Der Rohstoffstratege Daniel Ghali von TD Securities ordnet die Entwicklung des Goldpreises in das von ihm sogenannte „Hegemonie-Trade“-Konzept ein, das eng mit der Wahrnehmung der US-Stärke und der fiskalischen Tragfähigkeit verbunden ist. Eine Phase konsequenter Währungsverteidigung im Iran-Konflikt belaste derzeit den Goldpreis, da Staaten ihre Prioritäten auf Energieversorgung und Stabilität legten. Ein ungünstiger Waffenstillstand oder ein Ende dieser Währungsverteidigung könnte hingegen den nächsten Aufschwung beim Gold einleiten, etwa durch eine beschleunigte Diversifizierung der Währungsreserven.
„Im vergangenen Jahr hat der Entwertungs-Trade den Zeitgeist bestimmt, besonders deutlich bei Edelmetallen.“
„Beide Entwicklungen hängen letztlich mit der Funktion des US-Dollars als Wertaufbewahrungsmittel zusammen.“
„Die Wahrnehmung von Macht wird eine entscheidendere Rolle dabei spielen, wie ausländische Gläubiger, Zentralbanken und die Märkte insgesamt die fiskalische Tragfähigkeit der Hegemonialmacht bewerten. Dabei wird die geopolitische Durchhaltefähigkeit mit der Fähigkeit verknüpft, dieses außergewöhnliche Privileg zu verteidigen.“
„Die Phase der Währungsverteidigung in diesem Konflikt wirkt belastend auf Gold, solange die Wahrnehmung eines vollständigen Sieges zunimmt. Dies dämpft letztlich die Goldnachfrage, da Staaten Energieimporte sowie wirtschaftliche und währungspolitische Stabilisierung höher gewichten als die Diversifizierung ihrer Reserven.“
„Umgekehrt könnte ein Ende der Währungsverteidigung (etwa durch einen ungünstigen Waffenstillstand) die nächste Phase des Gold-Bullenmarkts auslösen. Dies würde die Diversifizierung der Reserven zugunsten von Gold verstärken, das die verlorene Funktion von US-Staatsanleihen als Wertaufbewahrungsmittel übernimmt, wobei zusätzlich die hohe Verschuldung stärker in den Fokus rückt.“