Strategen der Rabobank, Molly Schwartz und Michael Every, verweisen auf extreme Preisschwankungen beim Rohöl der Sorte Brent. Der Preis war zeitweise in Richtung 120 US-Dollar gestiegen, bevor er unter 90 Dollar schloss. Auslöser seien unter anderem Produktionsausfälle in Saudi-Arabien, geplante Freigaben von Ölreserven durch die G7 sowie mögliche politische Maßnahmen in den USA. Die Analysten betonen, dass eine länger anhaltende Schließung der Straße von Hormus die weltweiten Ölbestände rasch schrumpfen lassen und die Preisbildung bei Öl und anderen Vermögenswerten grundlegend verändern könnte.
„Gestern kam es zu atemberaubenden Schwankungen an den Ölmärkten. Im frühen asiatischen Handel schoss Brent aufgrund saudischer Förderausfälle und Panikkäufen in Richtung 120 Dollar. Bis zum Ende der US-Sitzung lag der Preis jedoch im Tagesverlauf im Minus und notierte unter 90 Dollar.“
„An jedem Tag, an dem die Straße von Hormus geschlossen bleibt, baut die Welt ihre Vorräte um 10 bis 15 Millionen Barrel ab. Weltweit stehen – ohne strategische Ölreserven – nach Stand Ende Februar rund 700 Millionen Barrel zur Verfügung. Das bedeutet: In 35 bis 70 Tagen wäre die Welt physisch ohne Öl.“
„Die G7 kündigten eine koordinierte Freigabe von Reserven an, verschoben den Schritt jedoch wahrscheinlich auf heute. Das würde den oben genannten Zeitraum um etwa 30 Tage verlängern.“
„Berichten zufolge erwägen die USA Maßnahmen zur Senkung der Ölpreise, etwa eine Aussetzung von US-Ölexporten(!), und/oder eine Aussetzung des Jones Act für den Küstentransport von Treibstoffen sowie mögliche Senkungen der Benzinsteuern für US-Verbraucher.“
„Die Folgen – nicht nur für den Ölmarkt, sondern auch für die Währungsbewertung von Öl und vieler anderer Vermögenswerte – sollten klar sein. Das muss nicht ‚sofort‘ passieren, aber es ist etwas, worüber man jetzt nachdenken sollte, wenn man auf die Straße von Hormus blickt.“