Gold war jahrelang der Star auf der Vancouver Resource Investment Conference (VRIC). Doch diesmal war alles anders. 2025 hat sich Silber mit brachialer Wucht zurückgemeldet – und der Markt spricht plötzlich über nur noch ein Thema: Wie realistisch ist diese Silberpreis Prognose nach dem historischen Anstieg?
Der Silberpreis ist nicht einfach gestiegen. Er ist durch die Decke gegangen.
Noch bis Mitte 2024 dümpelte das Edelmetall fünf Jahre lang zwischen 20 und 25 US-Dollar je Unze. Dann fiel die 30-Dollar-Marke. Doch selbst das war nur der Auftakt. 2025 ging alles ganz schnell: 35 Dollar im Juni. 40 Dollar im September. 50 Dollar im Oktober. Und dann – Anfang Dezember – setzte ein Momentum ein, das selbst erfahrene Marktteilnehmer überraschte.
Bis Ende Januar schoss Silber auf ein Rekordhoch von 116 US-Dollar.
Das ist keine normale Bewegung. Das ist ein Markt, der sich neu bewertet.
Was treibt diesen Markt wirklich?
Ein zentrales Argument, das auf dem VRIC-Panel mehrfach fiel: Silber steckt in einem strukturellen Angebotsdefizit – und das seit sechs Jahren. Und dieses Defizit soll mindestens bis 2026 anhalten.
Während viele Anleger nur auf Charts schauen, passiert im Hintergrund etwas viel Entscheidenderes: Die industrielle Nachfrage explodiert. Der größte Treiber ist die Solarindustrie. Silber ist unverzichtbar für Solarpanels. Ohne Silber keine Energiewende.
Doch das ist nur ein Teil der Geschichte.
Silber ist essenziell für die Automobilindustrie. Für moderne Elektronik. Für Hochtechnologie. Und vor allem: für die Verteidigungsindustrie. Silber wird zunehmend geopolitisch relevant.
Die USA haben Silber 2025 offiziell als kritisches Mineral eingestuft – strategisch auf einer Stufe mit Kupfer. Das bedeutet: staatliche Aufmerksamkeit, mögliche Lageraufbauten, strategische Sicherung. In einer Welt geopolitischer Spannungen ist das ein Gamechanger.
Und hier kommt der entscheidende Punkt für jede seriöse Silberpreis Prognose: Die Nachfrage wächst – aber das Angebot kann nicht einfach mitziehen.
Die meisten Anleger wissen das nicht: Der Großteil des weltweit geförderten Silbers stammt gar nicht aus reinen Silberminen. Es fällt als Nebenprodukt beim Abbau von Kupfer oder Zink an.
Das heißt: Selbst wenn der Silberpreis steigt, wird nicht automatisch mehr Silber produziert.
Noch brisanter sind die Zahlen zur Minenlandschaft. 2025 existierten weltweit nur 52 primäre Silberminen. Bis Ende 2026 soll diese Zahl auf 46 sinken. 2027 könnten es nur noch 39 sein.
Neue Minen? Klingt einfach. Ist es nicht.
Vom ersten Bohrloch bis zur Produktion vergehen im Durchschnitt 17 Jahre. Und nur eines von tausend Projekten schafft es überhaupt bis zur kommerziellen Mine.
Das ist kein Engpass. Das ist ein strukturelles Problem.
Wer also glaubt, dass sich das Defizit kurzfristig auflösen lässt, ignoriert die Realität der Branche.
Nach einem Anstieg von 30 auf 116 Dollar ist die Frage berechtigt: War das zu viel, zu schnell?
Die Experten auf dem Panel waren sich einig: Silber befindet sich weiterhin in einem Bullenmarkt. Aber ja, es gibt blasenartige Züge.
Der Preis notierte zeitweise mehrere Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt. Historisch gesehen ist das nicht nachhaltig. Und tatsächlich folgte kurz darauf eine scharfe Korrektur – der Silberpreis fiel wieder unter 70 US-Dollar.
Das ist kein Crash. Das ist Marktmechanik.
Ein Blick in die Vergangenheit hilft: Zwischen 2001 und 2011 stieg Silber von 4 auf knapp 50 Dollar. Auf dem Weg dorthin gab es fünf Korrekturen von mindestens 15 Prozent. Die durchschnittliche Korrektur lag bei 30 Prozent.
Übertragen auf die aktuelle Lage wären Preise von 75 oder 80 Dollar keine Katastrophe – sondern normale Marktbewegungen.
Eine realistische Silberpreis Prognose muss genau das berücksichtigen: Hohe Volatilität ist Teil des Spiels.
Ein oft übersehener Faktor ist die Marktgröße.
Weltweit werden pro Jahr rund eine Milliarde Unzen Silber aus Minen und Recycling produziert. Bei 30 Dollar pro Unze entspricht das einem 30-Milliarden-Dollar-Markt. Bei 100 Dollar sind es 100 Milliarden Dollar.
100 Milliarden Dollar.
In einer Welt, in der einzelne Tech-Konzerne Billionenbewertungen erreichen, ist das verschwindend gering. Es braucht vergleichsweise wenig Kapital, um den Silberpreis massiv zu bewegen.
Das erklärt, warum der Markt in kürzester Zeit von 30 auf über 100 Dollar springen konnte.
Für Anleger bedeutet das: Silber reagiert überproportional auf Kapitalzuflüsse. Und genau deshalb bleibt die Silberpreis Prognose so spannend.
Ein weiterer Punkt, der für Schlagzeilen sorgen könnte: Viele Silberentwickler und -produzenten kalkulieren ihre Projekte noch immer mit Preisen, die zwei Drittel unter dem aktuellen Spotpreis liegen.
Fast niemand rechnet mit 100 Dollar Silber in seinen Modellen.
Was passiert also, wenn die nächsten Quartalszahlen zeigen, welche Cashflows bei höheren Preisen tatsächlich generiert werden?
Dann könnte die Neubewertung erst richtig beginnen.
Die fundamentalen Treiber – Angebotsdefizit, industrielle Nachfrage, strategische Bedeutung, Kapitalzuflüsse – sind nicht verschwunden. Sie sind weiterhin intakt.
Gleichzeitig hat der Markt deutlich gezeigt, dass er überhitzen kann.
Eine seriöse Silberpreis Prognose kommt daher zu einem klaren Ergebnis: Ja, der langfristige Trend bleibt bullisch. Aber brutale Rücksetzer gehören dazu. Wer mit Hebel spekuliert, spielt mit dem Feuer.
Geduld ist in diesem Markt keine Schwäche. Sie ist Strategie.
Silber hat sich von einem jahrelang ignorierten Edelmetall zu einem geopolitisch relevanten, industriell unverzichtbaren Rohstoff entwickelt. Und der Markt beginnt erst langsam zu begreifen, wie klein dieser Markt wirklich ist.
Die entscheidende Frage lautet nicht mehr, ob Silber relevant ist.
Sondern wie hoch der Silberpreis steigen kann – bevor Angebot und Realität wieder für Abkühlung sorgen.