz galt bei der Einführung als innovativ, wird heute jedoch zunehmend kritisch bewertet.

Zwar arbeitet Ripple nach eigenen Angaben mit mehr als 300 Finanzinstituten zusammen, die Nachfrage nach ODL bleibt jedoch begrenzt. Viele Partner nutzen die Lösung lediglich im Rahmen von Pilotprojekten.

Zudem verweisen Kritiker auf die Volatilität von XRP und bevorzugen stabilere Alternativen wie Stablecoins.

Mit der regulatorischen Unterstützung für Stablecoins in den USA durch das im Jahr 2025 verabschiedete GENIUS-Gesetz unter Präsident Donald Trump haben zahlreiche Fintech-Unternehmen begonnen, grenzüberschreitende Zahlungen nahezu in Echtzeit über Stablecoins abzuwickeln.

Unternehmen wie Stripe nutzen dafür Netzwerke wie Ethereum oder Solana, ohne auf XRP zurückzugreifen.

Auch Ripple selbst hat mit der Einführung des Stablecoins RLUSD und der Übernahme des Zahlungsdienstleisters Rail für 200 Millionen US-Dollar strategische Anpassungen vorgenommen. Sollte RLUSD künftig als Brückenwährung dienen, könnte XRP an Bedeutung verlieren.

Positive Entwicklungen bei Ripple nicht automatisch Vorteil für XRP

Trotz dieser Herausforderungen gehört XRP weiterhin zu den größten Kryptowährungen und gewinnt neue Unterstützer.

Ein Grund dafür könnte in der Wahrnehmung der Expansionsstrategie von Ripple liegen. Das Unternehmen investierte zuletzt Milliardenbeträge in Übernahmen, darunter Hidden Road, Rail und GTreasury.

Zudem erhielt Ripple eine bedingte Genehmigung für eine US-Banklizenz durch die Aufsichtsbehörde OCC.

Diese Entwicklungen stärken zwar Ripple als Unternehmen, wirken sich jedoch nicht zwangsläufig direkt auf XRP aus.

Ripple ist ein privat geführtes Unternehmen, während XRP kein Unternehmensanteil ist. Die Beziehung unterscheidet sich daher von klassischen Blockchain-Projekten, bei denen Token und Entwicklerorganisation eng verbunden sind, wie etwa bei Ethereum oder Solana.

Schwächen in der Anlegerstruktur

Auch die Zusammensetzung der XRP-Anleger wirft Fragen auf. Im Vergleich zu anderen großen Kryptowährungen fehlt es an einer breiten Basis von Entwicklern und institutionellen Investoren mit Einfluss im Markt.

XRP spielt in den Portfolios vieler führender Krypto-Experten kaum eine Rolle. Gleichzeitig stammen viele Stimmen aus der Community von selbsternannten Experten in sozialen Netzwerken.

Zwar deuten Zuflüsse in neu aufgelegte XRP-ETFs auf Interesse hin, doch laut Bloomberg-Analysten werden diese vor allem von Privatanlegern getragen.

„Meiner Einschätzung nach handelt es sich dabei überwiegend um besonders engagierte XRP-Anhänger und weniger um klassische Privatanleger“, schrieb Bloomberg-Analyst Eric Balchunas am 10. März auf der Plattform X.

„Institutionelle Investoren halten nur etwa 16 Prozent der gesamten XRP-ETF-Vermögenswerte, was zeigt, dass die Nachfrage weiterhin überwiegend von Privatanlegern getrieben wird“, sagte Dean Chen. „XRP weist damit zwar institutionelle Beteiligung auf, verhält sich strukturell jedoch eher wie ein von Privatanlegern dominierter Vermögenswert.“

Analysten sehen zudem eine klare Präferenz institutioneller Investoren für Blockchain-Netzwerke mit umfangreichen Ökosystemen.

„Institutionelle Anleger bevorzugen Netzwerke, die im Zentrum größerer Ökosysteme stehen“, sagte Reis-Faria. „XRP wird in diesem Zusammenhang eher als thematische oder stimmungsgetriebene Anlage betrachtet.“

Fazit

Die genannten Aspekte werfen Zweifel an der langfristigen Perspektive von XRP auf. Gleichzeitig bleibt Ripple einer der größten Inhaber des Tokens und setzt ihn weiterhin in Geschäftsstrategien ein.

Die Zukunft von XRP dürfte daher weniger von der Überzeugung seiner Anhänger abhängen als vielmehr davon, ob es gelingt, eine klare Rolle im globalen Zahlungsverkehr zu sichern. Ob dies gelingt, bleibt derzeit offen.

Haftungsausschluss: Nur zu Informationszwecken. Die bisherige Performance ist kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse.
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